Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1875)
- Date
- 1875-07-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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606 nach Fünfkirchcn. wo er für seine reformistischen Bestrebungen denn auch einen fruchtbarern Boden fand. Die ortbod. Gemeinde zu Stuhlweißenburg geht einer gedeihlichen Entfaltung entgegen. Durch Herrn Dr. Guggenheim, gegenwärtig Rabbiner zu Kolin in Böhmen, etablirt, steht selbe nunmehr unter Leitung des gelehrten Rabbiners, Herrn Gottlieb Fischer, der einst für Hirsch's Jeschurun überaus gediegene halachische Beiträge geliefert. Hier ist die Trennung nicht bloß bezüglich des Rabbiners, des Bethauses, der Fleischbänke und der Schule, sondern — wie in Bonyhad — auch hinsichtlich der Chewra - Kadischa und des Bät- Hachajim durchgesührt. Letzteren Umstandes wegen entspann sich zwischen mir und einem dortigen talmudisch-gelehrten Herrn B...r nachfolgende Discussion: Ich: Wenn hier die Trennung in solch' weitem Umfange durchgeführt wurde, warum waltet trotzdem bezüglich des Chitun eine mildere Praxis ob? B...r: Es wäre dies die äußerste Confequenz, die anzustreben kaum als opportun erscheinen dürfte; es rangirt diese Maßregel zu jenen Gegenständen, von denen es heißt: ->usn an pwy.. ona Tzsi pr.a\ Ich: Es ist richtig, daß in diesem, von unseren Weisen herrührenden Ausspruch ein gut Stück sogenannter Opportunität begriffen ist. die jedoch in' religiösen Dingen keine zu weite Ausdehnung gewinnen darf. Vollends unrichtig ist es überdies, das Verbot des Chitun in Bezug auf Minim und Apikorßim als äußerste Consequenz auffaffen zu wollen. Eher könnte die Trennung betreffs des Böt-H .chajim als solche gelten. Die Bestattung des r'ii* ist wohl auch nicht zulässig, doch involvirt dies für die Zukunft des Judenthums beiweitem keine solch' eminente Gefahr als das Chitun. Welche Garantie bietet uns denn eine derartige Mischehe für die jüd. Erziehung der Kinder? . . . B...r: Sie veranlassen mich mit Ihren Bemerkungen zu ernstem Nachdenken über diese Angelegenheit. Jndeß hat es sich selbst vor der formellen Trennung nur selten ereignet, daß ein Ehebündniß zwischen religiös so heterogenen Personen gestiftet wurde. Wer hierauf bisher kein Gewicht gelegt, dem werden alle Verbote Nichtsnutzen, also: iw» D’jy» vrrcfaD-o crr? mnl... Dieses Argument genügte mir allerdings; wenn die Verhältnisse so gestaltet sind, darf der Bogen gewiß nicht zu straff angespannt werden! In Stuhlweißenburg begegnete ich zufällig dem Kanisaer Oberrabbiner, Herrn Fassel, der auf der Reise zu feinem Schwiegersöhne, dem Rabbiner Stern in Neu-Pesth, einige Stunden hier verweilte. Ein Greis über 70 Jahre, ist der Mann noch;ehr gut conservirt. Sein üppiges Aussehen verräth nichts davon, daß ihm die Thora eine na n&no gewesen. Die Brust ist demselben geschmückt mit zahlreichen Orden und Kreuzen, die ihm von verschiedenen Potentaten verliehen wurden. Er sagte mir mit anwiderndem Pathos: er habe die Thora salonfähig gemacht! Was Sie mit der Salonfähigkeit der Thora sagen wollen — erwiderte ich — erfasse ich nicht. Soviel nur ist mir bekannt, daß unsere Rischonim und Achronim nicht danach gestrebt haben, für die Thora sich Orden und Auszeichnungen einzuwirthschaften. Sie suchten keinen äußerlichen Schmuck; sie fühlten sich reichlich geschmückt durch mn -na! Es darf indeß zur Steuer der Wahrheit nicht unerwähnt bleiben, daß der decorirte Herr Rabbiner ein Mann ist, der keiner Jnconsequenz geziehen werden darf. Während Steinhardt in Arad nachgerade den Frömmler spielt, während ferner Löw aus Szegedin anläßlich seiner jüngsten Anwesenheit im Pesth nicht den Orgel-Tempel, sondern die sogenannte conservative Synagoge in der Rombach-Gasse besuchte: kann Fasse! mit erhebendem Bewußtsein daraus Hinweisen, daß in seinem Hause seit Decennien keine Tefillin gesehen worden! Nur in Einem Punkte steht Der Kanisaer Rabbiner seinem Collegen in Arad nach. Wahrend nämlich in Arad die Orgel auch am Sabbate in volle Thätigkeit gesetzt wird, erklärte Fasset dies in seiner Gemeinde als unzulässig! Jeder dieser Herren besitzt eben einen aparten Schulckan- Aruch! * » * Zeitungsnachrichten & Cvrrefpondenzen. Deutschland. Cvelsbach (Bayern), Ende Juni. Am 14. Mai wurde dahier die 73 jährige Wittwe Jette Hellmann vom himmlischen Vater in ein besseres Jenseits adgerufen. Die Dahingeschiedene ist es werth, daß ihr Name veröffentlicht und der Mit- und Nachwelt zum ehrenden Andenken übergeben wird. Von einem wohlwollenden Herzen geleitet, und mit der edelsten Gesinnung erfüllt, kannte sie bei all' ihrem Reichthume keinen Stolz und vergaß nicht die Vorschriften unserer heiligen Schrift. Bei ihr fand Verwirklichung rinn 'iyb mens nsa p'axv rirfc», denn sie war bestrebt, pünktlich von Allem das Maaßer zu geben. Durch Errichtung