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Der Israelit · 1875-07-07 · Heft 27 (7.7.1875) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 27 (7.7.1875)
Date
1875-07-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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603 konnte nicht sein — das war unmöglich . . aber sie trösten — o! Alfred, das wäre denn doch lindernder Balsam gewesen für ihr qualgebrochenes Herz . . vielleicht, wenn Sie gewußt hätten, wie Sie geliebt werden, so keusch, so rein, so hingebend! Sie hatten hören sollen, wie Susanne selbst sie entschuldigte, wie warm! — o! Susanne, wie schmerzt mich Dein verlorenes LebenSglück! . . . . Thränen erstickten Löwenstamm'S Stimme, er weinte konvulsivisch, ich aber rief: Wo ist sie? Wo ist Susanne?" Löwenstamm schrack auf. Sein ängstlicher Blick schien sich in die Tiefen meiner Seele versenken zu wollen. — Was wollen Sie von ihr? frug er dann, und ein Zittern durchbebte seine schmerzgebrochene Gestalt, daß die Fesseln klirrend aneinanderschlugen. „Was ich von Susannen will, fragst Du, Vater?" rief ich stürmisch in überströmendem Gefühle . . . was ich von Susannen, meiner Braut, will?! — sie heimführen als mein treues, edles Weib . . mir bist Du rein und schuldlos . . . und lag' Susanne selbst in Kelten und in Kerkersnacht . . in Ketten und in Kerkersnacht sollte sie mein treues Weib werden . . aus' Ketten und aus Kerkersnacht wollte ich sie zur Trauung führen und geduldig würde ich harren, bis sie erlöst würde. Den Eid der Treue, den ich ihr lautlos in meinem Herzen geschworen, den halt ich fest und gerne. Susanne ist der Stern meines Lebens! wo ist sie? gib mir mein Weib, auf daß ich sie heiruführe! „Ich hielt inne, ein Schrei entrang sich Löwenstamm's Brust, ein Schrei, so grell, so spitz, daß er noch jetzt in meinem Ohre fort tönt. „Auch das noch! rief er, seine Hände in wilder Verzweiflung zusammenschlagend, und seine Gestalt schien unter der Wucht des unermeßlichen Schmerzes zusammenzubrechen, — auch das noch. Es bedurfte einiger Minuten, bis er sich gesammelt hatte. Du bist groß, Allmächtiger, Allgewaltiger, fuhr er dann mit unsäglicher Bitterkeit fort. „Bevor Sie kamen, Alfred, hatte ich geglaubt, es könne kein Mensch auf Erden noch unglücklicher, noch elender sein, als ich . . und doch konnte mich nach so vielen harten Schlägen noch ein Schlag treffen, noch härter, rrock schmerzlicher . . Susanne ist vermählt, aus mein Geheiß vermählt!" „O! Franke, das Menschenwort ist arm, ist durstig . . ich kann Ihnen nicht schildern, was in diesem Augenblicke in mir vorging, wie mich diese Nachricht niederwarf - Das kam mir völlig unerwartet . . der Schrecken hatte mir die Besinnung geraubt . . ich blieb sprachlos. „Löwenstamm fühlte, was ich litt: Verzeihen Sie mir, Alfred, rief er, indem er seine magern Hände faltete, Susanne stand allein, sie waren zur bestimmten Frist nicht gekommen, hatten nicht geschrieben . . durften wir hoffen, daß Sie je wiederkehren würden?! Ich war zu zehnjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt . . ich bin tobt für die Welt. . Eleonore und Clärchen sind fort . . ich weiß nicht, wo sie find . . Susanne stand hilflos verlassen und allein den Verfolgungen jenes Menschen ausgesetzt, der mich in's Unglück gestürzt hatte . . Alfred! durfte ich ein Mädchen wie Susanne, diese reine, unentweihte Blume in Elend verkommen lassen?! „Ich schwieg. „Ein junger Schauspieler, Gustav Keer," fuhr Lowenftamm fort, „hatte Susanne bei der öffentlichen Gerichtsverhandlung, wo sie als Entlastungszeugin für mich aufgetreten war, kennen gelernt. Ihre überirdische Schönheit, ihr Herz, ihr Geist, die edle Gluth, mit der sie für ihren unglücklichen Vater kämpfte, rissen ihn zu wilder Leidenschaft hin. . o! Susanne konnte Hinreißen! — Am Abende jenes Tages, an welchem ich verurthcilt wurde, hatte er hier an meines finstern Kerkers Pforte um ihre Hand geworben. Ich glaubte Susanne verlassen, schutzlos und allein . . sie ward verfolgt von jenem finstern Manne, . . . ich flehte sie an, um meinetwillen die Hand des jungen Mannes anzunehmen; Susanne glaubte. Sie würde nie wiederkehren — um meinetwillen gehorchte der Engel — gehorchte mit blutendem Herzen — Susanne erklärte dem jungen, liebeglühenden Manne, sie würde ihm ewig dankbar sein, dafür, daß er sich der Verlassenen erbarmt hatte, — aber sie gestand ihm offen, daß sie einen Andern unendlich geliebt und daß die Erinnerung an diese Liebe, die das höchste Glück ihres Lebens gewesen, nur mit ihrem letzten Athemzuge erlöschen würde. . o! Alfred — Susanne hatte Sie unermeßlich tief geliebt! „Susanne vermählt! wann? wo? stammelte ich, der Sinne und des Wortes nicht mächtig. „Vor sechs Tagen wurde sie vom hiesigen Rabbiner stille getraut", antwortete Löwenstamm. „Zürnen Sie mir nicht, Alfred . . Gott, der mein zuckendes Herz sieht, weiß es, wie ich jetzt von Neuem, verdoppelt, zehnfach, tausendfach leide!" „Wo ist Susanne?" rief ich in wilder Fiebergluth . . „Susanne ist fort, weit weg," entgegnete Löwenstamm . . „sie ist das Weib eines Andern,.. sie folgte ihrem Gatten. . . Vergessen Sie, wenn Sie können, Alfred, und — Gott tröste Sie . . .

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