Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1875)
- Date
- 1875-07-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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600 fallt uns gar nicht ein, das, was die Redaction des Lit.-Blgeistreiche Aperous nennt, zu widerlegen oder zu krrtisiren. Denn, wenn wir erst so weit sind, irgend welchem kühnen Einfall kritische Bedeutung beizulegen, so hätten wir bald ein das nur ein Zerrbild des wirklichen pjn wäre. Ueberhaupt ist es ganz merkwürdig, das eine Kritik zu nennen, wenn man darauf ausgeht, schwierige Stellen ohne Weiteres zu ändern,' was natürlich alle Schwierigkeiten leicht beseitigt. Wie bescheiden doch dagegen unsere Vorfahren waren. Diese scheuten sich sogar gegen einen anerkannten Commentar, wie etwa '2'"-, oder D3"En, sich solches zu erlauben, und wagten sie es ein Mal, so geschah es nie ohne die schüchtcrneEinleitung «o'rnDsn Herr Reifman, die große Sonne unsres Jahrhunderts, sagt dagegen: „ich lese ganz ruhig", d. h. ich habe schon so viele Conjecturen ausgestellt, daß es mir auf eine mehr oder weniger gar nicht ankommt. Dies erinnert uns unwillkürlich an die Aeußerung eines jungen Mannes, der uns erklärte, während der Genuß der verbotenen Speisen ihm anfänglich Gewissensbisse gemacht hätte, er dies jetzt mit völliger Gewissensruhe thun könne. Das eine, was uns bei diesem Gebühren tröstet, ist der Gedanke an die letzte n;rö in hd-d, die diese und ähnliche Erscheinungen als 'rvipoi 82^2 darstellt. A Königsberg, 14. Juni. Der immer größer werdende Handelsverkehr unserer Stadt mit dem benachbarten Rußland vermehrt hier die ohnehin nicht geringe Anzahl der polnischen Juden von Tag zu Tag. Schon besitzen Dieselben ihren eigenen Rabbiner aus Russisch-Georgenburg und drei Synagogen, darunter eine Chaßidim-Schule, welche letztere jedoch für die Menge nicht mehr ausreichen, so daß die bei uns größtentheils einheimisch gewordenen fremden Glaubensbrüder nunmehr bereits qenöthigt sind, sich zwei neue Synagogen zu erbauen. Zur Orgel-Synagoge sind von ihnen meines Wissens nur etwa 3—4 Individuen übergegangen. Dieses Gotteshaus ist übrigens augenblicklich ohne — Organisten und sucht erst einen solchen wieder zu engagiren, welcher — selbstverständlich christlicher Religion sein muß; denn einen jüdischen Organisten — gesetzt, es gäbe einen solchen — natctt hip sein zu lassen, wagen die Reformer nicht — ihren russisch-polnischen Glaubensgenossen und — Geschäftsfreunden gegenüber. — Die Lycker Zeitschrift „Hamaggid" brachte vor einiger Zeit die beruhigende Nachricht von hier, daß der seit l1/* Jahren krank darniederliegende Literat Dr. M. Freystadt, der unermüdliche Vertheidiger des orthodoxen Judenthums, wieder völlig hergestellt ist. Wollte Gott, dem wäre so! Leider aber ist dies nicht der Fall; derselbe ist vielmehr noch immer bettlägerig und fristet seine armselige Existenz durch ' Fortsetzung seiner publicistischen Arbeiten für die liberale .Königsb. Hartung'sche Zeit.", wobei er auch nicht der guten Sache seiner Glaubensgenossen vergißt, wenngleich diese ihn in seiner gegenwärtigen Bedrängniß im Stiche lassen. Den Rath seiner Aerzte. sich Sommer über auf dem Lande zu erholen, ist er äußerer Umstände halber nicht einmal zu befolgen im Stande. Er, der so Vielen im Leben geholfen und oft sein Letztes für die Armen hingegeben hat, ist augenblicklich selbst ohne Hilfe. — Unser berühmter Mitbürger und Glaubensgenosse Dr. Joh. Jacoby feierte am 1. Mai seinen 70sten Geburtstag, wozu ihm durch vielfache Zuschriften, Depeschen und Deputationen von nah und fern herzlich gratulirt wurde. Einen ähnlichen Triumph feierte derselbe am 8. December 1874, dem Jahrestage, an dem er vor 25 Jahren von dem hiesigen Schwurgerichte von der schweren Anklage des Hochvorraths freigesprochcn worden ist. An jenem denkwürdigen Tage, erinnern wir uns bei dieser Gelegenheit, safteten und beteten hier arme jüdische Frauen von Morgen bis Abend auf dem Friedhofe für den Angeklagten, den sie als ihren Arzt und Wohlthäter verehrten. Jacoby ist n"2 noch rüstig und geistesfrisch. Wie sein 70. Geburtstag von den Israeliten als solcher begangen wurde, wissen wir nicht, nur von dem genannten Literaten Fr. wissen wir, daß er ihm zu dem Feste folgende Zuschrift übersandte: „An Herrn Dr. Joh. Jacoby, hier, zum 1. Mai 18i5. Geehrter Herr Dvctor! Auch der Kranke mischt sich unter die Zahl Ihrer heutigen Gratulanten, um Ihnen seine herzlichsten Glückwünsche darzubringen, da Sie das biblische Alter erreicht haben, und die Vorsehung zu preisen, welche Sie einst der Welt, der Menschheit, der Sache der Freiheit, dem Judenthume, den Bedrängten und Unterdrückten gegeben hat. Sie verdienen eigentlich Methusalems Älter, wenigstens hundert Jahre in voller Kraft und Fülle der Gesundheit zu erreichen. Möge das Bewußtsein, stets nur das Wahre, Gute und Edle erstrebt zu haben, den Abend Ihres Lebens verschönen; mögen Sie noch viele, viele Jahre Ihre Bestimmung erfüllen, welche zugleich, nach den Worten Moses Mendelsohns, die Bestimmung jedes Menschen fern soll: nämlich nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, das Gute wollen, das Beste thun! Dies ist der aufrichtige Wunsch Ihres Freundes und Verehrers M. Freystadt, Königsberg." Schließlich machen wir Ihre Leser auf eine