Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1875)
- Date
- 1875-07-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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599 entrichten sollen, cassirt und erklärt, „daß eine Verpflichtung der fraglichen Art als eine unzweifelhaft zu Recht bestehende nicht anzuerkennen sei'. Hierzu bemerkt nun die „Fuldaer Zeitung" : „Selbstverständlich wird diese Entschließung nicht nur in den obengenannten. sondern in allen Gemeinden ihre Anwendung finden, in welchen gleiche Verhältnisse obwalten. Demzufolge werden die betreffenden katholischen Pfarrer neben dem Verluste ihrer früheren Bezüge aus Staatsmitteln fortan auch die Einbuße der bisher competenzmäßigen Juden-Neujahr-Gelder zu verschmerzen (!) haben." Höchst *> M.„ 13. Juni. (Verspätet.) Wir haben heute die Ueberrefte eines braven, tugendhaften und religiösen Mannes der Erde übergeben. Herr Joseph Wolf sel. Andenkens ist nicht mehr. Zwanzig Jahre war er Vorsteher der hiesigen Gemeinde und nur der in dem sabbatlichen Gebete für die Gemeinde vorkommende Satz: c’-oiytt' 'v vai D-ot? tt?n Tna trnpn djidjo -nas 'a">sa, „und allen, welche für die Bedürfnisse der Gemeinde getreulich "'ich bemühen, möge der Heilige, gelobt sei Er, ihren Lohn zahlen!" munterte ihn auf, diesem undankbaren Amte so lange in der würdigsten Weife vorzustehen. Gewissenhaft, ohne Ansehen und Rücksicht auf irgend einen Einfluß eines oder des andern Gemeindemitgliedes, bekleidete er dasselbe. Er trug stets für das Gemeindewohl Sorge, und überwachte wie ein treuer Hirte Synagoge und Schule. Sein Haus war stets ein gastfreundliches. Stolz war ihm fremd, mit einem Worte: er wandelte in den Wegen des Herrn. Der große Leichenzug, welchem sich alle höhere Beamten anschlossen, gab von der ihm im Leben gezollten Achtung Zeugniß. Der Verlust eines solchen Mannes ist tief zu beklagen. Möge der Ewige uns diesen Verlust, diese Lücke ausfüllen, diese Zierde der Gemeinde ersetzen! Ihm aber wird der Lohn der Frommen zu Theil werden. E. W., Lehrer. Hamburg, 28. Juni Wenn man die Erklärung irgend eines Buches der heiligen Schrift vornimmt, ja sogar wenn dies vom Standpunkte der Kritik aus geschieht, so darf man vor allen Dingen nicht vergessen — wir sprechen natürlich nur vom jüdischen Standpunkte — daß wir ein göttliches Werk vor uns haben, das jedenfalls mindestens Achtung in der Besprechung verdient, und keine frivole Behandlung gestattet. Zu dieser, jedem Gebildeten überflüssig scheinenden Bemerkung veranlaßt uns ein Artikel in Nr. 12 des Literatur- Blattes der Jsr. Wochenschrift von I. S. Bloch, der sich des Buch Jona zum Vorwurf genommen hat. Wir bemerken im Voraus, daß von keiner eigentlichen Kritik die Rede sein kann, da der in Rede stehende Artikel sich noch gar nicht mit dem Inhalt des Buches beschäftigt, sondern daß wir es nur mit dem Tone zu thun haben, in welchem derselbe abgefaßt ist. Gleich der vielversprechende Anfang lautet folgendermaßen: „Das Schriftchen Jona, eine hübsche novellenartige Erzählung etwas sonderbarer Art, bildet eins der eigenartigsten Literatur-Stücke, die aus der altteftamcntlichcn Zeit auf uns gekommen." Wenn auch die historische Schule des Hrn. Grätz uns längst an starke Ausdrücke in dieser Beziehung gewöhnt hat, so übertrifft aber doch dieses alles bisher von jüdischen Kritikern Geleistete. Eine hübsche Novelle, und noch dazu sonderbarer Art! Fürwahr, ein merkwürdig frivoler Ausdruck. Wie muß doch Meister Grätz sich so hoffnungsvoller Jünger freuen! Was ist da nicht noch zu erwarten, denn das eben ist ja der Fluch der bösen That, daß sie fortzeugend Böses muß gebären. Ich glaube aber, es wird Herrn Grätz wie dem Götheschen Zauberlehrling gehen, und er wird die Geister, die er wach gerufen, nicht wieder bannen können. Und wie dies schon in Fleisch und Blut dieser Grätz'schen Jünger übergegangen ist, erhellt aus dem Folgenden: „Daß Kohelet mehrere Veränderungen und Bearbeitungen erfahren, und ans verschiedenen Theilen zusammengesetzt ist" — nun das ist schon eine ausgemachte Sache denn Meister Grätz, der auch so ein Stück unfehlbarer Papst ist, hat's ja ganz klar bewiesen, und anatdews. sit, wers nicht glaubt. In demselben vornehm-mitleidigen Ton wird auch später bemerkt: „Es ist viel über dieses sonderbare Schriftchen gedacht, man hat darüber gespottet, gelächelt, gewitzelt " Wahrlich eine schöne Sprache in Bezug auf die heilige Schrift! Ihren Gipfelpunkt aber erreichte diese unverschämte Schreibweise in den witzig sein sollenden Bemerkungen über die Schechina, die wir wieder zu geben für sündhaft halten. Es ist uns bei dem Tone des Ganzen, vorzüglich aber bei diesem Passus, unwillkürlich die Stelle aus Faust eingefallen: „uns ist ganz kannibalisch wohl, als . . . Wir haben noch nie die heilige Schrift in einer unanständigeren und unfeineren Manier behandeln sehen, als es hier mit so vornehmer Nonchalance geschehen ist. Dabei zeugt der Einwand von der Prophezeiung des Moscheh von keiner großen Belesenheit in den agadischen Schriften und Commentaren der heiligen Schrift, da dieser Einwand angeführt und widerlegt wird. Bei dieser Gelegenheit können wir nicht umhin, auch einige Worte in Betreff der darauf folgenden Erklärung von Reifman zu bemerken. Es