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Der Israelit · 1875-06-30 · Heft 26 (30.6.1875) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 26 (30.6.1875)
Date
1875-06-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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583 Zeitungsnachrichten L Correspondenzen. Deutschland. Aus Württemberg. Welch' herrliche Blüthen der protestantische Pietismus treibt, dazu liefert die Nr. 23 des „Stuttgarter evangelischen Sonntagsblattes-, vom pens. Pfarrer Held redigirt, einen recht sprechenden Beleg. Es heißt da unter der Rubrik „Zur Weltage" wörtlich: „Gut wäre es, wenn da und dort auch der Liberalismus seine — wenig Segen bringende Arbeit einstecken würde. Ein besonderes Schooßkind des Liberalismus sind die Juden. Man stellt z. B. jüdische Lehrer an Volksschulen an, wie soeben in Nürnberg; in Germersheim hat man den Juden die Mitbenutzung des Kirchhofs eingeräumt, aber siehe da! die Juden wollten erst nicht bei den Christen beerdigt sein. Man hat bekanntlich den Juden alle Rechte gegeben, aber wie wird das von manchen derselben mißbraucht, namentlich in Oesterreich und auch in Norddeutschland! Der jüdische Schriftsteller und die jüdische Presse verhöhnt das Christenthum; jüdische Volksvertreter verfügen theilweise über christliche Sitte und Kirche; die jüdische Börse ist im Besitze des Geldes, jüdische Händler beuten da und dort leichtfertige Schuldenmacher durch Darlehen auf „Wechsel" aus, und den jüdischen Frauen ahmt man den Putz und die Mode nach. Und die Knechtschaft und die Furcht vor dem Borwurf der Unduldsamkeit ist so groß, daß nur selten eine Zeitung diesen Krebsschaden der Verjudung mit Namen zu nennen pflegt." Das evangelische Sonntagsblatt ist ein vielgelesenes Blatt, und es ist wohl nicht zu verwundern, woher der blinde Judenhaß rührt, wenn sich ein ftommes Kirchenblättchen nicht schämt, solch' aufreizende Jnvektiven gegen eine Confession von Stapel zu lassen, die längst dem Staat den Beweis geliefert hat, daß sie der ihr eingeräumten Gleichstellung mit anderen Confesstonen im vollsten Grade würdig ist. Bei dem billigdenkendenLeser dieses Toleranz predigenden Sonntagsblatts werden daher sicherlich solche Schmähungen wirkungslos verhallen und nur dazu dienen, einen Einblick in das fromme Treiben solcher Herren zu gewinnen. Wäre da wohl nicht eine kriminalrechtlrche Klage wegen Aufreizung durch die Presse angezeigt? Be^kin. Der „Staatsanz." meldete kürzlich, daß der bisherige Salarienkassenrendant in Leobschütz, Jakob Böhm, zum Geh. Kalkulator und expedirenden Secretair im Cultusministerium ernannt worden sei. Der Fall würde an sich kaum ein besonderes allgemeines Interesse erregen, wenn nicht der neue Beamte des Cultusministeriums, worauf der „Börsen-Cour." hinweist, ein Jude wäre. Hannover. Wie im vorigen Jahre das Rundschreiben des Landrabbiners Dr. Meier in Betreff der Civilehe in den hiesigen freisinnigen Blättern heftige Angriffe erfahren hat, so hat jetzt wieder eine Predigt in denselben Blättern eine scharfe Beurtheilung gefunden. Dem Gebrauche, nach dem Tode großer Männer über dieselbe eine« ied,-i zu halten, wollte der Landrabbiner schon längst Genüge leisten und den Heroen der jüdischen Wissenschaft, die vergangenen Winter von uns geschieden, einen Nachruf widmen; da aber leider wenig Leute hier sind, die den Verlust solcher Männer zu empfinden und zu würdigen wissen, würde es schwer gehalten haben, an einem Wochentage eine der Bedeutung der Feier gemäße Zuhörerschaft in der Synagoge zu versammeln. Dr. Meier benutzte daher den nzv vor niyo», an welchem ruo ist in der Synagoge D’omn Irr laut vorzutragen, in seiner Predigt auf die bedeutenden Verluste für das Judenthum, die es im vergangenen Winter durch das Hinscheiden berühmter Männer erlitten, aufmerksam zu nrachen und auf die Bedeutung derselben hinzuweisen und zu beklagen, daß das Interesse für dieselben so wenig sei. Nach derselben ließ er vom Chasan das o»om ba sehr feierlich vortragen. In der Gedächtnißfeier wurden folgende Rabbinen genannt: Rabbi Elias Gutmacher, Rabbiner in Grätz, Rabbi I. S. Nathansohn in Lemberg, R. Hirsch Kalischer in Thorn, Rabbiner Schwarz in Cöln und Seminardirector Frankel in Breslau. Die Anhänger Geigers erwarteten, daß bei dieser Feier auch der Name ihres Meisters erwähnt würde, aber dies geschah selbstverständlich nicht. Für diese Unterlassung wurde Dr. M. stark angegriffen und als Fanatiker verschrieen, indem hervorgehoben wurde, daß die meisten der genannten Männer zwar als Talmudisten bedeutend gewesen wären, aber keine der Gefammtheit zu Gute kommende wissenschaftliche Thätigkeit entfaltet hätten, während Geiger als Theologe (?) Dibelkritiker. Exeget u. s. w. das Feld der jüdischen Wiffenschast in epochemachender Weise culüvirt habe. Nach ihrer Ansicht sei sein Hinscheiden ein weit größerer Verlust für das Judenthum, als das der andern In gebührender Weise ist darauf von anderer Seite erwidert worden, daß. das Judenthum als solches den Verlust eines Mannes, der, wie er, als Theologe die Offenbarung Gottes leugnet, als Bibelkritiker die heiligsten Erzählungen

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