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Der Israelit · 1875-06-30 · Heft 26 (30.6.1875) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 26 (30.6.1875)
Date
1875-06-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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584 in der Thora als Mythe erklärt und als Exeget unfern heiligen Vater Jacob dem Efau hintenanstellt, nicht zu beklagen habe. Die Synagoge sei nicht der Ort, wo man einem Mann, der vierzig Jahre das Judenthum durchwühlt und untergraben und demselben unheilbare Wunden geschlagen, eine Todtenfeier halten könne. Die Freunde Geigers beruhigten sich mit dieser Erklärung nicht und es wird noch in den hiesigen Zeitungen darüber polemisirt. Wessen Ansicht die richtigere ist, brauche ich der Lesern dieser geschätzten Blätter nicht zu sagen. (Unser geehrter Herr Correspondent ist im Jrrthum Wir und mit uns gewiß viele geschätzte Leser sind der Ansicht, daß am amp raw die Erwähnung des Todes Geigers nach den Schlußworten von Mischle 11, 10 sehr angemessen gewesen wäre; dagegen finden wir es unverantwortlich, auf die Guttmacher, Nathansohn und andere aroße Männer wie diese ^"piyr am Sabbat eine Klagerede zu halten. — Red.) Hamburg. Der Vorstand des deutsch -isr. Synagogen-Verbandes hat jetzt nach sechsjähriger Thatigkeit den Mitgliedern einen Bericht überfeine Thatigkeit zugestellt, welcher Details über die Verwaltung der Synagoge, des Cultus, des rituellen Badehauses, des Schächtwesens und der Anfertigung der „Mazzoth" gibt. Der Vorstand hat laut des Berichts mit nicht unerheblichen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die neue Synagoge auf den'Kohlhöfen wird in nächster Zeit große Summen für Reparaturen erfordern. doch ergibt dieselbe in finanzieller Hinsicht ein günstigeres Resultat als die Synagoge in der Elbstraße, welche eine große Anzahl in früherer Zeit gewährter Erbstellen enthält, die durchaus keine Einnahmen bringen. Der Verkauf bei den concessionirten Fleischhändlern hat derart zugenommen, daß die Anstellung eines vierten Schächters nothwendig geworden. Bei der Herstellung der Mazzoth hat man von der Anwendung der Maschinen Abstand genommen, um den dabei beschäftigten unbemittelten Arbeitern den Verdienst während der Wintermonate nicht zu entziehen. Besonders hervorgehoben wird, daß man sich wohl bald genöthigt sehen wird, den Wünschen, welche bezüglich der Hebung des Gottesdienstes und damit verbundener Vergrößerung des Cultuspersonals laut geworden, Rechnung zu tragen. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wie«. Herr Abraham Schleßinger in Wien gehört zu den achtbarsten Mitgliedern der israelit. Gemeinde, und ist auch in der Geschäftswelt als ein sehr solider Kaufmann bekannt. Trotzdem fein Vermögen von dem „Krach" ebenfalls stark mitgerissen wurde, wandte er alles Mögliche an, um feine Gläubiger zu befriedigen. Der Krach ist aber jetzt sehr anhaltend und andauernd, so daß sein Ende gar nicht abzusehen ist und Herr Schleßinger war gezwungen, seine Zahlung einzustellen. Am 22 März (ome hatte die Execution sein sollen, bei welcher er auf 40,000 fl. gepfändet werden sollte. Der Jammer läßt sich denken — und siehe! Unter den Gerichts-Executoren erschien plötzlich ein elegant gekleideter junger Mann und rief: „Meine Herrn! geben Sie sich keine weitere Mühe, hier sind 40,000 Gulden; gedulden Sie sich nur, bis ich das Geld zusammenzählen werde!" Die Gerichtsexecutoren und namentlich Herr Schleßinger selbst blickten erstaunt auf den jungen Mann und konnten vor Ueberraschung kein Wort hervorbringen; aber das Auge der Mutter sieht weiter als jedes andere — und plötzlich rief sie: „Mein süßer und guter Dolphie!" und fiel ihrem Sohne um den Hals. Jetzt natürlich erkannte auch der Vater seinen Sohn, den er vor 10 Jahren wegen seiner schlechten Streiche aus dem Hause gejagt. Der junge Adolph Schleßinger wanderte nach seiner Vertreibung nach Australien, wo er sich bei den dortigen Goldgruben ein ungeheures Vermögen verschaffte. Es war daher eine besondere Fügung Gottes, daß dieser Sohn gerade zu dieser Zeit nach Hause kam. Hier bewährt sich das Sprichwort: „Wo die Roth am größten, da ist Gottes Hilfe am nächsten!" (N. fr. Pr.) Italien. Rom. Wie italienische Zeitungen melden, ist Adolph Berwin (Israelit) im März d. I. zum Professor und Bibliothekar der Akademie der Musik von Santa Cecilia in Rom ernannt worden. Derselbe ist aus Schwerfens bei Posen gebürtig, befindet sich gegenwärtig im Alter von ca. 27 Jahren, studirte auf dem Stern'schen Conservatorium in Berlin sowie später in Wien Musik, ging alsdann, um sich weiter zu vervollkommnen, nach Florenz und Neapel, und später nach Rom. Gegenwärtig bereist derselbe auf Kosten der italienischen Regierung die aufgehobenen Klöster der Provinz Nom, um alle dort noch vorhandenen werthvollen Muükwerke ansfindig zu machen und den reichen Sammlungen der Akademie von Santa Cecilia einzuverleiben. ES ist der erste Deutsche, der zum Mitgliede jener Akademie ernannt worden ist. / rattrv-___L

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