Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1875)
- Date
- 1875-05-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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438 für die energische Fortführung des Gotteskampfes. Wir erblicken denn auch in der unerwarteten Sistirung der Cultussteuer-Execution blos einen gelungenen Kniff der Reformgemeinde, die ihre Gegner hiedurch des wirksamsten Spornes beraubten. In der That herrscht infolge des vermeintlichen materiellen Sieges im Lager der Schiff- Synagoge eine Friedensseligkeit, die mit den trefflichen Reden des Rabbiners Spitzer gar arg contrastirt. Herr Spitzer ist ein Mann, der auf der Kanzel mit der ganzen Energie feiner Persönlichkeit für die Sache des unverfälschten Judenthums eintritt. Diese Energie bekundet sich jedoch nur innerhalb der Schiff - Synagoge, wahrend außerhalb dieser heiligen Raume leider eine nur zu geringe Thatkraft manifestirt wird. Ware mehr Actionslust vorhanden, der Sieg der hiesigen orth. Israeliten wurde bereits seit Jahren eine vollendete Thatsache sein. In Deutschland haben unsere Glaubens- und Gesinnungsgenossen gegen ein noch zu Recht bestehendes G e setz anzukämpfen, hier jedoch blos gegen ein die Gemeinde-Einheit als Postulat anerkennendes Statut, welches aber noch vor Einführung der Reform geschaffen wurde und infolge der radikalen Neuerungen, welche die hiesige Cultusgemeinde angenommen, (cbc verbindende Kraftnothwendig einbüßen mußte. Leider gebrichts aber an einer geeigneten Hand, welche diesen geringfügigen Kampf einer günstigen Entscheidung entgegenführen sollte. Es ist Niemand da, der in maßgebenden Kreisen über die Natur des eigentümlichen Streites hinreichende Aufklärung geben könnte. Es könnte dies wohl auch auf dem Wege der Presse mit Erfolg geschehen, allein diese Großmacht scheint in den Kreisen der Schiff-Synagoge noch keine Anerkennung gefunden zu haben. Es weht daselbst ein noch zu patriarchalischer Wind, als daß man sich um solche neuzeitliche Vehikel ein graues Haar wachsen ließe. „Wie gefiel Ihnen das Magidoth vom verflossenen Sabbat?" — Diese Frage bildet den Angelpunkt, um welchen alles geistige Streben der Besucher der Schiff-Synagoge die ganze Woche hindurch sich bewegt. Erengi. Palästina. Lieutenant Eon der, der mit der Erforschung Palästinas betraute britische Ingenieur, berichtet die Entdeckung der Stadt und Höhle Adull am. M. Clermont Ganneau fand im vorigen Jahre an einer Ruine in dem „Schephelah", einer Niederung in Judah, den Namen Ayd el Mieh. Die Forschungsexpedition unter der Führung Sonders ist nun nach eter gründlichen Prüfung des Ortes zu dem Schluffe gelangt, daß daselbst das einstige Adullam stand. Ayd el Mich befindet sich in einer beherrschenden Lage in dem muthmaßlichen Thale Elah, wo David den Goliath tödtete. An beiden Seiten des Thales befindet sich eine Anzahl von noch immer als Wohnstätten und Ställen benutzten Höhlen, in welchen David und sein Gefolge bequem Unterkunft gefunden haben dürften. Feuilleton. Ei« Almosenier. Erzählung von L. Herzberg-Fränkel. (Schluß) Draußen vor der Synagoge, unter des Himmels blauem Zelte, halten zerlumpte Bursche vier durch eine Damastdecke oben verbundene Stangen; das ist die „Chupe", und unter derselben harrt das kleine Männchen, zu beiden Seiten feine zwei mit brennenden Fackeln versehenen, um halbe Körperlänge ihn überragenden Führer. Hieher wird, von zwei verheiratheten Frauen gestützt, von geladenen und ungebetenen Gästen, einer johlenden Gassenjugend und einer lärmenden Musik gefolgt, die dicht verschleierte Braut gebracht. Siebenmal umkreist sie den ihr bestimmten Gatten, bis sie ihm gegenüber den Platz einnimmt. Und wie sie neben ihm steht — sie mit der weißen Binde um die Augen, er im weißen Kittel und dem gestreiften Betmantel unter dem offenen schwarzen Talar, die hohe Pyramidenmütze auf dem Kopfe — könnte man glauben, erwachsene Leute sehen in Carnevalslaune einem grotesken Kinderspiele zu. Nun erscheint der fromme Schöpfer dieser wunderlichen Ehe, der Beschützer dieser beiden armen Wesen, der Marin, der sie zu einander fand, der ihnen die Kleider, in denen sie heute prangen, das Festessen, das sie heute erwartet, nnd die Mittel verschaffte, die ersten Wochen der jungen Ehe ungetrübt von Sorgen und Noth leben zu können — der sonderbare Bettler, der, selbst darbend, feine Hand nur für Andere ausstreckt und seine Nächte sogar, die Stunden der Ruhe und des^Vergessens, dem frommen Werke der Nächstenliebe widmet, um sich Schritt für Schritt den Weg zum Paradiese zu bahnen, für das er lebt und stirbt. Mit solchen V