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Der Israelit · 1875-05-19 · Heft 20 (19.5.1875) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 20 (19.5.1875)
Date
1875-05-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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435 „Die Pferde sind in der schwarzdunkeln Nacht auf einen Steinhaufen augeraunt", antwortete der Postillon im Dialecte der Gegend «Himmelsternsapperment .... der HanSl hat sich einen Stein in die Hufe geklemmt . . . Teufel! Der Brustrieme gesprengt, die Deichsel gebrochen . . . pechrabenschwarze finstere Nacht ... ein wahres Höllenhundewetter . . . und ringsum kein HauS, kein Mensch . . . Tausend Himmelsa. . .* „Was nützt das fluchen?" sprach der Reisende, aus dem Wagen steigend, und die Schäden; — soweit es die Dunkelheit gestattete und es der Tastsinn möglich machte — prüfend, „das ist schlimm! Pferde und Wagen bringst Du nicht von der Stelle, und ich kann nicht hier auf offener Straße übernachten. . . . Wie weit ist es von hier nach Burgstein?" „Starke dritthalbe Meilen." „Welches ist das nächste Dorf oder das nächste Haus auf der Straße nach Burgstein!" „Ja, du mein lieber Himmel! — von hier bis Burgstein gibts kein Dorf und kein Haus, das ist der ödeste Strich im ganzen Lande." „Das ist sehr verdrießlich", murmelte der Reisende vor sich hm, „ich kenne die Gegend hier ringsum gar nicht, sonst wäre ich trotz Sturm und Wetter zu Fuß nach Burgstein gegangen. . . Aber seitwärts muß doch irgendwo eine menschliche Behausung näher liegen?" wandte er sich wieder an den Postillon. „Eine starke Stunde links ab, — das grüne Wirthshaus, hart an der Grenze", entgegnete dieser brummend, „schönes Wirthshaus das — ein wahres Hundeloch! — saures Bier — grober, schuftiger Wirth, ein Schlupfwinkel für Pascher, Wilddiebe und anderes gefährliches Gesindel." „ES bleibt mir unter diesen Umständen keine Wahl", sprach der Reisende zu sich selbst, „ich «ruß mich entschließen, dort zu übernachten — Gib mir, so gut Du kannst, den Weg an; ich will Dir Leute schicken, die Dir helfen Wagen und Pferde unter Dach zu bringen." Der Postillon beschrieb'den Weg, der Reisende nahm seine Pistolen aus dem Wagen, steckte sie in die Taschen seines weiten Pelzes, und schlug dann die ihm angewiesene Richtung ein. Tiefe Dunkelheit und stürmisches Wetter sind einer Fußwanderung in unbekannter Gegend eben nicht günstig; auch mußte der Reisende nicht den richtigen Fußsteig verfolgt haben, denn erst nach ermüdender dreistündiger Wanderung gelangte er zu dem Berge, dessen Spitze ein verfallenes Forsthäuschen krönte und zu deffen Füßen, nach der Angabe des Postillons, das eben nicht schmeichelhaft empfohlene Wirthshaus an einem Landwege liefen sollte. — Das Wetter hatte sich mittlerweile einigermaßen verändert. Die grimmige Kälte hatte zwar noch zugenommen, dagegen aber hatte sich der Schneesturm gelegt, die Wolken wurden zarter, durchsichtiger; — sie begannen im eiligen Fluge rasch auseinanderzufließen, und die Mondscheibe trat zeitweilig, von einem Stückchen azurblauen gestirnten Himmel eingerahmt, aus ihrer Verhüllung hervor. Der Fremde suchte sich in der Gegend zu orientiren. Es schlugen nun menschliche Stimmen an sein Ohr; er verfolgte die Richtung, aus der sie kamen, und, an der Vorderseite des Berges anlangend, sah er das ihm bezeichnete Wirthshaus etwa fünfzig Schritte vor sich. Er schritt rasch naher, in kleiner Entfernung blieb er plötzlich unbeachtet, lautlos und gespannt horchend, stehen. Der Mond beleuchtete eine gar eigenthümliche Scene! Vor der Thüre des elenden Wirthshauses stand ein ärmliches Gefährte, ein kleines schlechtes Wägelchen mit einem magern Klepper bespannt. Eine eingehüllte weibliche Gestalt lag auf dem beeisten Boden, eine zweite bat mit zitternder Stimme dringend um Einlaß, welcher ihr von dem Wirthe, einem herkulischen Manne, der vor dem Eingänge des Hauses stand, hartnäckig verweigert wurde. Einige Schritte seitwärts saß brummend und scheltend der Fuhrmann des Wagens. „Ich flehe Sie an", begann die bebende weiblicke Stimme von Neuem . . . „Sein Sie barmherzig! . . . Sie können meine Mutter nicht auf offener Straße im grimmigen Froste umkommen lassen . . nur ein Nachtlager. . das dürftigste . . bas allerelendeste . . ein bischen Stroh. . ." „Ich Hab' schon gesagt, cs wird nichts daraus", antwortete der Wirth barsch — „das war' mir eben recht, sterbende Passagiere aufzunehmen, und gar solche . . . nicht für fünfzig Gulden thu ich's, und Sie sehen mir gerade aus, als ob's nicht fünfzig Kreuzer bei sich hätten. . . „Allerbarmer!" murmelte das Mädchen leise, „mußten wir noch, um das Unglück übervoll zu machen, unsere letzte geringe Baarschaft auf dem Wege verlieren!?" „Mach der Sach ein End','Franz", sprach der Wirth ungeduldig zu dem Fuhrmanne — „mir wird die Geschichte schon verdrießlich . . auch ist mir kalt . . lad die Frau wieder auf Dein Wägelchen und fahre weiter, . . Dein Warten hilft so nichts, . . 'rein in's grüne Wirthshaus kommt sie nicht!" Die Kranke, auf dem Boden liegend, bewegte sich leise. Das Mädchen warf sich leidenschaftlich neben sie nieder.

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