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Der Israelit · 1875-05-19 · Heft 20 (19.5.1875) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 20 (19.5.1875)
Date
1875-05-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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434 Dorgetragen werden sollten. Wir geben dieselben hier dem Inhalte nach wieder: Zunächst nahm darin der ehrwürdige Rabbiner rührenden Abschied von der Heerde, der er solange ein treuer Hirte gewesen, dankte für alle ihm erwiesene Liebe und Treue und bat Jeden, den er etwa aus Berufseifer oder privatim beleidigt haben sollte, um Verzeihung; dann ermahnte er die Gemeinde, stets eine fromme nbnp zu bleiben, Einigkeit und Eintracht zu bewahren und die Kinder in Gottesfurcht zu erziehen; auch dafür Sorge zu tragen, daß die Vereine und Wohlthätigkeitsanstalten in voller Blüthe erhalten werden, damit die Gemeinde in Bezug auf Thora und Gemiluth Chaßadim ihren altbewährten Beruf sich bewahre. Schließlich fügte der ehrwürdige Greis Worte des Segens hinzu, die von der innigen Liebe zeugten, welche er stets für seine Gemeinde gehegt hatte. Diese Worte sowohl wie auch die von den beiden genannten Rabbinen gehaltenen Trauerreden fanden ungetheilte Aufmerksamkeit und machten auf alle Anwesenden den tiefsten, hoffentlich bleibenden Eindruck. Der Verlust solcher Männer, die als hellleuchtende Sterne, Führer und Steuerlenker nicht bloß dem engen Krerse der eigenen Gemeinde, sondern dem gesammten Israel belehrend und rathend vorangingen, stellt an die jüngere Generation die ernste Pflicht, die großen Lücken auszufüllen. Güttingen. Professor Dr. Ewald, der berühmte Historiker der jüd. Geschichte, Verfasser vieler Werke über hebräische Grammatik, Exegese und jüd. Literatur, ist neulich in Göttingen gestorben. Mnekenheitn (Elsaß). Vor Kurzem hat sich dahier ein recht betrübendes Ereigniß zugetragen. Herr Benjamin Blum, der Mittwoch den 5. d. M. sich verheirathete, fühlte sich gleich nach seiner Trauung unwohl und mußte sich zu Bette legen. Die Krankheit verschlimmerte sich derart, daß er den darauffolgenden Tag schon starb. Den Schrecken der Familie insbesondere der jungen Wittwe kann man sich leicht denken. Der Verstorbene, in religiöser Beziehung von orthodoxer Gesinnung, war eine allgemein beliebte Persönlichkeit, was sich auch bei feinem Leichenbegängnisse, an dem sich die ganze Gemeinde, sowie auch viele Christen betheiligten, kund gab. nMaMs'jwn. R. Cahn. Feuilleton. Hans Edtrs. *> Erzählung von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel". Erstes Kapitel. Ein düsterer Wintertag hatte sein kurzes Dasein geendet. Die formlos ineinanderverschwimmenden dunkelgrauen Wolkenmafsen, welche den Horizont verengten, hatten sich immer tiefer und tiefer herabge'enkt, und lösten sich endlich in große Schneeflocken auf, welche stürmisch niederfallend von einem heftigen Wirbelwinde, in wildem Tanze herumgejagt wurden. — Auf der öden Straße, welche von der Grenzstation Grünwald nach dem vier Meilen entfernten Schlosse Burgstein führte, fuhr ein Reisewagen, der knarrend und ächzend sich nur langsam auf dem hartgefrorenen Boden fortbewegte. Der fast erstarrte Rosselenker schien sich, in einer gewiß zu weit reichenden Bescheidenheit den Wünschen der beiden Pferde zu unterordnen, und wenn er sich auch von Zeit zu Zeit durch ein träges Schnalzen mit der Peitsche, so obenhin die Andeutung erlaubte, daß die grimmige Kälte einen lebhastern Schritt wünschenswerth mache, so war dies offenbar nur Formsache, und wurde diese Anspielung von den beiden alten Mähren mit gleichmüthiger Verachtung ignorirt. Der Postillon beschloß endlich, sich auch jedes Scheines einer Einmischung zu begeben, steckte die dicke Peitsche neben sich auf dem Bocke, blies seine von der Kälte dunkelviolett gefärbte Backen möglichst stark auf, schlug — um sich zu erwärmen — die mit Pelzhandschuhen bekleideten Hände mehrmals aneinander, setzte dann seine verglimmende kurze Pfeife in Brand, und schmauchte, die Pferde sich selbst überlassend, träumerisch vor sich hin. Der Wagen mochte so einige Hundert Schritte gefahren sein, als er plötzlich mit einem heftigen Rucke stehen blieb. Der aufgeschreckte Postillon sprang mit einem kräftigen Flüche vom Bocke, um nach Pferd und Wagen zu sehen. „Was gibt es?" frug eine volltönende, kräftige Männerstimme aus dem Wagen. *) Unbefugter Nachdruck wird auf's strengste verfolgt. Uebersetzungsrecht Vorbehalten.

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