Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1875)
- Date
- 1875-05-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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483 Wie man auf den Gedanken kam, Die Ochsen hier zu quälen. Herr Doctor Bruneau in Paris, Der thät Etwas erfinden Zum Wohl des Ochsen, wie es hieß, Doch nur, um ihn zu schinden. Der Apparat heißt „Bouterolle", Von Leder und von Eisen, Um schnellst mit einem langen Stift Den Ochsen todt zu schmeißen. Der Tag der Probe kam heran, Man bracht den Delinquenten Und zog ihm dann die Maske an, Drin jählings sollt' er enden. Vor tritt der Metzger mit dem Beil, Den Schlag ihm zu versetzen. Und treibt den langen stumpfen Keil Jn's Hirn ihm — o Entsetzen! Nachdem das Thier zum Fall gebracht Mit zwei gewalt'gerr Strerchen, Fängt an man mit dem span'schen Rohr Im Hirn herumzugeigen. Die Qual des Opfers muß man seh'n, Wie das sich bäumt und recket, Bis es nach einen: harten Kampf Zum Tode hin sich strecket!! Scheert euch mit eurer Bouterolle! Wer kann darein sich schicken? Die Ochsen wollen wir, wie vor, Erst bücken und dann — knicken. Nehmt an von mir die alte Lehr'.- Nicht gut ist altes Neue! Oft glaubt man Was zu b ssern sehr, Und später komint die Reue. Und ob's der dümmst ' Ochs auch sei, Selbst ihn soll man nicht quälen, Mag er nun viere oder zwei — 's ist gleich — der Beine zählen! Ein Metzger." Dieselbe Nummer berichtet, daß behauptet werde, daß das frische Fleisch der mit der Bouterolle geschlachteten Thiere sich nicht so lange aufbewahren lasse als das der "geschachteten", was namentlich in der warmen Jahreszeit besonders hervortrete. In Nr. 6 der genannten Zeitschrift bestätigt Herr Professor Büchner diese Behauptung. Derselbe schreibt: „Von allen thierifchen Geweben oder Theilen ist bekanntlich das Blut dasjenige, welches am leichtesten und schnellsten zur Zersetzung uudUebergang in Fäulniß neigt, namentlich während der heißen Zeit. Da nun ein faulender thierischer Theil oder Körper auch die mit ihm in Verbindung stehenden oder gar von ihm durchdrungenen organischen Theile mit in seinen Fäulniß - Proceß hineinzieht, so ist klar oder selbstverständlich, daß und warum jede Schlachtmethode, welche möglichst viel Blut im Innern des Fleisches oder der Muskeln zurückläßt, auch die Haltbarkeit des Fleisches in der warmen Jahreszeit beeinträchtigt. Am we-! nigsten ist dieses der Fall bei dem Schlachtverfahren der Juden oder dem Schächt e n, welches eine! rasche und möglichst ausgiebige Verblutung des! Thieres herbeiführt. Das Fleisch selbst entleert l sich dabei des größten Theiles des in ihm enthalj tenen Blutes und verliert dadurch etwas an feinem i Nahrungswerth, während es dagegen ein besseres, j reineres Ansehen gewinnt und der Fäulniß am I längsten widersteht." Hürben, 3. Mai. Schon wieder hat der unerbittliche Tod uns tiefe Wunden geschlagen. Noch ist der Schmerz lebendig um das so frühe Hinscheiden des so allbeliebten und hochgeschätzten Rabbiners vr. I. Schwarz in Cöln, und heute ging leider auch dessen Vater, unser hochverehrter Rabbiner, Herr H. Schwarz y'% im Alter von 75 Jahren zur ewigen Ruhe ein. Das ganze Leben dieses Mannes war geweiht. Eine Fülle des Wissens vereinte sich in ihm mit der seltensten Bescheidenheit. Das segensreiche 48jhr. Wirken und Leben des Verblichenen in hies. Gemeinde bildet eine ununterbrochene Reihe edler Handlungen, die ihm in unscrm Herzen ein bleibendes Andenkern sichern. Stets unermüdlich in der Verbreitung von p".n"r^, selbst Tag und Nacht ihrem Studium ergeben, verband er mit einer echten, innigen Frömmigkeit ein edles, allem Guten zugängliches Herz. Viele Wohlthätigkeitsvereme unserer Gemeinde betrauern in ihm ihren Gründer und Leiter, denn er pstegte sie mit der größten Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt. Sein Leichenbegängnis bewies die allgemeine Trauer um den theuren Todten. Aus der Nähe und Ferne waren viele Verwandte und Freunde üerbeigeeilt, sämmtliche Beamten. Geistliche und der Magistrat von Krumbach, wie die Verwaltung von Hürben und die Cultusverwaltung von Jchenhausen schlossen sich aus reiner Pietät für den Verstorbenen dem unabsehbaren Zuge an. Herr Rabbiner Or. Cohn in Jchenhausen, vom hiesigen Cultus- Vorstand mit Abhaltung der Leichenrede betraut, lieh in einem tiefempfundenen, warmen Nachrufe, worin er die seltenen Tugenden und Vorzüge des Verklärten schilderte, der schmerzlichen Stimmung der äußerst zahlreichen Trauerversammlung beredten Ausdruck. Dann sprach Herr Rabbiner Bamberge r aus Fischach über die Stelle ns-wa C’pia nrvo unS hob in seiner vorzüglichen Rede besonders hervor, welche große Anerkennung und Verbreitung das Werk des Verblichenen D"'n mw ~)E>d allseitig gefunden. Einen erhabenen Abschluß fand diese Feier durch die Abschiedsrede des Dahingeschiedenen an seine Gemeinde, welche, auf besonder« Wunsch, durch ein Mitglied des Wohlthätigkeitsvereins, wozu Herr Gumperz bestimmt wurde.