Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1875)
- Date
- 1875-05-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447603-2447620--11536-2467324- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
419 Skandalmacher hat nun s. Z., als Richard Wagner sein famoses Pamphlet gegen die Juden schrieb, in frommer Einfalt gleichfalls einige Verslein zusammengetragen, um für die Juden einen tüchtigen Scheiterhaufen zu errichten. Sein in Berlin im Jahre 1869 erschienenes Libell ist vielleicht noch gehässiger als das Wagnerische Opus. Gleich seinem Herrn und Meister belfert er auch gegen die „Ausschußwaare Israels", den geist- und einflußlosen Journal-Juden, den um Zeilen-Honorar schreibenden, in Literatur machenden Scribenten. Mit innigem Behagen wiederholt er den Ausspruch Heinrich Laube's, der einmal meinte, daß es in der Lösung der Judenfrage nur zwei Mittel gebe: entweder die Juden zu emancipiren, oder dieselben zu vernichten; da aber Erfteres nicht möglich sei, empfehle sich das Letztere. Leider gebe es nichts Zäheres, als das Judenthum, welches nicht leben und nicht sterben könue, und deßhalb beeifert sich Herr Lang, durch das Gift seiner Verleumdungen, das Hinscheiden des Judenthums zu beschleunigen. Wie bereits gemeldet, ist der giftige Judenfresser vorläufig wegen grober Schmähungen Sr. Majestät des Kaisers in dem bayrischen Gefängnisse auf 6 Monate kalt gestellt, während welcher Zeit derselbe hinlängliche Muße haben wird, über seine Sünden nachzudenken und über den Ausspruch der Frau Haman nachzudenken, daß derjenige, der mit den Juden anbindet, fast immer den Kürzeren zu ziehen pflegt. Trotz Richard Wagner und Genossen kehren die bedeutenden Componisten der Gegenwart gern den biblischen Stoffen ihr ganzes Talent zu; ich erinnere nur u. A. an die „Maccabäer" von Anton Rubin stein, welche bei ihrer ersten Aufführung im Berliner Opernhause am 17. d. so ungeheure Sensation erregten und selbst von Sr. Majestät dem Kaiser — der in einer Hofloge anwesend war — mit lebhaftem Beifall begrüßt wurden. Der Text der Oper rührt von 'Otto Ludwig her, der in demselben den heldenhaften Kampf der Maccabäer um die Befreiung des heiligen Bodens und den jüdischen Glauben mit glühenden Farben schildert. Der Herzschlag Israels pulsirt in dem L'ede, welches die Maccabäer singen, die gottesfreudig zum Marterofen schreiten: Wen Er behütet, der kann lachen, Denn wer ist herrlich, so wie Er? Der Herr ist mächtig in den schwachen, Lchütt' seinen Lieg vor ihnen her. Halleluja! Wie der Dichter, so bot auch der Componist — der von jüdischen Ahnen abstammt — eine gewaltige Schöpfung so grandioser Art, daß dieselbe als eine Verherrlichung des „großartigen Kampfes „des Judenthums für seine heiligen religiösen Gü- „ter betrachtet werden kann." Was wird wohl Wagner zu diesem ..Judenthum in der Musik" sagen? Diese Kra tmenschen und Helden, die beseelt und getrieben werden von der flammenden Begeisterung für die Religion der Väter erinnern mich an den Ausspruch eines Dramaturgen, der einst dem Drama: „Saul" gegenüber schrieb: „Solche plastische, lebenskräftige biblische Geschichten, furchtbar und zerstörend wie die Natur, aber auch einfach und erhaben wie diese: wäre ich ein Bühnendichter, ich zöge sie vor Allen den verflachten, dahinkränkelnden, durch tausendfältiges Durchseifen und Waschen ausgeführten Worten und Thaten der neuen Menschen. Solche Stoffe wähle ich mir." Witzenhaitserr (Provinz Hessen), 2. Mai. Am siebenten Tage des Peßachfestes ging nach kurzem Leiden der Lehrer Joel Silberftein sanft und ruhig zu einem besseren Leben ein. Der Verblichene hatte die hiesige Lehrerstelle länger als 35 Jahre bekleidet und in seinem Berufe mit der größten Pflichttreue und Aufopferung gewirkt. Ihm war es vergönnt, sich bis ans Ende seiner Lebensbahn (er war 80 Jahre alt) einer seltenen Geistesfrijcde zu erfreuen und sich ein ungeschwächtes Interesse für alle Zweige der jüdisch religiösen, sowie auch für die profanen Wissenschaften zu bewahren. Anspruchslos und genügsam, wie er war, wußte er auch bei seinem schweren Berufe unter nicht glänzenden Verhältnissen die Freude am Leben und an seiner Wirksamkeit sich zu erhalte« und ein großer Theil unsrer Gemeinde verdankt ihm ihre in unsrer jetzigen Zeit nicht gewöhnliche Bildung in den jüdischen Unterrichtsfächern. r"2"s"j"r. Prenzlau, 6. Mai. Unser Rabbiner, Herr Dr. Lazarus, Bruder des Professor Lazarus in Berlin, feierte unlängst das Jubiläum seiner 25jährigen Amtsthätigkeil. Wie allgemein behauptet wird, soll derselbe' zum Nachfolger des sel. Dr. Frankel als Dircctor des Breslauer Rabbiner-- leminars crei'rt werden. Wir würden diese Wahl im Interesse des Breslauer Seminars mit Freude begrüßen, wenn Herr Professor Dr. Grätz zuvor pensionirt werden würde. Solange jedoch Dr. Gals Lehrer am Seminar wirkt, kann dasselbe für das Judenthum nichts Ersprießliches leisten, selbst wenn der zu cre'i'reride Director der entschiedensten | Orthodoxie huldigte.