Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1875)
- Date
- 1875-05-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2447603-2447620--11537-2467325- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
420 Oesterr.- Ungarische Monarchie. Pesth. Die bereits kurz erwähnte Antwort deS ungarischen Ministerpräsident Baron Wenckheim auf die famose Interpellation Jstoczy's über die „Indenfragein Ungarn lautet wörtlich: „Der Herr Abgeordnete Victor Jstoczy hat an mich eine Interpellation hinsichtlich der von der Regierung gegenüber dem israelitischen Elemente zu befolgenden Politik gerichtet, auf welche ich fetzt antworten will. Ich beschränke mich in meiner Antwort einfach auf jene Fragen, die er selbst in drei Punkten formulirt hat. Die erste Frage bezieht sich auf die durch ein Gesetz zu regelnde - Angelegenheit der Einwanderung, namentlich gegen die einwandernden Juden. Auf diese Frage lautet meine Antwort: daß die Regierung wirklich beabsichtigt, die Einwanderung durch ein Gesetz zu regeln, aber nicht wegen der Motive, welche der geehrte Herr Abgeordnete in seiner Interpellation und in seiner Rede zu entwickeln für gut befand; besonders aber nicht ausschließlich und blos gegen die Einwanderung der Juden; sondern die Regierung hält es im Allgemeinen für nothwendig, diese Sache durch ein Gesetz zu regeln, und sie wird diesbezüglich dem Reichstage einen Gesetzentwurf unterbreiten. Die zweite Frage bezieht sich darauf, ob die Regierung einer auf socialem Gebiete gegen die „aggressive Kaste der Juden" sich entwickelnden friedlichen Selbstvertheidigung Hindernisse in den Weg legen würde. Auf diese Frage antworte ich: die Regierung ist keine Gegnerin welcher Bewegung immer, die eine ersprießliche Tendenz verfolgt. Wohl aber wäre sie gezwungen, eine feindliche Stellung jeder Bewegung gegenüber einzunehmen, welche das friedliche Einvernehmen zwischen den im Lande befindlichen Kirchen und Confessionen oder den zu denselben gehörenden Bürgern und die gegenseitige Achtung der bürgerlichen Rechte Der Letzter» zu stören bestrebt wäre. Auf die dritte Frage, ob die Regierung, wie seit der Emancipation, auch fürder dieser Gefahr gegenüber ihre Politik des Jndifferentismus befolgen werde, ist meine Antwort sehr einfach, weil die Regierung eben in Folge des Gesetzartikels 17 vom Jahre 1867, welcher die Gleichberechtigung der Israeliten mit allen übrigen Bürgern des Landes ausspricht, eine Judenfrage nicht kennt, nicht kennen kann und daher ihr gegenüber keinerlei Stellung zu nehmen hat. Ich weiß sehr wohl, daß diese meine Antwort den geehrten Herrn Abgeordneten hinsichtlich keines einzigen Punktes seiner Interj I pellation befriedigen kann. Aber die Regierung t befolgt und kann, nicht blos hinsichtlich des israelitischen, sondern hinsichtlich welchen Elementes immer, keine andere Politik befolgen, als die ich hier skizzire, da sie sich sonst gegen die Humanität, die Civilisation und die Gerechtigkeit vergehen würde; ja sie würde sich vor Allem gegen jene! Landesgesetze vergehen, welche jedem Bewohner des! Landes ohne Unterschied der Religion, Sprache und Abstammung gleiche bürgerliche Rechte garan-! Liren. (Lebhafter Beifall.) Herr Jstoczy erklärte in seiner Antwort, er habe wohl gewußt, daß man auf seinen Kassandra- Ruf nicht hören werde, habe es aber trotzdem für seine Abgeordnetenpflicht gehalten, auf die große Gefahr hinzuweisen, die dem Lande von den Ju* den drohe. Holland. Utrecht. Mehrere jüd. Zeitungen berichten, daß Herr L>r. Jsaacsohn, früher Oberrabbiner in Rotterdam, dann in Filehne, zum Oberrabbrner der israel. Gemeinde zu Utrecht berufen worden sei. Dänemark. Friederieia. Am 12. April feierten Herr Banquier A. L. Hirsch und dessen Frau unter großer Theilnahme Seitens der israel. Gemeinde und der Stadträthe (Herr H. ist seit einer Reihe von Jahren Stadtrath) ihre silberne Hochzeit. Der Jubilar gehört noch zu den Wenigen, die hier zu Lande ihr Geschäft am Sabbat und an Feiertagen geschlossen halten. Herr H. war viele Jahre Cultusvorsteher; auch ist er und scheut keine Kosten und Zeit, um selbst in entfernten Gei genden die Function als zu versehen. .Wie man hört, habe Herr H. 1000 Kronen der Gemeinde geschenkt, wovon die Zinsen zur Unterhaltung des i'Ln u benutzt werden sollen. Rußland. Grodrro Hier befinden sich mehr als 100 Soldaten mosaischen Glaubens, welche nur koscheres Essen genießen wollen; der Regimentsoberst hat in der Kaserne ein eigenes Lokal hergegeben, wo die Speisen auf Kosten eines isr. Vereines nach mosaischen Ritus bereitet, zweimal täglich verabreicht werden. Auch gab der Regimentsoberst Erlaubniß, daß am Samstage und isr. Feiertage alle unter seinem Befehle stehenden Soldaten mosaischen Glaubens das Bethaus besuchen und als