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Der Israelit · 1875-05-12 · Heft 19 (12.5.1875) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 19 (12.5.1875)
Date
1875-05-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XVI. Jahrgang. Erste Seilage z« Nr. IS des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Böhl, 6. Mai. Vor zwei Jahren verstarb hier Herr Koppel Katzenstein, kinderlos. Derselbe hinterließ eine junge Wittwe. Auf Veranlassung des Herrn Rabbiner Dr. Adler in Cassel wird nächstens ein Bruder des verstorbenen Gatten, der in Amerika lebt, nach Deutschland kommen, nicht etwa um die Chalizah vollziehen zu lassen, sondern um die Wittwe seines verstorbenen Bruders zu heirathen. Herr Rabbiner Dr. Adler bat erklärt, die Trauung vollziehen zu wollen. Es ist in Deutschland unseres Wissens das erste Mal, daß solch eine gegen den im Occident allgemein recipirten in verstoßende Handlung vorgenommen werden soll. Vielleicht bewirkt diese Veröffentlichung, daß Herr Rabbiner Dr. Adler davon abstehr, dieses Attentat gegen das jüdische Ehegesetz zu begehen. Heilbronn n. N Auf Antrag unseres Rabbinen Dr. Engelbert hat die hiesige Gemeinde längst die Einführung einer Orgel in die hiesige neue Synagoge, welche in etwa einem Jahre fertig sein dürfte,' beschlossen. Unser reformistischer Doctor hat seinen Stuhl zum Opfer gebracht. damit auch schon in der alten Synagoge ein Harmonium auf Peßach aufgestellt und' bei seiner Confirmation mo nnx 's gespielt werden konnte, an der übrigens dennoch von 8 Knaben nur zwei, und von 10 Mädchen nur sechs Lheilnahmen, obgleich alle Schmeichelworte angewendet wurden, um ausnahmslose Theilnahme zu erwirken. Dazu wurde eine rvzn^e'-Predigt gehalten, weil vorschriftsmäßig am Sitz des Rabbinats die Confirmation am Wochenfeste vorzunehmen ist. In Geldsachen hört eben die Gemüthlichkeit auf, darum die Abweichung von der hohen Regel. Die Schüler würden sich nämlich, wenn sie bis myaar jn die Confirmandensprüche memoriren müßten, immer mehr lichten und die Last für die Zurückgebliebenen zu schwer werden. Heuer trat erst spät ein Knabe von der Theilnahme am Akte zurück, nachdem die iRollen schon vertheilt waren. Es mußte deßhalb ein besserer Mitschüler auch dessen Sprüche hersagen, da einer regelrechten Verkeilung in später Zeit der Kopf mancher Schülerinnen hindernd in den Weg treren mochte. Man glaubte sich an den rrm ino cv versetzt, so feierlich hob ^er Rabbiner den Confirmationstag hervor, so feierlich — als ob der Himmel sich öffnete. Er betete, sie beteten, daß Gott sein Wort auf ihre Lippen legen möge, und doch waren es beiderseitig memorirte Worte! Wenn Gott das Gebet erhört hätte und plötzlich ein Knabe oder ein Mädchen anders als „eingepaukt" gesprochen hätte — welche Verwirrung wäre da entstanden! Zu der Orgel ist nun auch eine neue Liturgie berathen, die bald zur Genehmigung vorgelegt werden soll. Unser Rabbiner und Doctor, welcher, wie er erzählt, auch herbe mx? erhält und solche bisweilen den orthodoxesten Rabbinen vorlegt, wenn eine rigorse Entscheidung von ihm gewünscht wird, hat sich dabei sehr reformistisch gezeigt, und z. B. für Abschaffung des ri'72, das nur eine von Kleiderschnitt abhängige »tso, also nicht cn*n? gelte, und dafür gestimmt, daß das :i7i7 rc. bloß vom Vorsänger in der Synagoge gebraucht werden dürfe. NB. Auch der Rabbiner soll den Feststrauß halten. Ein zweiter Pontifex Maximus! Das Wort Gottes dfttx 'n wird abgeschafft, der tausendjährige Gebrauch für jeden Israeliten' in-tzer Synagoge verboten, doch aber jedem noch gnädig erlaubt, das 77'7 zu Hause „eigenhändig zu besehen". Auch sind wie in Stuttgart viele Gebete rc. in Wegfall decre.irt. Gegen die Einführung des Harmoniums schon in die alte Synagoge wurde von orthodoxer Seite consequent, bis jetzt jedoch vergeblich, vrotestirt. — Die Synagoge, ein seltener Prachtbau, wachst mächtig empor. Der Bau soll auf 100,000 ft. kommen!! Theures Werk! Kleines Werk! — crm m — Im nächsten Jahre steht ein mächtiger Magnet für die Confirmation in Aussicht: die neue Synagoge. „Ihr werdet erstmals in diesem „Tempel" confirmrrt —" das mag manchem Kinde imponiren; aber wie lange wird das Ding wirken'? Die Erfahrung lehrt es, welchen Besuches sich die neuen Tempel Seitens der Alten zu erfreuen haben. 8. Heilbronn <*♦ N. Zwei dem „Fortschritt" huldigende Rabbinen, die DDr. Stein in Worms und Sondheimer in Heidelberg haben auf die Privatansrage eines hiesigen Vorstehers entschieden und wohlbegründet gegen die Abschaffung des Talis

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