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Der Israelit · 1875-05-12 · Heft 19 (12.5.1875) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 19 (12.5.1875)
Date
1875-05-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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413 stens eine solche haben, welche die Juden aus dem Lande weist, unter dem Liede: „„Schmeißt ihn 'raus, den Juden Jtzig!"" Der Kritik bedarf ein solches Benehmen wohl nicht. Zu beklagen ist übrigens, daß von den zahlreich anwesenden Mitgliedern des Vereins kein einziges sich veranlaßt fühlte, das Wedemeyer'sche Gerede im Namen des Vereins oder nur in seinem eigenen öffentlich zu desavouiren! Oesterr.- Ungar. Monarchie. Wien, 9. Mai. Freitag Nachmittag verschied hier Herr Rüben Baruch, Rabbiner der hiesigen türkisch-jüdischen Gemeinde. Der Verewigte, der heute Vormittag zur Erde bestattet wurde, erreichte ein Alter von 68 Jahren. In Temesvar geboren, stand er seinem hiesigen Amte nahe an vier Dezennien vor. Derselbe war bei der Herausgabe des typographisch vorzüglich ausgeftatteten „Wiener Schaß" in hervorragender Weise betheiligt. Als Mitglied des hiesigen Rabbinats bekundete derselbe eine oft mehr als wünschenswerthe Friedfertigkeit. n":i'Wn. Wien. Eine Auszeichnung, wie sie bis jetzt keinem Israeliten zu Theil geworden, hat unser Glaubensgenosse Cavaliere von Artom, Generalsecretär im ital. Ministerium des Aeußern, vom Kaiser von Oesterreich bei Gelegenheit seiner ital. Reise erhalten; er wurde nämlich mit dem Stephansorden decorirt. Przibram (Böhmen). Noch sind es nicht 26 Jahre, daß die böhmischen Juden zu einem zweistündigen Aufenthalt in unserer Bergstadt erst eines amtlichen Erlaubnißscheines bedurften und gegenwärtig — nun gegenwärtig befindet sich hier eine gehörig organisirt'e Cultusgemeinde, welche sich eben so intelligenter als fürs Judenthum begeisterter Mitglieder erfreut. Dank der vollen Gleichberechtigung und der Freizügigkeit gemäß den Staatsgrundgesetzen, stieß die Ansiedlung der Juden aus den benachbarten Gemeinden nur auf unbedeutende Schwierigkeiten. Durch kluges bescheidenes Benehmen gegen ihre Mitbürger, wurden die Antipathien bald besiegt und durch Theilnahme an allen Humanitären Bestrebungen vollends zum Schweigen gebracht. Nach und nach ging man daran, sich zu einer Cultusgemeinde zu conftituiren. Glücklicherweise wurden die Interessen der Gemeinde bewährten und strebsamen Männern anvertraut, unter denen am hervorragendsten der Vorstand Herr S. Beständig in unermüdlicher Weise die verschiedensten Opfer brachte, um das Aufblühen und Gedeihen dieser jungen Gemeinde möglichst zu fördern. Nachdem eine tüchtige Schule geschaffen, in der für den Religionsunterricht durch Anstellung von kenntnißreichen und pädagogisch gebildeten Lehrern gehörig gesorgt wurde, richtete der thätige Vorstand sein eifriges Bemühen dahin, einen Tempelbau aufzuführen, der der aufstrebenden Gemeinde würdig sei. Nach vielen jahrelangen Mühen sah derselbe seinen Lieblingswunsch erfüllt, und am 2. Nissantage sollten die sämmtlichen Mitglieder der Przibramer israel. Cultusgemeinde die Einweihung ihres Tempels feiern, und in Psalmen dem Allerhöchsten für seine Gnade aus vollem Herzen danken. Die Einweihungsfeier genoß die Theilnahme vieler jüdischen Gemeinden in Böhmen, von weit und breit strömten die Festgäste herbei, um der Festrede des gefeierten Kanzelredners Herrn Professor Dr. Kämpf aus Prag zu lauschen, welchem die ehrende Aufgabe wurde, in dem neuen Gotteshause zuerst das Wort Gottes zu verkünden. Das Fest war in allen seinen Einzelnheiten hoch interessant. Dasselbe begann mit einem Festzuge, welcher vom alten Betlokale ausgehend zum neuen im maurischen Style prachtvoll gebauten Tempel sich bewegte. An der Spitze desselben schritt die Przibramer Bergknappenmusikkapelle mit klingendem Spiele, ihr schlossen sich 12 weißgekleidete Mädchen an; hierauf folgten unter einem sternbesaeten Baldachin, die von den Rabbinern und Cultusbeamten getragenen Gesetzrollen, dann die k. k. Behörden, endlich die geladenen Gäste und die gesammte Cultusgemeinde mit ihren Frauen und Kindern, alle festlich gekleidet. Unter freundlicher Theilnahme der ganzen Einwohnerschaft gelangte der Feftzug zu dem neuen Gebäude. Der Vorsteher, Herr S. Beständig, übergab dem Herrn Bezirkshauptmanne I. Kapp den Tempelschlüssel und hielt an denselben eine kleine Ansprache, welche der Herr Bezirkshauptmann freundlich erwiederte. Unter den Klängen der Volkshymne öffnete der k. k. Bezirkshauptmann die Tempelthüre und bald waren die Räume des Tempels nach allen Seiten überfüllt. Nachdem programmgemäß die üblichen Choräle von dem vorzüglich geschulten Chore abgesungen waren, bestieg Herr ^Professor Dr. Kämpf die Kanzel, um die aus allen Schichten der Gesellschaft bestehende Versammlung zu begrüßen. In ebenso schwungvoller als taktvoller Weise wußte der Redner durch seine den Lokalverhältnissen angemessene geist- und gemüthvolle Ansprache, alle die zahlreichen Anwesenden, welcher Confession sie immer angehören mochten, zu erbauen und für den

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