Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1875)
- Date
- 1875-05-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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410 beten? Die Eitelkeit, die Thorheit, der Wahn überheben sich und wollen keinen andern Herrn anerkennen als die eigenen Leidenschaften. So war es auch nach dem Tode des Barak und der Deborah; das durch Sieg und reiche Beute übermüthig geworden Israel lag vor dem eigenen Spiegelbilde anbetend im Staube. Da gab Gott das thöricht gewordene Volk in die Hand der Midjaniten, die in Verbindung mit allen Nachbarvölkern, Heuschrecken-Schwärmen gleich, das Land überzogen, Alles raubten, verzehrten und plünderten , und um nicht verhungern zu müssen, waren die Israeliten gezwungen, ihre Vorräthe in Felshöhlen und Schluchten zu bergen, und das Elend war groß. In der Kelter drosch Gideon Waizen, um ihn vor Midjan zu verbergen; da erschien ihm ein Engel Gottes und sprach: „Gott mit Dir, Du tapferer Held!" Und Gideon antwortete: „Ist etwa Gott mit uns? Da Gott unsere Vater aus Aegypten erlöste — waren sie es werth, erlöst zu werden oder nicht? Wenn sie der Erlösung werth waren, so möge uns Gott um ihretwillen befreien; wenn sie aber der Erlösung unwerth waren, so möge auch uns Gott, wiewohl wir es nicht verdienen, erretten." Und Gott sprach: „So gehe denn Du, weil Du solch' ein beredter Vertheidiger Deines Volkes bist, um Israel zu helfen." (Midrasch Tanchuma.) Lernen wir von Gideon! Wer Israel helfen will, der muß vor Allem sein Volk lieben in heißester Liebe, muß es zu vertheidigen wissen zu jeder Zeit. Er selbst aber muß rein sein von Schuld und Fehle, eiu muthiger Kämpfer gegen die Baalsdiener zunächst, und die, so seine Genossen sein wollen beim Werke der Hilfe, dürfen nicht furchtsam und verzagt sein. (Richter 7. 3) Und selbst die Muihigen ließ Gott an das Wasser führen, um zu sehen, wer niederknie, und das eigene Spiegelbild anbete, bevor er trinke. Von 32,(,00 Kämpfern, die sich um Gideon gesammelt hatten, waren nur 10,000 zurückgeblieben , die sich nicht fürchteten und von diesen nur dreihundert, die am Wasser nicht niedergekniet waren. Es war in der zweiten Peßach-Fest-Nacht, in derselben Nacht, da man die Omer-Gerste schnitt in Schiloh für das Haus unseres Gottes, da befahl Gott dem Gideon, daß er sich mit seinem Waffenträger Purah in das Lager der Midjaniter schleiche. Und Gideon that also, und er hörte, wie ein Freund dem andern seinen Traum erzählte, von einem Gerstenbrode, welches das ganze Lager Midjans Umstürze; und der Freund deutete den Traum dahin, daß das nichts Anderes bedeute als das Schwert Gideons, das die Hunderttausende der Midjaniter und ihrer Genossen vernichten würde. Und Gideon hörte den Traum und die Deutung und mit seinen dreihundert Kampfgenossen verjagte und vernichtete er die vier Könige von Midjan und alle ihre Kriegerschaaren. Das Gerftenbrod — das Omer — war es, um dessentwillen Gott seinem Volke durch Gideon den Sieg verlieh. Das Omer ist, wie wir oben gesagt haben, ein Sinnbild des Gehorsams, der Unterordnung. Dadurch, daß der Priester mit dem Omer die Schwingung vollzog nach allen vier Seiten, nach Oben und Unten, zeigte er, daß Gottes ist die Welt, der Osten, der Süden, der Westen, der Norden, des Himmels Hohen und des Abgrunds Tiefen. Und wie das Omer von der Gerste, einer geringen Getreideart, gebracht wurde, so soll uns die Selbstüberhebung fern liegen. Auch für uns liegt , in der rechten Beachtung des Omer die Rettung. Wenn wir es wiederum lernen, unserm Gotte gehorsam zu sein und uns vor Selbstüberhebung und Selbstüberschätzung hüten , dann wird eine bessere Zeit für Juden und Judenthum anbrechen. (Fortsetzung folgt.) Aeiturrgsnachrichlen fr Eorrespondenzen. Deutschland. Mainz, h. Mai. Wir werden in einer der nächsten Nummern mit der Veröffentlichung einer längeren Erzählung aus der Feder des berühmten Verfassers des „Gawriel", Herrn S. Kohn, beginnen Der Verfasser schrieb „Hans Ebers", das ist der Titel der Erzählung, bereits vor 13 Jahren und ward an der Beendigung derselben durch den plötzlichen Tod seines hochverehrten Vaters b"x"i verhindert Auf unsere dringende Aufforderung hin hat er jetzt die Erzählung vollendet und wird sie zuerst im „Israelit" erscheinen lassen. Der „Gawriel" wurde in fast alle Sprachen der Welt übersetzt und in englischer Uebertragung in die Tauchnitzsche Collection of British authors ausgenommen. Eine dreibändige Erzählung „Ein Spiegel der Gegenwart", von demselben Verfasser, ist im vorigen Jahre bei Costenoble in Jena erschienen. Seitdem ist Herr S. Kohn ein berühmter Schriftsteller geworden, um dessen Mitarbeiterschaft die bedeutendsten deutschen Zeitschriften sich bewerben. Es wird für unsere geehrten Leser von ganz besonderm Interesse sein,