Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1875-05-05 · Heft 18 (5.5.1875) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 18 (5.5.1875)
Date
1875-05-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447603-2447619--11516-2467303
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

400 ter Artikel betitelt sich nämlich: „Das Haus Israels," und sucht durch Verhöhnung und Verleumdung der Juden in judenfeindlichen Kreisen Abonnenten zu schnappen. Anknüpfend an den Umstand, daß ein Herr A.B. Perlmann in London eine jüdische Kunsigallerie, worin hervorragende Israeliten durch Photographien verewigt werden sotten, herauszugeben beabsichtigt — ereifert sich die edle „Eisenbahnzeitung" über den Mangel an Bescheidenheit bei dem „semitischen Stamme" und findet es unbegreiflich, wie sich Christen zu dem Satze bekennen können, daß die Religion Israels angenommen sei als die „reinste und vollkommenste" . . Also: wegen der buchhandlerischen Spekulation eines Einzelnen — deren Werth resp. Unwerth ich nicht näher prüfen will — wird gleich über das ganze Judenthum der Stab gebrochen? Werden 'wir gleich als das Volk, welches jvsiyssr vj verschrien? . . . )Dlan sieht. pSoy ist noch immer nicht todt, sondern spukt in der „Eisenbahnzeituug" und Gesinnungsgenossen Angesichts der hell'lcuchtenden Humanitätssonne des 19. Jahrhunderts noch immer! Hirschberg in Schl. Schon seit längerer Zeit war in unserem benachbarten heilkräftigen Warmbrunn die Errichtung eines Hospitals für arme jüdische Badegäste beabsichtigt. Im Herbste des Jahres 1871 bildete sich ein Comitö, welches den genannten Zweck seiner Verwirklichung entgcgenführen wollte — ein Comitv, welches sich aus einer Anzahl.angesehener jüdischer Glaubensgenossen in Hirschberg, Warmbrunn, Breslau und Berlin zusammensetzte. Als die Seele dieses hochherzigen Unternehmens müssen wir Herrn Schneller in Warmbrunn bezeichnen, der mit der größten Aufopferung immer neue Mitglieder wirbt, Reisen zu diesem Zwecke unternimmt, obgleich seine eigenen Geschäfte ihn in hohem Grade in Anspruch nehmen. In Berlin gehören dem genannten Comitö die Herren I. F. Meyer und Magnus Herrmann an. Die freiwilligen Beiträge, welche damals namentlich aus Breslau und Berlin eingingen, betrugen gegen 11,000 Thaler. Bereits im folgenden Jahre bot sich dem Comitö di? Gelegenheit dar, ein in schöner, gesunder Gegend Warmbrunns gelegenes Grundstück für den Preis von 3o0o Thalern zu erwerben. Das Hospital soll nicht localer Wvhlthätigkeit dienen, da für die hiesigen Armen bereits in anderer Weife gesorgt wird, sondern ein freundliches Asyl für arme jüdische Glaubensgenossen werden, die aus der Ferne zur schönen Sommerszeit hierher kommen, um Genesung und Erholung zu suchen. Für diesen Zweck weröen sich in den betheiligten Kreisen wohl mildthätige Herzen finden. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Pesth. Wenn die nachfolgende, angeblich wahrheitsgetreue Geschichte nicht unbedingt authentisch sein sollte, läßt sich ihr mindestens der Vorzug des den irovato nicht absprechen. „Aus Siebenbürgen ist" — so schreiben Ungarische Blätter — „vor ungefähr zehn Jahren ein armer Jude nach Amerika ausgewandert; er versprach seiner Familie, ihr, sobald sich seine Verhältnisse ein wenig günstig gestalten würden, Reisegeld zu schicken, damit sie ihm Nachfolgen könne. In' Amerika erwarb er sich durch unermüdlichen Fleiß innerhalb einiger Jahre 60,000 fl. und beschloß die Rückreise zu seiner Familie. In Europa angekommen, erkrankte er in Hamburg so sehr, daß die Aerzte ihn aufgaben. Er machte Testament und setzte seine Familie zürn Universalerben ein. Nch Verlauf einer Woche besserte sich jedoch sein Zustand so sehr, daß die Aerzte ihm die Weiterreise erlaubten. Da machte er jedoch zu seinem Entsetzen die Entdeckung, daß der Koffer, in dem sein Testament und sein ganzes Vermögen sich befanden, gestohlen worden war. Ein Krankenwärter hatte die That begangen und war verschwunden. Einige Hamburger Kaufleute sammelten, von seinem Jammer gerührt, für ihn lüu G. und der Bedauernswerthe reiste damit wieder nach Amerika, um abermals sein Glück zu versuchen, ohne seine Familie gesehen zu haben. Der Krankenwärter, welcher den Koffer gestohlen hatte, floh zufällig ebenfalls nach Amerika und starb gleich bei seiner Ankunft, ohne aus dem Koffer etwas genommen zu haben. Die amerikanische Behörde eröffnete den Koffer und sendete im Sinne des Testaments 60.000 G. nach Siebenbürgen an die Familie des Beraubten, welcher sie zugleich den Tod des Testators meldete. Die Gattin des Ausgewanderten heirathete in ihrer Freude über die unerwartete Erbschaft sofort zum zweiten Male. Mittlerweile hatte unser Mann wieder 5000 fl. erworben und begab sich auf die Reise zu seiner theuren Familie, wo er eben zu Trauung seiner Gattin und seiner ältesten Tochter anlangte. Das Schlußtableau möge sich Jeder selbst ausmalen. (Wir halten die ganze Geschichte schon deßhalb für erfunden, weil es nach jüdischem Religionsgesetze der Gattin nicht erlaubt ist, auf den Erhalt eines Testaments hin, sich wieder zu verheirathen. — Red.) R u ß l a n d. Petersburg. Am vergangenen Sonntag, den 24/16. Marz, beging die hiesige israelitische Gemeinde die feierliche Einweihung und Eröffnung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.