Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1875)
- Date
- 1875-05-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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394 eines Völkchens, das einst ruhmvollere und glücklichere Tage gesehen hat und das vielleicht schon am Ende dieses Jahrhunderts von der Erde verschwunden sein und nur noch der Geschichte angehören wird. Wir meinen nämlich das Volk der Samaritaner. Bon den Königen Assyriens, nachdem dieselben das Reich Israel erobert und dessen Bewohner an die Ufer des Euphrat und Tigris verbannt hatten, aus Mesopotamien hierher verpflanzt, um das von Menschen entblößte Land wieder zu bebauen, brachten sie aus ihrer Heimath nebst ihrer Muttersprache, des Chaldäischen, auch ihre National-Gottheiten mit sich nach Palästina und errichteten ihnen hier in der Stadt Samaria besondere Heiligthümer. Unter den letztern spielte das Bildniß einer Taube, das ursprünglich nur die Königin Semiramis (assyrisch: die Taube) vorstellen sollte, das aber später bei den meisten arischen Völkern das Symbol des Vermittlers zwischen der Gottheit und der Menschheit wurde, eine sehr wichtige Rolle, und noch heute, trotzdem sie sich schon vor dritthalbtausend Jahren zum Judenthum bekehrt haben, erweisen sie demselben göttliche Ehre und oewahren es auch in ihrer Synagoge auf. Dagegen ist ihnen von ihrer einstigen Muttersprache nicht die geringste Erinnerung mehr geblieben, da sie schon längst alle arabisch sprechen, und beim Gottesdienste bedienen sie sich des Althebräischen, das sie mit phönizischen Lettern schreiben. Die dritthalb Jahrtausende, die über dieses Völklein dahingeeilt sind, haben seine Zahl bedeutend vermindert, und heute zählt es im Ganzen dreihundert und zwölf Seelen in Palästina und ungefähr sechzig Seelen in Bombay, wo eine Co'lonie von ihnen schon seit den Tagen der Seleuciden existirt. Die großbritannische Nation, oder viel besser gesagt, die englische Missions- Gesellschaft, hat nun ihre Blicke nach dem kleinen Häuflein der Samaritaner geworfen und sucht dasselbe so schnell als möglich', aber nicht durch Belehrungen und Religions-Disputationen, sondern durch klingende Münze für das Christenthum zu gewinnen. Sie streut jetzt mit vollen Händen die blanken Sovereigns unter den Samaritanern aus mrd*den Nachwuchs derselben sichert sie sich durch Volksschulen. Die Samaritaner widerstreben nicht dem Gelbe, werden dem alten Glauben untreu und bekennen sich heimlich zum Christenthum." Egypten. lü Egypten. Einer der gelehrtesten Egyptologen unserer Zeit, Henry Brugsch Bey, Vice- Präsident der allgemeinen Gratisschulen in Kairo, hat, wie die „N. Fr. Pr." mittheilt, die Fragen über das Wie des Auszuges der Israeliten aus Egypten und über die Behandlung, die sie daselbst zu erdulden hatten, eingehenden Forschungen unterzogen und ist auf diesem Wege zu der Ueberzeugung gelangt, daß die aus jener Zeit vorhandenen Papyrusrollen und monumentalen Inschriften mit den Angaben der Bibel übereinstimmen. So besagt eine im Museum von Lüttich aufgesundene PapyrusroUe, „daß ein Schreiber allmonatlich unter die Hebräer, die Steine zu den großen Festungswerken von Ramses saleppten, Getreide vertheilte." Andere Papyrusrollen bestätigten, daß die Stadt von Ramses n. gebaut wurde. Es hat sich sogar ein sehr emphatisches Lobgedicht auf die Stadt Ramses vorgefunden, das auf einer Seite seiner Blätter einen Ausweis über die Maurerarbeiten enthält, aus dem hervorgeht, daß die Hebräer unter militärischer Ueberwachung täglich eine bestimmte Anzahl Ziegeln abliefern mußten. Aehnliches erzählt bekanntlich auch die Bibel. Man hat lange Zeit hindurch über den Platz gestritten, auf dem Ramses aufgeführt war. In Folge der auf Anordnung des Khedive angestellten Nachgrabungen kann man mit voller Sicherheit annehmen, daß die gigantischen Ruinen des alten Tanis, das egyptisch Zan, hebräisch Zoan hieß, die Reste von Ramses seien, wohin-der 66. Psalm den Schauplatz der Wunder verlegt. Ramses lag an dem damals sehr breit gewesenen tamitischen Arm des Nil; dieser Arm berührte die Festung Migdol, von der die Bibel ebenfalls spricht und stoß in der Nähe des von Moses gleichfalls erwähnten Bezirkes Pitom. Von Ramses bis Migdol verfolgten die Israeliten bei ihrem Auszuge genau denselben Weg, den, wie eine Papyrusroüe des britischen Museums zählt, ein egyptischer Beamter behufs der Verfolgung flüchtig gewordener Sclaven einschlug, welche die Wüste zü erreichen suchten, indem sie von Ramses nach Sukoth, Etham und Migdal eilten, sämmtliche Orte, welche die Bibel ebenfalls aufzählt. Auch die biblischen Angaben über die Wüstenreise der Israeliten stimmen mit dem Inhalte der erwähnten und ähnlicher Documente. So durchziehen sie die Wüste Schur, die zwischen dem Mittelmeer und dem Golf von Suez liegt. In jenen Gegenden kamen, wiegStrabo und Diodor erzählen, häufig verderbliche Hochfluthen vor, die einmal eine Armee des Perferkönigs Artaxerxes vernichteten. Die bitteren Wässer der Israeliten bei Mara sind die Bittersalzfeen von Suez; der Ort Elim, wo sie lagerten, heißt gegenwärtig Ein Musa und erst nach dem Umwege über die Landenge von Suez zogen sie zum Berge Sinai herab.