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Der Israelit · 1875-05-05 · Heft 18 (5.5.1875) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 18 (5.5.1875)
Date
1875-05-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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393 welches seinen Vater, wie er leibte und lebte, vorstellen sollte. Wenigstens schien dies aus dem Inhalt des mitgeschickten Briefes zu erhellen, der damit schloß, daß der Uebersender für das Kunstwerk sich die kleine Gegenleistung einer Bezahlung von 14,000, sage vierzehntausend Gulden, erbitte. Rothschild ließ den Künstler benachrichtigen, daß er erstens das Bild nicht bestellt habe, zweitens, es nicht annehmen wolle, und drittens, daß ihm die dafür gemachte Rechnung von 14,000 fl. — imponire. Darüber große Entrüstung von Seiten des Malers. Die Uebergabe der Photographie und des „sonstigen Materials" komme einer Bestellung und einem Auftrag gleich, und was den geforderten Preis betrifft, so sei er in Anbetracht des hohen Kunstwerthes des Bildes ein reiner Pappenstiel und ganz ausnehmend bescheiden. Rothschild erklärte nun, er bedaure, daß seine Bereitwilligkeit in Erfüllung des Wunsches des Herrn Redacteurs und Malers diesem zu einem solchen Mißgriffe Anlaß bot und wolle, um ihn für die Arbeit zu entlohnen, ihm, unter Zurückstellung des Bildes die Summe von viertausend Gulden auszahlen. Diese Proposition wurde ohneweiters zurückgewiesen. Der Maler will weder das Bild zurück-, noch die 4000 Gulden annehmen. Er bleibt unerschütterlich auf seiner Forderung von 14,000 Gulden bestehen. Nun soll ein Schiedsgericht dem Streite ein Ende machen." Wien, 22. April. Der Fleischhauer Ignaz Lampel kündigte an, daß er unter Aufsicht des Rabbinats in Hernals einen Koscherfleischverkauf eröffnen werde. Dagegen annoncirte Marcus Horowitz, Koscherfleischhändler in Hernals, eine Warnung an die Bewohner israelitischer Confession, mit dem Beifügen, daß Lampel gar nicht berechtigt sei, Koscherfleisch zu verkaufen, und daß daher die Gläubigen sich hüten mögen, von diesem Fleisch zu kaufen. Horowitz, um der Warnung mehr Nachdruck zu geben, fertigte dieselbe nicht in seinem Namen aus, sondern unterschrieb: „Das Rabbinat". Lam-! pel strengte gegen Horowitz eine Ehrenbeleidigungs-! Klage an; es wurde heute vor der Jury die Schluß- , Verhandlung durchgeführt, und nachdem Lampel! den Nachweis lieferte, daß er vollberechtigt sei, > Koscherfleisch zu verkaufen, und die Warnung des? Horowitz auf eineu Brodneid zurückzuführen komme,! bejahten die Gefchwornen mit 9 gegen 3 Stimmen die ihnen vorgelegte Schuldfrage,' und Marcus Horowitz wurde wegen Vergehens der Ehrenbeleidigung zu sechs Wochen Arrest verurtheilt. Netttitsch ein, 21. April. Ein Votum des hiesigen Gemeinde-Ausschusses der Communal-Vertrctung verdient auch in weiteren Kreisen bekannt »u werden. Unter den vier Bewerbern um die an oer hiesigen Communal-Volksschule vacant gewordene Lehrerstelle befanden sich auch zwei Juden, von denen sich einer durch seine Belege als eine tüchtige pädagogische Kraft documentirte. Der Ortsschulrath hat sich, in gerechter Würdigung dieses Umstandes, bewogen gefunden, den jüdischen Petenten in den der Gemeinde-Repräsentanz zu machenden Terna-Vorschlag nicht nur einzubeziehen, sondern auch als den unter den Bewerbern zumeist Befähigten primo loco vorzuschlagen. In der Sitzung des Gemeinderathes vom 14. d. M. gelang es jedoch dem Referenten, dem hiesigen für freisinnig geltenden Advocaten vr. Fux, sich für seine dem Geiste der interconfessionellen Schulgesetze zuwiderlausenden Anschauungen die Majorität zu verschaffen, und trotzdem sich einige Mitglieder des Gemeinde-Ausschusses alle Mühe gaben, die Versammlung von einer Entscheidung abzuhalten, welche das Odium der Intoleranz auf sie laden würde, wurde mit allen gegen fünfStimmen der Beschluß gefaßt, von dem Gesuche des jüdischen Lehrers Umgang zu nehmen, und zwar aus dem vom Referenten offen eingest rndenen Grunde, weil der Petent das Glück hat, Jude zu sein. Ich halte es für überflüssig, die Gesinnung der betreffenden Gemeinderäthe, welche bei jeder Gelegenheit und in den Vereinsversammlungen durch einen ostentativ zur Schau getragenen Liberalismus zn blenden suchen, näher zu illustriren. Italien. Turin. Vergangenen Montag, den 5. d., hat sich in Turin ein großes civilisatorisches Ereigniß zugetragen, indem an diesem Tage die Thore des' dortigen Ghetto für immer geschlossen wurden und die wenigen Israeliten, die in demselben noch wohnten, nach der eigentlichen Stadt übersiedelten. Es ist eigenthümlich, daß in Turin, der ehemaligen Residenz Victor Emanuel's und dem Wohnorte Cavour's, das Ghetto sich bis auf den heutigen Tag erhalten konnte, während in den anderen Städten'Italiens, mit Ausnahme Roms, die Ghetti schon längst verschwunden sind oder nur noch dem Namen nach existiren. Das Turiner . Ghetto dürfte ein Alter von vollen fünfzehn Jahrhunderten erreicht haben, da schon zur Zeit des Kaisers Julianus.Apostata Juden in Turin wohnten und daselbst blühende Geschäfte betrieben. Türkei. Beirut (Syrien). Man schreibt der Wiener „Presse" von hier: „Wir stehen am Sterbebette

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