Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1875-05-05 · Heft 18 (5.5.1875) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 18 (5.5.1875)
Date
1875-05-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447603-2447619--11508-2467295
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

392 denn die Facultät, die Herrn Rawicz den Doctor- Titel verliehen, würde denselben gewiß zurücknehmen, sobald sie den in fehlerhaftestem Deutsch geschriebenen Artikel in der Wochenschrift lesen möchte. Wir wollen zum Beweise die Eingangsfätze wörtlich anführen. Herr Rawicz schreibt: „Der Mainzer „Israelit" fangt nachgerade an, sich als Obertribunal für alle jüd. Angelegenheiten auszugeben. Ein gewisser Herr Hoffmann von hier schickte einen Artikel betreffs einer Handlungsweise der Kempener Mohelim an H. Lehmann, welcher sein Kind nicht beschneiden wollte, weil ich als Rabbiner der hiesigen Gemeinde das nwpuD haben sollte." Also Herr Lehmann in Mainz wollte sein (oder Herrn Hoffmanns) Kind nicht beschneiden, weil Herr Rawicz in Kempen (Provinz Posen) das ni'piJD haben sollte!! Welch' ein Blödsinn! Und derartige Scribler reden sich ein, man verabscheue sie, weil „sie in deutscher Bildung machen!" Nein, der Grund des „Abscheues" muß wohl ganz wo anders gesucht werden. — Wir könnten noch eine ganze Dornenlese aus dem kurzen Artikel geben. Wie übel riecht doch der Weihrauch, den Herr Rawicz sich selber streut; das alte Sprichwort vom „Eigenlob" findet auf das Artikelchen des Herrn Rawicz die vollste Anwendung. BochUM, 23. April. Am 2. Pfingsttage findet hier die diesjährige Konferenz Rheinisch-Westvhälischer israel. Lehrer statt und gleichzeitig die Generalversammlung der Unterstützungskasse für jüdische Lehrer-Wittwen und Waisen, sowie dienstunfähig gewordene Lehrer. Dieses Wohlthätigkeits- Jnftitut besteht bereits seit 10 Jahren und erfreut sich der Theilnahme vieler Gemeinden und Privaten, so daß der Fond von Jahr zu Jahr wächst, obschon bereits mehrere Wittwen und ein erblindeter Lehrer eine recht ansehnliche Unterstützung aus demselben erhalten. So hat noch jüngst ein Woblthäter aus Aachen bei Gelegenheit eines glücklichen Familien-Ereignisses der Kaffe 1500 Mk. geschenkt. Wrescherr, 15. März. Der hier vor 8 Jahren ins Leben gerufene „Armenverein" hielt gestern srine Generalversammlung ab, bei welcher der Rechenschaftsbericht verlesen wurde, aus dem ffch ergab, daß derselbe eine Einnahme von 1904 Mk. und eine Ausgabe von 2117 Mk. hatte Das Wirken des Vereins hat große Resultate erzielt, da durch denselben die Bettelei bedeutend abgenommen hat. C. M'. Bolzer. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien. An einem Tage des Peßachfestes wurden die Besucher der Synagoge der inneren Stadt von einem Manne in der inständigsten Weise um ein Almosen angefleht. Kein Herr, keine Dame ging vorüber, die von dem unglücklichen Unbekannten, der ein Weib im Spitale und drei nach Mazzes schreiende Kinder zu Hause hatte, nicht angesprochen worden wären und die Wenigsten zeigten sich stark gegen die Bitten eines zum Betteln gedrängten Familienvaters. Als aber dieser die Sache denn doch etwas zu bunt trieb, als seine Auf- und Zudringlichkeit jedes Maß des Schicklichen verlor, wurde ihm mit der Wegführung durch die Polizei gedroht. Und nach ein paar Minuten nach diesem freundlichen Wink w^r der Mann aus der Seitenstättengasse verschwunden. — An demselben Vormittage, da eben der Gottesdienst der jüdischen Gemeinde zu Ende war, wurde der interessante Bettler von der Seitenstättengasse gerade in dem Momente im Innern der Stefanskirche betroffen, als derselbe, nachdem er sich mit geweihtem Wasser besprengt, die Eintretendcn dringendst um ein Almosen anging. Der Zufall spielt oft sonderbare Stücke, und so führte er diesmal einen Frommen aus der Seitenstättengasse zu den Frommen in der Kirche und Jener, sofort den bedürftigen Familienvater erblickend, zog ihn in eine Ecke und sagte zu ihm in ernstestem Tone: „Wie können Sre das thun, wie können Sie sich zuerst als Jude ausgeben und dann in christlichen Kirchen betteln?" Und warum sollte ich das nicht? antwortete der zur Rede Gestellte mit k .ltem Blute; oder denken Sie vielleicht, man kann von Einer Religion leben? Wien. In Wiener Kunstkreisen macht augenblicklich ein Proceß des Baron Rothschild viel von sich reden. Er soll binnen Kurzem vor einem Schiedsgericht zum Austrag kommen, und man ist nicht wenig auf das urtheil dieses vorwiegend artistischen' Areovags gespannt. Den Streitfall erzählt das „N. W.Tagbl." folgendermaßen: „Ein hiesiger Jllustrationszcichner, bekannt durch seine satirischen und humoristischen Zeichnungen, die hiesige Witzblätter veröffentlichten, gegenwärtig selbst Herausgeber zweier humoristischer' Blätter, fand sich, wie erzählt wird, unmittelbar nach dem Ableben des alten Chefs des Wiener Hauses bei dem Sohne und Firmaerben desselben ein. Er ersuchte den jungen Baron Rothschild um die Photographie und um das sonstige „Material" zum Entwerfen eines Porträts seines „seligen Herrn Vaters." Er bekam das Gewünschte und kurz darauf erschien das Porträt des verstorbenen Rothschild in dem Bsatte des Künstlers. Einige Wochen darauf wurde aber Baron Rothschild durch die Zusendung eines großen Oelgemäldes überrascht,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.