Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1875)
- Date
- 1875-05-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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390 einerseits, und der gelehrten Ueberhebung andrerseits. Die Unwissenheit in religiösen Dingen — sie ist deS Judenthums schlimmster Feind. Daher lehren auch unsre Weisen: o5n u» mm mctm*. „Das Studium der Gstteslehre übertrifft an Verdienstlichkeit alles Andere; selbst die Erfüllung der Gottesgebote kommt ihm nicht gleich; denn das Studium der Gotteslehre ermöglicht erst die echte und j rechte Erfüllung der Gottesgebote. Wenn die Tho- } ren, die gegenwärtig in allen Kaffeehäusern und! Eisenbahnwaggons über die hohen und erhabenen j Lehren des Judenthums ein abfprechendes, wahn- \ witziges Urtheil fällen, eine Ahnung hätten von der Größe und Herrlichkeit der göttlichen Lehre — sie würden alle ihre Besitzthümer freudig hingeben, um ihre thörichten Lästerungen ungesprochen zu machen, sie würden von Reue und Scham überwältigt werden. Fast schlimmer noch als die Unwissenheit ist die gelehrte Ueberhebung. Mit feinem endlichen, der Täuschung unterworfenen Verstände vermeint der Mensch, das Unendliche durchdringen zu können, mit der so eng begrenzten Vernunft vermeint er über das Schrankenlose aburtheilen zu können; und dennoch lehren uns Geschichte und Erfahrung, daß noch stets die bloß Verständigen auf Abwege gerathen, die bloß Vernünftigen vom Jrrthume befangen wurden. Nur in Gott, nur in der Offenbarung Seines heiligen Geistes ist die Wahrheit, die ganze, volle, reine, ewige, untrügliche Wahrheit. Das lehrt die schon Jahrtausende umfassende Geschichte Israels auf jedem ihrer Blätter. Einige Ereignisse, die mit dem Omer eng Zusammenhängen, mögen das Gesagte näher beleuchten. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten & Correfpondenze«. Deuts chland. Mainz, 30. April. Wir haben einige betrübende Verluste zu verzeichnen, welche das orthodoxe Judenthum betroffen. In der Woche vor dem Peßach-Feste verschied zu B elgard in Pommern der fromme, edle, wohlthätige Herr Gottfchalk Jakobi y"j im Alter von 52 Jahren; sechs Söhne ''p folgten der Bahre des geliebten Vaters. Mögen dieselben den edlen, frommen Wandel des Heimgegangenen sich zum Muster nehmen. Am zweiten Tage des Peßach-Festes verschied zu Frankfurt am Main Rabbi Salomon Posen im Alter von 66 Jahren. Derselbe, ein Sohn des berühmten Frankfurter Dajon, R. Jakob Posen war ein sehr bedeutender Talmudgelehrter, gleich ausgezeichnet durch große Eigenschaften des Geistes wie des Herzens. Fünfzehn Jahre durch Krankheit an das Haus gefesselt, ertrug er seine Leiden mit Geduld und Ergebung, lediglich mit dem Studium der heiligen GotteSlehre beschäftigt Am ersten Halbfeiertage wurden trotz des in Strömen sich ergießenden Regens unter ungemein zahlreicher Betheiligung die irdischen Reste des edlen Verklärten zur Erde bestattet. Unter den Leidtragenden bemerkte man den Freiherrn Wilhelm von Rothschild '"j, der seit früher Jugend ein Schüler des Entschlafenen gewesen. Außer Herrn Rabbiner Hirsch '"j waren noch drei (auswärtige) Rabbinen anwesend; doch wurde wegen des Festes kein nson gehalten. Am 28. April Abends verschied in Frankfurt am Main einer der angesehensten KaufleuU, Herr Philipp Ellinger y"J, Theilhaber an der Firma Philipp Abraham Cohn. Der Verewigte war ein Sohn des Mainzer Rabbinen, Rabbi Löb Ellinger Auch er wandelte in den Wegen seines frommen Vaters und erzog feine Kinder in Gottesfurcht. Durch Fleiß. Umsicht, strenge Rechtlichkeit und geniale Geschäftskunde hatte Herr E. sich nicht allein ein großes Vermögen, sondern aüch die Achtung und Liebe seiner Mitbürger — Juden wie Christen — erworben. Er war Mitglied der Handelskammer, der Stadtverordneten und, in früheren Jahren, des Schulraths der israel. Religionsgesellschaft; er gehörte fast allen wohlthätigen Vereinen an als thätiges und stets opferbereites Mitglied an. Sein Angedenken wird stets ein segenvolles bleiben. Das sind herbe Verluste, die in unserer Zeit doppelt schwer in's Gewicht fallen. Möge der allgütige Gott dem Todesengel Einhalt gebieten! Die Ueberlebenden aber v-r jm mm mögen in den berichteten traurigen Ereignissen eine Mahnung finden, in die Bresche zu treten psn rnvpv und die schmerzvollen Lücken auszusüLen, damit auch das zukommende Geschlecht erhalten bleibe der Religion der Väter. Dann wird das Andenken der Verklärten ein segensreiches sein. n"D"y":r'n. Aus dem Rabbinatsbezirk S&aüerftcin schreibt uns der in Nr. 15 und 16 von Oettingen aus der Unwahrheit bezüchtigte Herr Korrespondent, daß er seine Angaben aufrecht erhalte. Interessant ist die Mittheilung, daß der Chorgesang, den die Orthodoxen in Oettingen nur nach schweren Mühen beseitigt, ein gemischter, aus Herren und Damen bestehender gewesen! Warum haben die'Oettinger