Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1875)
- Date
- 1875-04-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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371 Zeitungsnachrichten und Gorrefpondenzen. Deutschland. Berlin. Die hiesige jüdische AlterversorgungS - Anstalt versendet jetzt ihren Jahresbericht pro 1874. Wir entnehmen demselben: die regelmäßigen Einnahmen betrugen 13,089 Rthlr. 11 Sgr., die Ausgaben 13,108 Rthlr. 24 Sgr. 8 Pf. Die Zahl der Hofpitaliten, welche im Januar 58 betrug, war im December auf 65 gestiegen. Der Stiftungsfond wurde im vorigen Jahre durch eine Stiftung des Herrn Siegfried Beschütz vermehrt und beträgt jetzt 45,500 Rthlr. Der Wunsch, in die Anstalt ausgenommen zu werden, ist ein so allgemeiner, daß dir Meldungslifte weit über 100 Namen trägt. Tretzdem in dem neuen Erweiterungsbau noch Platz für ungefähr 35 Hofpitaliten vorhanden ist, gestatten die beschränkten Mittel keine neuen Aufnahmen. Die Alterversorgungs- Anstalt verbindet daher mit dem Jahresberichte die Bitte um neue jährliche und einmalige Beiträge. Berlin. Sonntag, den 28. März, fand die öffentliche Prüfung der Religionsschule der „Adaß Jisroel" statt, die wiederum ein zahlreiches Publikum der verschiedensten religiösen Richtungen anzog. Mit großem Interesse und sichtlicher Befriedigung folgte es den überraschenden Leistungen der Schüler, die in der 1. Knabenclasse mit Jjob und ihren Abschluß fanden. Welcher allseitigen Würdigung diese Anstalt sich zu erfreuen hat, geht aus der von Semester zu Semester wachsenden Schülerzahl hervor. Von welchem Geiste die Schüler der Religionsschule beseelt, davon gab ein freier Vortrag eines Schülers, der die Anstalt von unten auf besuchte und nun entlassen wurde, beredtes und, wir können es ohne Uebertreibung behaupten, ergreifende- Zeugniß. Die echt jüdische Gesinnung, die aus den Worten des jungen Mannes hervorleuchtete und alle Zuhörer fühlen ließ, wie ernst und tief der Jüngling sie empfand, ergriff alle Anwesenden und erfüllte alle wahren Jehudim, und vor Allem die Lehrer der Anstalt, mit stolzer Freude und dem frohen Bewußtsein, das sich gesteckte Ziel auch erreicht zu haben, das Ziel nämlich, überzeuguugsfeste Jehudim heranzubilden durch die Kenntniß unserer heiligen Schriften und der darin enthaltenen ewigen Wahrheiten. Berlin. Es liegt uns der dritte Jahresbericht des „Israelitischen Miethe-Hilfs-Bereins"! vor, der uns veranlaßt, einige Worte über diesen wohlthätigen Verein, der es verdient, allgemein bekannt zu werden, zu schreiben. Als nach dem Kriegsjahre hier in Berlin die WohnungSnoth, nicht nur für den Armen, sondern auch für einen Theil deS Mittelstandes, zur furchtbaren Calamität sich entwickelte, welche ein immer drohendes Schreckniß für diese beiden Stände zu werden anfing, da entschlossen sich mehrere jüdische junge Leute (meistens Richtberttner, Commis und Studirende), auch ihr Scherflein beizutragen zur Unterstützung dieser Armen, deren Zahl von Tag zu Tag sich vergrößerte; es sollte vor Allen anständigen Familien, die durch die enorme Steigerung der Miethe in augenblickliche Verlegenheit gerathen waren, nach besten Kräften in Form eines Darlehens ein Zuschuß zur Bezahlung ihrer Miethe gegeben werden. Die bescheidenen Mittel erlauben es diesem Vereine noch nicht großartige Unterstützungen gewähren zu können, doch hofft er im Laufe der Zeit durch zahlreichen Beitritt feine Wirksamkeit entsprechend ausdehnen zu können. Im verflossenen Jahre sind 60 neue Mitglieder gewonnen worden, und konnten an 64 Familien Unterstützungen verabreicht werden. Das Unternehme» ist ein so überaus edles und in Anbetracht der Gründer dieses Vereines ein so hochherziges, daß es die Sympathien aller Menschenfreunde in höchstem Grade verdient. Frankfurt a. M. . Seither herrschte über die Anstellungsverhältnisse an den hiesigen öffentlichen Schulen, bezw. an dem Gymnasium die irrige Ansicht, als ob ein Jude nicht als ordentlicher Lehrer, Professor, definitiv angestellt werden könne. Dem ist jedoch nicht also, denn das Curatorium stellte den ersten Juden, der sich überhaupt gemeldet hatte, als ordentlichen Lehrer am hiesigen Gymnasium an. Der hierher berufene Herr ist aus Cassel und geht ihm der Ruf eines tüchtigen Philologen voraus. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wie«. Das Israel. Blinden - Institut auf der Hohen Warte bei Wien hielt am 7. v. M. seine General-Versammlung ab. Vom Präsidenten Dr. Ludwig August Frankl mit kurzer Ansprache eröffnet, trug der Schriftführer, kaiserlicher Rath vr. Wölfl er, den Rechenschaftshericht vor. Die Zahl der Zöglinge ist derzeit 22 — 13 Knaben, 9 Mädchen—. Alle, mit Ausnahme eines Zöglings, erhalten Verköstigung, Bekleidung und Unterricht unentgeltlich. Nicht weniger als drei Doctoren überwachen die Sanität. Nach dem Kassen-