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Der Israelit · 1875-04-28 · Heft 17 (28.4.1875) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 17 (28.4.1875)
Date
1875-04-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XVI. Jahrgang. Erste Beilage;» Nr. 17 -es Israelit. Leitender Artikel. Pie Idee -es Iudeathams. Von Dr. H. Sänger. VII. Noch mehr aber zeigt sich diese moderne Anerkennung Gottes als bloße Phrase, da wir ja gesehen haben, daß die monotheistische Idee — die, nebenbei bemerkt, wenn man der Welt ein höchstes, mächtiges Wesen obenanstellt, für den denkenden Menschen viel näher liegt und leicht faßlicher ist, — allen Völkern, mit Ausnahme des jüdischen Volkes, sehr bald wieder verloren ging. Man könnte nun die Frage aufwerfen: Kann demnach diese Idee nur dann Gemeingut der Menschheit werden, wenn diese nach jüdischen Gesetzen lebt? Auch dieser Frage haben wir schon im Voraus begegnet, indem wir die Forderung, die das Judenthum an die Menschheit stellt und in sieben Gebote zusammenfaßt, erwähnt haben. Aber so lange man. nicht das Höchste sich zum Ziele steckt, so lange man nicht die Vervollkommnung in der sittlich hohen und reinen Ausbildung des Geistes und des Herzens erkennt und anstrebt, sondern alle Bereicherung des Wissens nur zu persönlichen Zwecken, nur zu bequemerem Leben verwerthet; wenn man die gesuchten und gefundenen Wahrheiten nur zu rein realer Nutzanwendung für gut hält: dann fehlt diesem ganzen Streben das sittliche Moment, wodurch allein der Mensch gehoben werden kann und wahre Vervollkommnung anstrebt; dann ist der Mensch mit all seinen großen geistigen Errungenschaften nur Thier, tritt immer nur das Thierische in den Vordergrund, ist sein ganzes Streben durch und durch realistisch und das Ideale, dem man heute zu wenig Berechtigung zugesteht, das aber nichtsdestoweniger allen Handlungen des Menschen als das eigentlich Anzustrebende obenanstehen sollte, um ihnen die echte Weihe erst zu geben; dieses Ideale geht ihm ganz verloren. Und das ist, wir möchten sagen, der scharf hervorstechende krankhafte Charakterzug unserer sonst so großen Zeit, daß sie nur realistisch ist, daß sie erst aus j demWirklichen dieIdee entstehen lassen will, während doch das Bestehende auf! die Idee zurückgeführt werden muß, daß!! sie, mit klaren Worten, aus der gegebenen; Welt sich ihre Gottheit schafft und die! Welt nicht auf ihren Schöpfer zurückführen will. Sie will das Seiende belebt und mit einer allbelebenden Kraft versehen wissen, aber diese Kraft erst mit dieser Welt des Seienden entstanden sein lassen. Wie unendlich viel neue unlösbare Räthsel werden durch diese Lehre auftauchen und uns die Weltentstehung immer unbegreiflicher machen, wie überhaupt philosophischen Theorieen hierüber mehr Unglaubliches und Unfaßbares uns geboten, als es die jüdische Schöpfungsgeschichte gethan. Dieser scharf markirte realistische Zug unserer Zeit ist es, der heute die Menschheit vom Höheren und Wahren ablenkt, der von jeher die Menschheit in falsche Bahnen geleitet hat. Man suchte immer die Wahrheit; fand sie aber nie, weil man, trotz vorgeblicher Vernunft, sich selbst keine bestimmte Grenzen setzte, keine Gesetze gab, die den Menschen beschränkten. Es war ein ewiges Schwanken und Wanken zwischen Wahrheit und Schein. Nur das jüdische Volk hielt unverrückt fest an der von ihm erkannten Wahrheit. Dem Ernst des Menschenlebens und der Höhe der Menschenaufgabe war all sein Streben gewidmet und geweiht, und deßhalb erlaubte es sich nie Vergnügen, wo es mit seiner Aufgabe und Auffassung des Lebens colli - dirte, es überließ sich nicht der Bequemlichkeit, dem Genüsse und taufend andern Dingen, die dem Menschen so begehrenswerth erscheinen, sobald es einsah, daß sie es von seinem Ziele ab bringen würden. Und dazu bedurfte es der sonderbaren, strengen Gesetze. Es ist nun freilich nicht Jedermanns Sache, das Leben in seiner ganzen Strenge und Wahrheit, in seiner ganzen großen Bedeutung zu erfassen. Aber der Jude, der das Bekenntniß der Einheit Gottes ausspricht, verpflichtet sich zugleich mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit allen seinen Kräften und Fähigkeiten diesem Einen Gotte anzugehören. Die ganze Aufgabe will er erfassen, ganz und voll seinen Zweck erfüllen; er will, mit einem Worte, ein ganzer Mensch sein, der sich seines Vorzuges, welchen er vor allen übrigen Geschöpfen hat, vollbewußt ist un^ ihn auf's Höchste ausnützen will, der in allen thierischen Functionen sich nur auf's Nothwendige beschrankt, dieselben nur als Mittel zum allgemeinen großen Zweck betrachtet, der das größte Vergnügen darin erblickt, daß er für seinen Geist schafft, daß er im-

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