Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1875)
- Date
- 1875-04-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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365 sie seien wie die 2 Schneiden einer Scheere, beide verfolgen ei» Ziel. Nur daß die Orthodoxen die Kaste rein erhalten wollen von fremder Beimischung, um dereinst dareine Judenthum zur Herrschaft zu bringen, während die Neologen sich die Journalistik zu ihrer erfolgreichen Waffe auSerfehen haben, in welcher jeder Angriff gegen den Judaismus oder gegen ein einzelnes Glied desselben in 1000stimmigen ChoruS niedergeschrieen wird. Die Juden drängen sich in jede Gesellschaft ein, und wo sie sich eingenistet, da sind sie nicht mehr fortubringen, sie selbst sind ungeheuer exclusiv, umgeen sich mit einer chinesischen Mauer, und bilden die furchtbarste aller Aristokratien, die Pluto- Aristokratie. Die Juden heucheln Liberalismus, schließen sich jeder siegenden Partei an, um dieselbe auSzunutzen. Die Gefahr, welche die enggeschlossene Phalanx der Judenheit, für die übrigen Confeffionen in sich birgt, ist für Ungarn von höchster Bedeutung und müffe man bald entschiedene Maßregeln gegen diese Gefahr treffen. Redner will keine Judenverfolgungen anempfehlen — wir danken gar schönstes für diese Großmuth —, denn die Geschichte lehrt, daß die Juden sich trotz aller Verfolgungen vermehrt haben und immer mächtiger geworden sind, ja hätte man die Juden nicht verfolgt, so gäbe es heute keine Judenftage mehr. Er meint blos friedliche Maßregeln, welche die Gefahr abzuwenden im Stande wären." Wir übergehen die Begründung der Interpellation und wollen nur die Fragen selbst citiren: 1) „Hat das geehrte Ministerium die Absicht, durch Einbringung des das Jncolat regelnden Gesetzentwurfes der Einwanderung der vom AuSlande kommenden, Ungarn überschwemmenden Juden einen Damm entgegenzusetzen? — 2) Würde die Regierung einer auf socialem Gebiete gegen diese aggressive Kaste seitens der nichtjüdischen Elemente eventuell zu unternehmenden friedlichen Bewegung zur Selbstvertheidigung Hindernisse in den Weg legen? — Was der kluge Mann unter einer derartigen „friedlichen Bewegung" versteht, und was daraus werden soll, läßt sich leicht errathen. — 8) Gedenkt sie überhaupt dieser Frage gegenüber einen entschiedenen Standpunkt einzunehmen oder ihre, bisher durch die seit Ertheilung der Emancipation im Staatsleben aufgetauchten Erscheinungen nicht gerechtfertigte vollständige Neutralität und gleichgiltiae Politik auch fortzusetzen? —Die gesammte Presse Oesterreich-Ungarns ist ob dieser famosen Enunciation entrüstet, Csernatony's „Ellenör" nicht ausgenommen, besonders aber „Hon." Der berühmte Romancier Jokai schreibt unter Anderem: „Wie lange wird es bei uns noch eine erlaubte Waffe sein, den schlechtesten Leidenschaften des Volkes zu schmeicheln? Wie lange wird es «och gestattet sein, die halbvergeffenen Phrasen vergangener Tage hervorzuholen, um mittels derselben zu wirke«? Was ist das für ein Standpunkt gern eine Claffe, gegen einen Theil des Volkes wegen es wachsenden Wohlstandes derselben zu agitiren? — Wir befinden uns ohnedies in einem vortrefflichen Zustande dem Auslande gegenüber. Unser Credit blüht, unsere Papiere sind gesucht, es fehlt uns nur noch, daß der Ton, der schon im Abgeordnetenhaus leidenschaftlich klingt, noch viel leidenschaftlicher klingen wird, wenn er im Volke Widerhall findet, uns auch diesbezüglich ein klein wenig in den Ruf Rumäniens bringe! Nun, der Lärm, welchen Herr Jstäczy mit seiner Rede gemacht, wird eben bald verklungen sein und nichts wird bleiben als die Lächerlichkeit, die er sich an seinen Namen knüpfte. Die Moral der Geschichte ist, daß wir leider immer noch im Galuth sind, wenn solches in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im ungarischen Parlamente gesprochen wird, und daß die Emancipation eben nur auf dem Papiere steht. —y. Lemberg. Herrn M. Mohr, Redakteur und Herausgeber der dahier in jüdisch-deutschen Lettern erscheinenden „Zeitung" ist es gelungen, Herrn Dr. Fried dafür zu gewinnen, daß er die von dem Rabbiner zu Tachau angeregte Angelegenheit behufs Subventionirung unbemittelter Rabbiner von Seiten des Staates weiter verfolge und in den nöthigen Instanzen vertrete. Zu diesem Zwecke ist aber eine Petition nebst ausführlichem diesbezüglichem Memorandum seitens der betreffenden Rabbinen nöthig und Herrn Dr. Fried zu übergeben. Herr Mohr fordert die Rabbineu dringend auf, unverzüglich die nöthigen Schritte zu thun. Italien. Rom. Der Vicepräsident der italienischen Abgeordnetenkammer Signore Maurogonato, unser Glaubensgenosse, war bei der Enthüllung des Denkmals für den verstorbenen Daniel Manin, den bekanntenitalienischen Patrioten, welche am 22. März in Venedig statffand, zugegen, nahm an den Feierlichkeiten daselbst Theil und sprach als Repräsentant Italiens und des Parlaments. Es mag bei dieser Gelegenheit bemerkt werden, daß Signore Maurogonato Inhaber vieler hoher Orden ist, bei allen politischen Parteien in hohem Ansehen steht und mehr als einmal vom König aufgefordert worden ist, das Portefeuille der Finamen zu übernehmen, welche Ehre er abgelehnt. Besonders erwähnenswerth von diesem angesehenen Manne ist aber, daß er trotz seiner hohen Stellung seinJuden- *