Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1875-04-28 · Heft 17 (28.4.1875) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 17 (28.4.1875)
Date
1875-04-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447603-2447618--11483-2467269
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

364 geuem «v .nv, von dem CorporatiouSvorsteher Hr. Joachim mit warmen Worten begrüßt und willkommen geheißen wvr-e. Hierauf hielt Herr Dr. Silberberg seine Antrittsrede. Er präcistrte scharf seine Pflichten in dreifacher Richtung, betonte es, daß er den Schwerpunkt seiner Stellung in der religiösen Erziehung und Ausbildung der Jugend erblickt, und bat um Unterstützung und Förderung seines Bestrebens Seitens der Eltern. Die citirten ethischen Stellen, sowie die rßen zeigten so viel Gefühl, Kraft und Würde, daß die zahlreich Versammelten in Rührung überwältigt waren. Es bewahrheitete sich so recht: b* d'djdj 2bn iv O’Navn ona-i* Mit anyoi nruo r6s>n schloß die erhebende Feier. Ein Festessen mußte des so nahe bevorstehenden Oi' wegen unterbleiben. Daß in der Heutzeit in einer jüdischen Gemeinde sehr Vieles, ja fast Alles von der obersten geistigen Leitung abhängt, bedarf keiner Ausführung. Wir hoffen indeß, in der Person des Hrn. Rabbiners Dr. Silberberg einen jtijo erworben zu haben, der nicht nur die geistigen Mittel, sondern auch die Energie und das edle Streben nw besitzt, unser echt jüdisches Gemeindeleben, welches Gottlob bisher von den reformatorischen Strömungen der Neuzeit verschont blieb, zu conserviren, zu befestigen und auszubreiten. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Pretzbnrg, im Nissan. Die vor Monaten durch Herrn Csernatonyi in der Presse provocirte Judenhetze, erlebte, wie bereits berichtet, am 9. d. M. im ungarischen Parlamente, eine zweite, vielfach verschärfte und verbesserte Auflage. Erstere schrumpft dagegen in ein Nichts zusammen, sie trug wenigsteus die Maske des Patriotismus, und war vorgeblich nur gegen die hauptstädtische Bevölkerung gerichtet, während diese, mit der Provozirung einer Judenfrage in Form einer an die Regierung gerichteten Interpellation die Brandfackel des Hasses in die Gesammt-Bevölkerung, besonders aber in die arbeitende Klasse der Städte wirft, und unverblümt und unverhohlen das Ziel Haman's anstrebt DHifvn rtt msbi inrft Herr Jstöczy, dieser jüngste Haman, ist von einem Judenhasse besessen, der bei ihm zur Leidenschaft geworden; diese gleicht dem Gaule, auf dem ein lateinischer Reiter sitzt: „Wohin? Wohinaus?" „Wo der Gaul hin will"; und also versteigt er sich soweit, in seiner mit der Interpellation verbundenen höchst merkwürdigen Rede zu behaupten, die Juden bilden eine einheitlich geleitete, staatsgefährliche und gemeinschädliche Allianz zur Verdrängung aller Nichtjudev, und wünscht nichts Anderes, als daß dieselben dafür auf jede mögliche Weife beschränkt, wo möglich vernichtet werden sollen. — Fällt da nicht die Äehnlichkeit dieser Worte mit denen des Altmeisters des Rischuß auf? Sagte denn nicht Haman auch "pon »m nw idui nnt< oy «r» D'tcnj?? — Wahrlich, ein würdiger HamanSfchüler! Natürlich nicht in puncto Klugheit, an dieser fehlt eS Hrn. Jstöczy völlig. Die Blatter, die nun gezwungen find, sich mit ihm zu beschäftigen, wissen nur Weniges von seiner in Dunkel gehüllten Vergangenheit zu erzählen. Nur soviel ist bekannt, daß er nie ein großes Kirchenlicht gewesen, sein Leben floß stets ruhig dahin; seit 3 Jahre», die er im ung. Parlamente sitzt, war er stets der fleißigste Besucher des Buffet. Bor Kurzem übersetzte er eine judenseindliche Broschüre von äu Nosnil in'S Ungarische, welche jedoch nicht den gewünschten Erfolg hatte, er schwor Rache, und ließ diese denkwürdige Rede von Stapel, worin er auch gegen die Juden als Besitzer des Geldes loSzieht. Gegen das Capital und Geldprotzenthum zu predigen, kömmt aber Hrn. Jstöczy am allerwenigsten zu, denn er war eben bis jetzt Anhänger jener Partei, deren höchstes Ziel in Gründereien, Geldherrschaft, persönlicher Bereicherung des Einzelnen bestand. Muß man hier nicht mit Börne sagen: er haßt die Juden nicht, weil sie es verdienen, sondern nur, weil sie verdienen. Witzig soll ein Magnat im Abgeordnetenhause bemerkt haben: dieser sonderbare Geselle muß entweder niemals einen Kreuzer von einem Juden ausgeliehen oder niemals einen geborgt bekommen haben. In Folgendem wollen wir den Gedankengang seiner Rede skizziren: „Man ist allgemein von der irrigen Auffassung befangen, die Juden bilden blos eine besondere Confessio«, gehören aber in allen anderen Beziehungen zu der Nation, in deren Mitte sie wohnen. Dem ist nicht so: die Juden bilden eine mächtige Kaste, einen mächtigen, die ganze Welt umfassenden Bund, welcher nach nichts Geringerem strebt, als nach der Unterdrückung der übrigen Religionen, nach der Weltherrschaft, nach dem PanjudaismuS." — Die Erfindung dieses Wortes verdanken wir Herrn Jstöczy. — „Zu diesem Zwecke erwerbe« sie die geschicktesten, mächtigsten Vertreter, versuchen sie die Staaten sich finanziell abhängig zu machen, um dadurch auch auf die Politik Emfluß zu nehmen und sie ihren Zwecken dienstbar zu machen. Sie ziehen mit den ihnen eigenen Fähigkeiten und mit seltener Zähigkeit die grüßten Reichthümer an sich und vermehren dadurch die Ungleichheit in den VermögenSverhältnisfen, um nur ein großes Proletariat zu schaffen. — Die Juden sind äußerlich wohl in Neologe und Orthodoxe geschieden, aber

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.