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Der Israelit · 1875-04-28 · Heft 17 (28.4.1875) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 17 (28.4.1875)
Date
1875-04-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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363 Zeitungsnachrichten Sf Correspondenzen. Deutschland. Nürnberg. Die Einweihungsrede für die hiesige Orgel-Synagoge gipfelte bekanntlich in einem Citat aus Schiller's Lied an die Freude: „Diesen Kuß der ganzen Welt." Am ersten Tage des Peßachfestes sollten die Anfangsworte jenes schönen Liedes: „Freude, schöner Götterfunken" im Wortsinne wirksam werden. Der Rabbiner predigte feurig, zündend! Plötzlich stand der Vorhang vor der heiligen Lade in Flammen. Zwar gelang es den zahlreich anwesenden Andächtigen bald durch rasch herbeigetragenes Wasser den Brand zu löschen, allein der kostbare Vorhang — ein Meisterstück der Goldstickerkunst — warde ein Raub der Flammen. So zündend hat wohl noch nie ein Redner gesprochen. — Skeptiker wollen zwar behaupten, daß nicht das Feuer der Rede den Schaden verursacht, sondern daß der Wind den Vorhang einer Gasflamme zu nahe gebracht habe. Aus der Pfalz, 14. April. Aus München kommt die Nachricht, daß eine Entschließung des Cultus-Ministeriums ergangen ist, wonach eine Classe der Communal-Schule in Grünstadt mit einem israelitischen Lehrer besetzt werden darf. Das ist's, was der Grünstädter Stadtrath gewollt hatte, und damit ist — trotz der vorangegangenen Abweisung seiner Beschwerde durch alle Instanzen — eben zugegeben, daß er doch Recht hatte, als er die Ansicht aufstellte, daß die Verordnung vom 29. August 1873 auf eine Schule» welche vor derselben schon bestand, nicht anwendbar sei. Die pfälzischen Abgeordneten G. Müller und Dr. Groß hatten die Sache beim Ministerium betrieben, und wir irren wohl nicht, wenn wir annehmen, daß dasselbe, um der ihm unangenehmen Erörterung in der Kammer auszuweichen, schließlich sich herbeiließ, das Verlangen der Grünstädter zu erfüllen. Kippenheim (Baden), 12. April. Am jüngsten p'ttf'D erlitt unsere Gemeinde einen gar herben Verlust — Herr Samuel Durlacher, Chef der Weinhandlung, entschlummerte zu einem besseren Dasein nach einem langen und schmerzlichen Leiden Wer den Heimgegangenen gekannt, wird uns beipflichten, wenn wir gramerfüllt ausrufen: „gefallen ist die Krone von unserem Haupte!" Durlacher zeichnete sich als Jehudi durch seine strenge, ungeheuchelte Frömmigkeit aus, eine Tugend, die ja heute leider so selten! Er war aber auch bestrebt, in diesem Geiste seine zahlreiche Familie zu erziehen, wobei ihm seine edle Gattin helfend zur Seite stand und .->"2 es ist ihm gelungen, darin von Erfolg gekrönt zu werden. Noch um sein Schmerzenslager wenige Stunden vor seinem Heimgange versammelte er seine 12 Kinder und nahm ihnen das Versprechen ab: Nie rosy zu sein und nie.-js-jb zu genießen. Wahrlich, ein herrlich Zeugniß für den Edlen. War er als Jude seinem Gotte und seiner Familie gegenüber äußerst pflichtgetreu und unsäglich selbstverleugnend und hingebend, so zeichnete er sich nicht minder durch sein allgemein anerkannt humanitäres Wirken aus, so daß er von weit und breit gesucht wurde. Immer war er bereit zu Helsen. Sein weiches, mildes, wohlwollendes Herz war voll der edelsten Regungen, was er durch die That bewiesen. Geben und Spenden war ihm eine besondere Freude und' da ihn der liebe Gott mit Gütern gesegnet, so konnte er auch mit vollen Händen geben. Von seinem guten Namen, feinen zahlreichen innigen Freunden und Verehrern legte das imposante Leichenbegängniß Zeugniß ab, zu welchem Herr Rabbiner Dr. Marx aus Darmstadt telegraphisch berufen war. Derselbe erklärte jedoch im jd\j keinen "ison halten zu können, hielt jedoch auf Ersuchen nach dem Begräbrnß vor,->n:2 im Trauerhause vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft einen religiösen Vortag -er« über einen Vers drr m-D, der mit größtem Beifalle ausgenommen wurde. „Sich in den Geist der Gotteslehre vertiefen — das biete den besten Trost", sagte er und wir pflichten ihm bei — ja er hat uns getröstet und die Familie gab dieses auch durch ihre würdige Haltung zu erkennen. — Samuel Durlacher, ist uns nun körperlich entrückt — aber im Geiste lebt er bei uns . fort, lebt fort in seinen edlen Handlungen und wird stets seiner Familie und allen, die ihn gekannt, unvergeßlich bleiben. Plefchert (Prov. Posen), 16. April. Der gestrige Tag brachte unserer Gemeinde ein freudiges Ereigniß und zwar die feierliche Einführung unseres jüngst gewählten Rabbiners, des Herrn Dr. Elias Silberberg aus Guens in Ungarn, Eisenburger Comitat. Eine Deputation, bestehend aus Mitgliedern des Vorstandes und des Repräsentanten-Collegiums, reiste dem Hrn. Rabbiner bis nach unserer Nachbarstadt Ostrowo entgegen, von wo aus die Ankunft Hierselbst um 6 Uhr Nachmittags erfolgte. Herr Dr. Silberberg wurde vom Wagen direct nach dem festlich geschmückten dicht gefüllten Gotteshause geleitet, woselbst er, nach vom??n vorgetra-

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