Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 15-16 (14.4.1875)
- Date
- 1875-04-14
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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338 Jttowraelaw, im März. Es ist ein erfreulicher Fortschritt unserer Zeit, daß auch den jüdischen Geistlichen gewisse Rechte eingeräumt werden, welche denselben bisher vorentbalten wurden. So ist unser Rabbiner Herr Dr. Cohn als Religionslehrer am hiesigen königlichen Gymnasium den übrigen Lehrern in jeder Beziehung gleichgestellt. Auch hat der hiesige Magistrat den Hr. Rabbiner von der Zahlung der Communalsteuer gänzlich befreit, was von der Humanität und dem Rechtsgefühl unserer städtischen Behörde Zeugniß gibt. Am 23. d. M. feierte Herr Saul Salomon — Pikp 71"2 — seine silberne Hochzeit, an welcher sich fast die ganze Gemeinde betheiligte. Als Vorsteher der hiesigen rr^np man, als Mitglied der hiesigen Repräsentanz und Wohlthätigkeits-Vereine — ein Mann, dem alle Ehre und Anerkennung gebührt — erwarb er sich die Achtung und Liebe aller Mitbürger. Es versammelte sich am genannten Tage im Hause des Gefeierten eine große Menschenmenge, um das Jubelpaar zu beglückwünschen. An der Spitze der Gratulanten stand der Rabbiner Dr. Cohn, der den Jubilar mit den Worten Samuelis Cap. 1 — '-P pinp »in anredete. In einer schwungvollen Rede schilderte Redner, gestützt auf den Vers im Hohenlieds, Cap. 3 ibiä zm irvrsi *pp nrj? v-noy ,na!?iy ~pan P nwy jms« die Tugenden des Jubilars, indem er auf *pa i’tdjj anspielend di e Säulen hervorhebt, auf denen das Glück der Ehe ruhen soll und muß. Die Säulen sind: 1) Friede und Eintracht — nbw o njrp) “piTN —, 2) Frömmigkeit und Gottesfurcht cn o i’jo ftcy w ro nrp’ «P und 3) Wohlthätigkeit und Nächstenliebe — DHDn " u — "i'ii'OP ’t PLPi (2'Pprv ’DPtfvv) und diese dreierlei Säulen waren und sind im Hause des Jubilars rein und lauter *ps 'pro wie geläutertes Silber. In Bezug auf noon np'aa — auf na« hm idh — gilt von dem Jubilar Pins? das Wort der Schrift vom König Schaul iibyai iPP2"2 oyn bp» nrnm, „er ragt hervor über das ganze Volk von der Schulter und aufwärts." — „An Ihnen, geehrter Herr Vorsteher, sagte der Redner, „der Sie einen großen Theil Ihrer Zeit, Tage und Nächte, der leidenden Menschheit widmen und opfern; der Sie die schwersten Lasten, Mühen und Plagen in der uneigennützigsten Weise — nax bw -lon — auf Ihren Schultern tragen, bewährt sich das Wort rfryai lap^c in einer Sie ehrenden Weise, und wie einst der Prophet, so rufe ich der geehrten Versammlung zu: arv-ann!ayn Pro ihicd *;\y o-?'n o' -iro -ucw n« „der ist ein Mann, den Gott auserwählte, der nicht seines Gleichen im ganzen Volke hat." Zum Schlüsse wünschte Redner, wie die erste Hälfte des Satzes ppp in-ay heute, so möge sich auch die zweite Hälfte — pn? lm-sn — nach 25 Jahren am Jubelpaar bewähren. Der Wunsch wurde von allen Anwesenden mit einem lauten „Amen" begleitet. Louis Cohn, Lehrer. Lübeck, den 28. März. Gestern feierte in Hamburg der ehemalige Güter- und Häusermakler Moses' Seligmann seinen hundertsten Geburtstag. Oe st er r.- Ungar. Monarchie. Wien, 26. März. Der aus Eisenstadt gebürtige, 30 Jahre zählende Gastwirth „zum London", Joseph Ladislaus Mayer, ehelichte am 22. November 1864 nach katholischem Ritus die Katharina Binder, von welcher er sich, damals Mehlmesser, am 28. December 1869 in Folge freiwilliger Scheidung von Tisch und Bett trennte. Am 24. September 1871 vereinigte er sich wieder mit seiner Gattin und lebte in Gemeinschaft mit derselben bis zum Herbste 1874. Am 28. December 1874 trat er zum Judenthum über, vertauschte den „Ladislaus" mit dem „Joseph" und ehelichte am 10. Januar 1875 noch mosaischem Ritus ein Fräulein Anna Grün. Einen Tag nach seinem Uebertritte zum Judenthum hatte Ladislaus, jetzt Joseph Mayer, die Scheidung von seiner ersten Gattin nachgesucht, und da sich bei der für den 13. Januar 1875 anberaumten diesfälligen Tagsatzung ergab, daß Mayer bereits drei Tage vor dieser Tagsatz'ung eine neue Ehe eingegangen war, wurde der Act an das Landesgericht geleitet und Mayer wegen Bigamie in Anklagestand versetzt. Heute sollte unter dem Vorsitze des Landesgerichtsrathes Hörl die Schlußverhandlung durchgeführt werden; dieselbe wurde jedoch vertagt, weil der Vertheidiger, Dr. Alois Mayer, erkrankte. Wien. Dem einundzwanzigsten Bericht des allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummen-Jnstitutes in Wien vom Schuljahre 1873 bis 1874 entnehmen wir: Bei einem Vergleiche mit den Ausweisen früherer Verwaltungsjahre ergibt sich, daß die Anzahl der beitragenden Vereinsmitglieder sich beträchtlich verringert hat und daß in dieser Weise gegen fl. 1000 des fixen Jahreseinkommens entfallen sind. Daß der Grund dieser Erscheinung nicht in einer Erkaltung der bisher stets der Anstalt entgegengcbrachten Sympathien zu suchen sei, bedarf wohl nicht erst der ausdrücklichen Erwähnung. Die Urtheile maßgebender Autoritäten über