Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 15-16 (14.4.1875)
- Date
- 1875-04-14
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XYI. Jahrgang. Zweite Lcilage M Ar. 13 & 16 -es Israelit. Zeitungsnachrichten & Correspondenzen. Deutschland. Aus dem Nabbinatsbezirke Wallerstein. Die Ihnen unter Nr. 12 Ihres verehrlichen Blattes eingesandten Berichte über die religiösen Zustände der Gemeinden Nürdlingen, Hainsfarth, insbesondere Oettingen, leiden an so vielfachen Uebertreibungen und Entstellungen, daß wir es für unsere dringende Pflicht erachten, anvurch die berührten Verhältnisse so darznftellen, wie sie der strengen Wahrheit entsprechen, und selbst durch unfern sehr verehrten Rabbiner Herrn Weis köpf bestätigt werden müssen. Vorerst ist es nicht wahr, wenn behauptet wird, daß die Gemeinde Oettingen sich Führern anvertraut. die das ganze Jahr kein koscheres Fleisch brauchen; es existirt hier factisch nicht ein einziges jüdisches Haus, in welchem nicht streng das jüdische Rituell beachtet wird. Ihr Correspvndent mag Zusehen, wie er es mit Gott und seinem Gewissen verantworten kann, eine solche grundlose Verdächtigung gegen eine unbescholtene Gemeinde in die Welt hinauszuschleudern: weiß derselbe nicht, daß in unserer heiligen Thora geschrieben steht, „2. B. M. 2;>, 1. Nitp ynv avr\ -rp." Ferner ist zu berichtigen, daß in ganz Oettingen an Sabbaten und Feiertagen sämmtliche Geschäfte streng geschlossen sind, was von Nördlingen nicht gesagt werden kann, und doch erkühnt man sich, die letztgenannte Gemeinde als Muster hinzustellen, Oettingen dagegen mit einer rm:n zu vergleichen, weiß Ihr Herr Correspondent, was eine nmj“ -vy ist? Wer derjenige ist, dem der böswillige Vorwurf gemacht wird, in hiesiger Gemeinde "3Pra «öte mira zu sein, soll von Ihrem Herrn Correspondenten näher bezeichnet werden, und werden wir ihm dann die gebührende Antwort nicht schuldig bleiben. Vorläufig ist zu constatiren, daß die in 2 hier bestehenden Vereinen gehaltenen religiösen Vorträge ganz besonders fick des ungeteilten Beifalls der sogenannten orthodoxen Partei zu erfreuen haben, sowie, daß der Herr Rabbiner selbst dem Herrn Lehrer Strauß, gerade in diesem Punkte, seine volle Zufriedenheit ausgesprochen hat, und diesen Vereinen gehören mit ganz geringer Ausnahme sämmtliche' Balebatim, sowie ledige junge Leute an, der Schiur ist jederzeit zahlreich besucht, es herrscht hiebei d e größte Aufmerksamkeit und das regste Interesse, was alles dafür zeugen muß, daß rra in hiesiger Gemeinde noch gar lange nicht alles religiöse Gefühl erloschen ist, wollte Gott, cs stände in vielen Gemeinden nicht schlimmer als hier! Was die betrifft, so muß man wissen, daß solche sowohl hier, wie in Hainsrarth auf dem Aussterbe-Etat steht (leider! Red.), der Verein zählt hier 2, in Hainsfarth :-i Mitglieder. Von einer Majorisirung irgend eines TheilS der Gemeinde ist durchaus nichts zu bemerken, im Gegentheil haben es die streng Orthodoxen hiesiger Gemeinde fertig gebracht, daß der bestandene Synagogen-Chor wegen ~:n rp-n wieder eingestellt werden mußte, der Herr Rabbiner genießt hier jederzeit die größte Achtung, so daß das Verspotten seiner Anordnungen an Bier- und Kaffee-Tischen, gleichfalls in das Gebiet der Unwahrheit gehört; das einzige, was hier geschehen ist, besteht in Beseitigung der Piutim der mans ymx, womit sich 2/:s der hiesigen Gemeinde-Mitglieder einverstanden erklärt haben; hiebei wollen wir nur das Eine constatiren, daß bereits schon der frühere Rabbiner Herr Dr. Feuchtwanger sämmtliche Pmtim von des pnp an Purim und 3"n abgeschafft, sowie die nup und mrrrD bedeutend reduzirt hat. Schließlich möchten wir Ihnen in eigenem Interesse Ihres so weit verbreiteten Blattes rathen, derartige Berichte fernerhin mit größerer Vorsicht aufznnehmen. r.ex icn:n. (Wir müssen uns gegen den in dem Schlußsätze enthaltenen Vorwurf auf das Ernstlichste verwahren; es ist Niemandem mehr leid als uns, wenn ein oder der andere Correspondent die Grenzen der erlaubten und zur Wahrung berechtigter Interessen notwendigen Kritik überschreitet, und wir versagen andererseits Niemandem die Rechtfertigung und Vertheidigung, wenn diese sich innerhalb der Grenzen des Anstandes und der Bescheidenheit halten. Es ist jedoch nicht möglich, stets vorher zu untersuchen, ob das Berichtete vollständig der Wahrheit entspricht oder nicht. Wir müssen uns in dieser Beziehung — wie alle Zeitungs-Redactionen — auf die Wahrheitsliebe unserer Correspondenten verlassen. Eine absichtliche Entstellung scheint auch im vorliegenden Falle nicht stattgehabt zu haben. — Red.)