Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 15-16 (14.4.1875)
- Date
- 1875-04-14
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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339 die Mustergiltigkeit des Institutes sind unverändert geblieben, noch immer erklären alle Besucher desselben, sich wahrhaft erbaut und freudig erhoben von dem Geiste der Humanität, der das ganze Unternehmen beseelt, von den unstreitig glänzenden pädagogischen Erfolgen, die es erzielt, von den richtigen Mitteln der Erziehung und des Unterrichtes, die hier in dem Dienste des erhabensten philantropischen Zweckes verwendet werden. Noch weniger darf angenommen werden, daß die angestammte Opferbereitschaft und Neigung zur Wohlthatigkeit an Lebhaftigkeit und Eifer irgend eine Einbuße erlitten hätte. Noch immer sind die Hände offen und zum Geben bereit, so wie auch die Herzen warm schlagen, das Geschick der armen Geschöpfe zu verbessern. Wohl aber sind es die eingetretenen Verhältnisse, welche diese Ungunst der Zeit selbst solche WohOhätigkeitS-Anstalten, wie die genannte es ist, bei aller Theilnahme, die derselben zugewendet wird, in bedauerlicher Weise fühlbar macht. Möge die Erkenntniß dieser Sachlage den Gönnern und Freunden der Anstalt zur Veranlassung gereichen, sich derselben um so eifriger anzuneh'me'n und in stets weiteren Kreisen Propaganda für dieselbe zu machen. Die Anstalt war auch Heuer in die peinliche Nothlage versetzt, aus Mangel an genügenden Subsidien über vierzig Aufnahmsbewerbungen abschläglich bescheiden zu müssen und sind die noch immer andauernde Theuerung der Lebensmittel und Arbeitslöhne, welche selbstverständlich auch die Ausgabsposten für das Lehr- und Dienstpersonal erhöhen, nur geeignet, die diesfälligen Bedenklichkeiten bei Aufnahme neuer Zöglinge zu steigern, und dieß um so mehr, als das im abgelaufenen Jahre sich ergebende Defizit von beinahe fl. 3000. — nur durch die im vorhcrgegangenen Jahre eingegangenen namhaft gemachten hochherzigen Widmungen und Spenden getilgt werden konnte. Besonders hervorzuheben sind die hochherzigen Spenden, die der Anstalt im Laufe des verflossenen Jahres durch die Munificenz edler Menschenfreunde zugekommen sind. Hierher sind zu zählen die von den Erben des seligen Freiherrn Anselm v. Rothschild zugewendete Gabe von fl. 10,000 ö. W.; ferner die Spende von fl. 1000 von der löbl. Direction der ersten österr. Sparkasse in Wien, fl. 500 von Herrn Josef Fischer, fl. 300 von Herrn Gustav A. Bansort zur Erhaltung eines Zöglinges fl. 282,32 durch eine Sammlung des Stadtrichters Herrn Julius Friedländer in Breslau, ferner das Legat der seligen Frau Charlotte Cohen geb. Weiß von fl. 500 ö. M., das Legat der seligen Frau Caroline Pollitzer von fl. 4000 Papier-Rente, das Legat des seligen Herrn Wilhelm Kuffner von fl. 100» Silber-Rente und das Legat des seligen Herrn Simon Lowy von st. 1000 Papier-Rente. Herr Edmund Roth spendete zur Capitalisirung eines Jahresbeitrages fl. 200 Papier-Rente und Frau Emma Granichstätten fl. lOo Papier- Rente. Der Catalog der Anstalt weist nach, daß sich während des Vorjahres im Institute Zöglinge befanden. Ueberdieß besuchten den sonntägigen Wiederholnngsunterricht 8 vormalige und bereits zur Erlernung von Gewerben und Handwerken untergebrachte Schüler. Entlassen wurden 9 männliche und 5 weibliche Eleven, die hier ihre vollständige Schulbildung genossen und welche sich den verschiedensten Berufssvhären zugewcndet haben. Höchst erfreulich sind die Berichte, die über die Anstelligkeit, bürgerliche Brauchbarkeit der entlassenen Zöglinge erstattet werden, wie denn auch der rege schriftliche Verkehr, welchen dieselben stets mit ihrer Pflanzstätte unterhalten, der sie ihre intellektuelle, moralische und bürgerliche Existenz verdanken, Zeugniß der lebhaftesten Dankbarkeit und des Bewußtseins ihrer erlangten Tüchtigkeit ablegt. Die Einnahmen betrugen 57,912 fl., die Ausgaben 36,017° fl. Italic n. Nom. Garibaldi äußerte sich zu seinen Freunden, er sei nach Nom gekommen, nicht sowohl um politische Ziele zu verfolgen, als vielmehr um mit dem römischen Grund und Boden sich zu beschäftigen und mit der Negulirung der Tiber. „Meine Jahre", fügte der General hinzu, „gestatten mir nicht, das Unternehmen persönlich zu leiten, doch vertraue ich auf die Mitwirkung meines Freundes Guastalla." Soweit die politischen Journale. Wir wollen nur noch hinzufügen, daß der Oberst Enrica Guastalla ein Jude und zugleich einer der intimsten Freunde Garibaldi's ist, mit dem zusammen er fast alle Feldzüge mitgemacht hat. Der röm. Korrespondent der, Unita Cattolica" speit Gift und Galle gegen die Juden und fordert das Volk auf, das Ghetto in Rom zu plündern! Da würde man sicherlich etwas recht Verlockendes vorfinden: — Elend und Fieber. Wer hätte je gedacht, daß man uns sogar das Ghetto von Rom mißgönnen würde? (Jsr. Wochenschr.) Frankreich. Paris. Auf Veranlassung des Herrn A stru c, Oberrabbiner von Brüssel, hat Frau Karl Heine,