Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 15-16 (14.4.1875)
- Date
- 1875-04-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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334 bald Mischnajoß mitlernen. Ach, wie wäre ich da so froh! Ich höre jetzt schon immer zu, wenn „die Großen" Mischnajoß lernen. Heute haben sie von einem Manne gelernt, der ein Bad genommen, obgleich ihm die Frau gestorben war; und als seine Schüler ihn fragten, wie so er das dürfe, da sagte er, er sei ein schwacher, kränklicher Mann und das Bad diene ihm zu seiner Gesundheit. Gelt, Großmamma, ich habe es gut behalten." „Ich weiß es nicht, mein Herzenskind, sagte Philippine, „Mädchen und Frauen lernen kein Michnahjoß." „„Auch keine Gemoro?"" „Nein, das ist Alles nur für Knaben und Männer." „„So, jetzt weiß ich, warum ich jeden Tag Gott dafür danke, daß ich kein Frauenzimmer geworden. Ich will Mischnajoß und Gemoro lernen. Herr Anspach sagt, ich könne ein großer Lamdon werden; das will ich auch!"" Philippine hob den Knaben empor und küßte ihn unter Freudenthränen. Da öffnete sich die Thüre. Arthur und Clothilde traten herein; ihnen folgten die andern Kinder, das Jüngste auf dem Arme der Magd. „Großmama, liebe Großmama!" riefen die Kinder und sprangen an Philippine empor und küßten ihre Hände, und auch das Kleinste streckte ihr die Aermchen entgegen. „Großmama," sagte der kleine Joseph, „wie war es doch so schön draußen im Zwinger! Wie schade, daß Du nicht bei uns warst. „Ja, liebe Mutter", bestätigte Clothilde, „die Kinder haben immerwährend bedauert, daß Du nicht mit uns gegangen warst." „Ein anderes Mal," sagte Arthur, „darfst Du nicht mehr allein zu Hause bleiben, liebe Mutter, Du bist lange genug vereinsamt gewesen." „Jetzt aber bin ich," antwortete Philippine, „eine fröhliche Mutter und Großmutter, und wenn ich auch allein bin, so bin ich doch nicht mehr vereinsamt. Ihr seid ja Alle so gut und brav und verschönt mir mein Alter." „Und könnten wir," sagte Arthur, „wohl den tausendsten Theil von dem Dir vergelten, was Du an uns gethan!" „Und kann ich," fügte Clothilde hinzu, „wohl jemals wieder gut machen, was ich an Dir verschuldet, als Du alle Deine Liebe an mich Undankbare verschwendetest?" „Sprich nicht davon," bat Philippine. „Du hast das längst wieder gut gemacht. Und nun höre Artbur, welchen Entschluß Dein Abraham heute gefaßt hat: er will ein Lamdon werden." „Das willst Du?" fragte der Vater den Knaben. „Ja, Papa," antwortete das Kind, „das will ich. „Herr Anspach hat heute gesagt, daß es nichts Schöneres und Besseres gibt als unsere Thora und daß Derjenige, der sie kennt, weise, gut und glücklich ist. Da habe ich mir vorgenommen, ein Lamdon zu werden. „Mutter," sagte Arthur herzlich, die Hand Philippinens ergreifend, „die Saat, die Du gesäet hast vor vielen Jahren, Du, ein schwaches, vereinsamtes und vielgeschmahtes und vielverspottetes Mädchen, diese Saat ist aufgegangen und wird Früchte, köstliche Früchte tragen." „Ich hoffe es, mein Sohn," sprach Philippine, ihre Thränen — Freudenthränen — trocknend. „Wahrlich, Gott hat Alles zum Guten .gelenkt; Seine Gnade hat mir Einsamen ein Haus gegründet und Ihr guten Kinder macht mich zu einer freudenreichen Mutter. A N ZEIG E N. Für den folgenden Theil ist die Redaktion nicht verantwortlich. Die sehr reichhaltigen Synagogen- und Chorgesänge von H. Ehrlich in Berkach bei Meiningen sind in 3 starken Bänden für naicr, ttrbv und dw dv zusammen zu dem äußerst billigen Preise von 2 Thlr. bis jetzt noch zu beziehen. [946. Zehn leichte nn ro^ und eine praktische Chorgesangschule, jedes von diesen beiden nur 10 Sgr