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Der Israelit · 1875-04-14 · Heft 15-16 (14.4.1875) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 15-16 (14.4.1875)
Date
1875-04-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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333 die Sonntagsfeier in England gehandhabt wird, zeigt, nach einer Mittheilung der „Staffordshire Times" die Verurtheilung eines Israeliten zu einer Geldstrafe von 20 Schilling, weil er an einem Sonntage in seinem eigenen Hause mit Karten gespielt hat. Der Denunciant war ein getaufter Jude. (Jew. Chr.) Süd-Amerika. Caracas. Wie die „Times" meldet, wurde in der Republik Venezuela eine Jude, Namens Moses Domingo, zum Präsident der Republik gewählt. Bekanntlich ist der Präsident einer Republik so viel wie König, nur daß seine Herrschaft blos 3 Jahre dauert. Feuilleton. Vereinsamt. V. Zwanzig Jahre sind seit jenem Abende verflossen, dessen Beschreibung wir am Anfänge unserer Erzählung dem Leser vorführten. Wiederum steht Philippine am Fenster und sieht das Wogen auf der lebhaften Straße unten. Sie ist auch jetzt allein, aber nicht mehr vereinsamt. Sie schaut hinab auf die Straße, weil sie die Rückkehr ihres Pflegesohnes und ihrer Pflegetochter erwartet, die mit ihren Kindern einen Spaziergang ins Freie gemacht haben. Der Pflegesohn ist Arthur und die Pflegetochter ist Clothilde. Die Ereignisse der jüngst verflossenen zwanzig Jahre ziehen an Philippinens geistigem Auge vorüber. Als Arthur genesen, war er sanft und liebreich und voll Dankbarkeit gegen die Tante, deren sorgfältiger Pflege, wie es die Aerzte ihm oft wiederholten,' das Leben verdankte. Seinem Beispiele folgte Clothilde, beide Kinder hingen bald an der Tante mit unaussprechlicher Liebe, und da Arthur es sich zur Aufgabe machte, der Tante zu lieb, die jüdischen Religionsgesetze, die ihm ganz fremd geworden waren, auf das Sorgfältigste kennen zu lernen und zu beobachten, so stand Clothilde auch darin nicht hinter ihm zurück uud bald sah sich Tante Philippine in einer beglückten, behaglichen Häuslichkeit. Die alternde Dame sing eigentlich jetzt erst an zu leben. Sie scheute aber auch kein Opfer, um für die Ausbildung der Kinder zu sorgen, und da bald darauf ein nicht in glänzenden Verhältnissen lebender Mann nach Nzog. der ein tüchtiger Talmudist war, so veranlaßte Philippine denselben, ihren Pflegesohn im Talmud zu unterrichten. Arthur machte in jeder Beziehung glänzende Fortschritt; trotzdem hatte er mehr Neigung für den'Kaufmannsstand als für den eines Gelehrtes. Seine Pflegemutter ließ ihn die Kaufmannschaft in einem christlichen Geschäfte erlernen, da kein jüdisches in N. den Lehrling an Sabbat und Feiertagen dispensiren wollte. Dann, nach Verlauf der Lehrzeit, war Arthur in die Fremde gezogen, um an großen Handelsplätzen das Geschäft gründlich kennen zu lernen; aber auch in der Ferne hatte er stets die Grundsätze bewährt, die er Anfangs der Tante zu Liebe sich angeeignet hatte, die er aber schon längst liebgewonnen nnd von deren Wahrheit er durchdrungen war. Auch Clothilde war eine fromme, brave, bescheidene Jungfrau geworden, und als Arthur aus der Fremde heimkehrte und die Cousine zu seiner Braut erkor, da war Philippinens heißester Wunsch erfüllt. Jetzt waren die Kinder, ihre Kinder schon sieben Jahre verheirathet und drei Söhne und zwei Töchter nannten Philippine „Großmama"; denn auch Arthur und Clothilde hatten schon lange nicht mehr „Tante" sondern „Mutter" zu Derjenigen gesagt, die ihnen die Eltern mehr als ersetzt hatte. Und auch in den Gemeindeverhältnissen zu N. hatte sich in jüngster Zeit Vieles zum Bessern gestaltet. Eine, wenn auch noch kleine jüdische Separatgemeinde hatte sich gebildet, die in Arthurs Thatkraft und Opferfähigkeit ihre größten Stützen fand. Der Verein war im Aufblühen begriffen, und die Zukunft des wahren, echten und unverfälschten Judenthums schien in N. gesichert zu sein. An das Alles dachte Philippine, und sie gedachte jenes Abends wieder, da sie vor zwanzig Jahren sich so überaus vereinsamt und verlassen gefühlt hatte; und gedachte des Prophetenwortes: „Also spricht Gott zu den Einsamen, die meine Sabbate halten und meine Gebote beobachten: ich werde ihnen geben, was besser ist denn Söhne und Töchter!" „D Gott, sprach Philippine, wie danke ich Dir! Wie hat sich doch an mir Deine Verheißung erfüllt! Damals fürchtete ich, daß mein Leben weder Zweck noch Nutzen habe, und jetzt." Das Wort des Psalmiften: „Em habonim smechoh, eine freudenreiche Mutter von Kindern", kam ihr in den Sinn. Da fühlte sie sich von hinten, von kleinen Händen erfaßt; es war Abraham, der älteste Sohn ihrer Pflegekinder; er war nicht mit spazieren gegangen, sondern hatte Unterricht im Hebräischen gehabt. „Großmama", rief der sechsjährige Knabe, „Herr Anspach hat mich sehr gelobt im „Chumisch". Er hat gesagt, wenn ich so fortfahre, dürfe ich

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