Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 15-16 (14.4.1875)
- Date
- 1875-04-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Abänderung resp. Aufhebung eben dieser Bestimmungen zu ersuchen. ES ist doch klar, daß ein Gesetz vom Jahre 1822 nicht das enthalten kann, was die Israeliten heute mit Fug und Recht verlangen können; die Petition wird darum so lange eingereicht werden, bis die Gründe für die „Ni ch tgeeignet-Erklärung erschöpft" sind. Das Herrenhaus, dem eine ähnliche Petition vorliegt, hat darüber noch nicht Beschluß gefaßt; vielleicht hat man dort eher Zeit, sie zu berathen. Es ist zu bedauern, daß die südischen Cultusbeamten sich so lange jene Ungleichheit gefallen lassen und nicht in corpore dagegen einkommen. Wenn Letzteres geschehen wäre, hatten wir vielleicht nicht nöthig, immer noch die Besserung von der Zukunft zu erwarten. So lange man aber noch sagt: „wir sind „nebich übel dran" und sich ruhig die Zurücksetzung gefallen läßt, wird es den Einelnen schwer werden, die Gleichstellung zu erämpfen. Daß die Steuerbefreiungen keineswegs aufgehoben werden, dafür haben wir Beweise. In dem Reichsmilitärgesetz ist noch im vorigen Jahre die Steuerbefreiung der Officiere gutgeheißen worden. Und wie die „Kölnische Zeitung" mittheilt, hat der Regierungs-Commissarius in der Gemeinde- Commission des Abgeordnetenhauses erklärt, daß die Staatsregierung auch in Zukunft gewisse Classen von Unterthanen von der Communalfteuer befreit wissen wolle, obwohl die Commission einen entgegengesetzten Beschluß gefaßt hatte. Darum fordern auch wir, was man uns nicht freiwillig geben will. (Das Einfachste wäre, wenn der Herr Petent sich mit einem Abgeordneten in Verbindung setze, damit dieser in Verbindung mit 14 Kollegen einen entsprechenden Gesetzentwurf einbrächte. — D. Red.) Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wie«. Das Wiener „Fremdenblatt" schreibt: Wenige, sehr Wenige, dürften von einem Originale zu erzählen wissen, welches bis vor Kurzem jene Herberge am Salzgries barg, welche auch den langgelockten Einwanderer aus Galizien gastlich bewirthet, und doch wäre es Werth gewesen, eine der Zierden der Ghetto-Geschichten zu bilden. Ein kleines, bewegliches Männchen, mit langem, wallendem Bart und dichten, weichselzöpfigen Haaren, im schmutzigsten Kaftan und schmierigsten ältesten „SchabbeSdeckel", ewig mit einer Kielfeder hinter dem Ohr — das war der unter dem Namen „Reb Notel" bekannte Nathan Rubinstein, seit mehr denn drei Dezennien ein lebendiges Auskunfts- und Vermittlungs-Bureau für die aus Galizien einwandernden Bettler. Er — der einmal in eine Thoraschule geguckt und dort das Geheimniß des Lesens und Schreibens sich angeeignet — schrieb ihnen Bettelbriefe, gab ihnen Adressen von Wohlthätern, wußte ihnen auf die Stunde zu sagen, wann sie beschenkt würden, auf den Kreuzer, was sie erhielten u. A. m., was Bettlern zu wissen noththut. Er vermittelte „Wittwen mit fünf Kindern" die ihnen vielleicht fehlenden vier Kinder zu ihrem eigenen fünften: verschaffte dem „Manne mit dem blinden Weibe" eben dieses blinde Weib — kurz er war der wahrste Bettlervater. Sie hingen aber auch an ihm wie... wie vielleicht nur noch an der Scheu vor Seife, und nannten ihn ihren guten Reb Notel. Und um so lieber, als er für seine doch so ersprießlichen Dienste eine wahre Lächerlichkeit als Entlohnung begehrte, nicht mehr, als er unbedingt zum Leben bedurfte. Denn gut war er, vom Herzen gut, der Reb Notel. Die Bettler werden erst jetzt, wo er gestorben, wissen, was sie an ihm besessen. Doch««, Böhmen, 5. April. Das Mazzoth- Mehl wird hier von Pilsen bezogen, Woselbstes ein gewisser Dr. Fogelftein mit einem "ueon versieht. Da dieser Dr. F. Mitglied der Augsburger Synode war, und den Mitgliedern jener Synode jede rabbinische Befähigung durch eine große Anzahl orthodoxer Rabbinen abgesprochen ist worden, so hat jener ~iEon nicht den geringsten Werth. Die Konsequenzen daraus kann wohl ein Jeder selbst ziehen. M. Italien. Rom. „Jl Vess. Jsr." glaubt, daß der Vorschlag zur Errichtung eines Rabbinerseminars in Rom große Aussicht habe, zur Ausführung zu gelangen. Das hiesige jüdische Asyl hat vom König 20t» L. und von der Nationalbank 400 L. zum Geschenk und vom Unterrichtsminister 600 L. als Subvention erhalten. Holland. Rotterdam. Große Vorbereitungen werden zur Feier des 150jährigen Bestehens der großen Synagoge in hiesiger Stadt getroffen. Der Secretär der Gemeinde bereitet eine Geschichte der jüdischen Gemeinde vor. (Jew. Chr.) England. London. Wie oft bis in's Lächerliche streng