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Der Israelit · 1875-04-14 · Heft 15-16 (14.4.1875) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 15-16 (14.4.1875)
Date
1875-04-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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330 der „Idee des Judenthums", das noch dazu den Nimbus des Denkers um ihn hüllt, und glaubt dann, mit einer leeren, inhaltslosen Redensart sich gerechtfertigt zu haben- Da es also mit dieser Behauptung nicht so sehr weit her ist. da weder Ernst nochUeberzeugung derselben zu Grunde liegt, sondern einfache Ausflucht; da selbst, auch wenn eine wirklich ernste Behauptung, eine wirkliche Ueberzeugung von der Wahrheit derselben vorhanden wäre, 'bei der modern-jüdischen Anschauungsweise von einem göttlichen Eingreifen in der Menschen Geschick, von göttlichen Vorschriften und Gesetzen, wie das Judenthum sie zu haben behauptet, keine Rede sein könne, weil das die menschliche Vernunft nicht begreife: so bleibt schließlich dieser „Idee des Judenthums", welche der Vernunft entsprungen sein soll und ihr entspreche, gegenüber den heutigen wissenschaftlichen Resultaten auch nicht eine Spur von einem Stützpunkt und nichts verbürgt ihre Wahrheit. Nimmermehr wird die Behauptung, daß Ein Gott ist und daß damit das Glaubensgebiet erschöpft sei und die Pflichten aufhören. Stand halten können den neueren Ideen, die gerade für den Vernunstgläubigen das Gefährliche und Verlockende haben, daß sie die ganze Anschauungsweise der gläubigen Welt umstoßen und scheinbar auf der rechten'Fährte sind, endlich in die bis jetzt in tiefes Dunkel gehüllte Weltentstehung und Weltenbildung Licht zu bringen und die höchste Wahrheit zu finden. Die moderne Idee hat außerdem dasUeberraschende und für den sinnlichen Menschen ungemein Verführerische, daß nach ihr der Mensch nichts anderes, als ein höher begabtes Thier ist, das, wenn es auch immer sich weiter auszubilden strebt, dieses nur seinem Naturtriebe verdankt Es fällt mit dieser neuen Lehre die große Verantwortung weg, die wir nach der alten und besonders der jüdischen Anschauung haben, die Verantwortung, welche uns gewöhnlich so lästig und drückend. Und wenn schließlich die neue Idee sich auch als falsch erweisen sollte, so, sagt man sich, war es ja nur ein verzeihlicher JrrthumU Deßhalb kann die bloße Idee nimmermehr uns das Gottesgesetz ersetzen. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen- Deutschland. Berlin. Die Schul - Deputation faßte in ihrer Sitzung vom 13. d. Mts. verschiedene Beschlüsse von weittragender Bedeutung. Zunächst wurde berichtet, daß in einer neuen Simultan-Gemeindeschulen sich eine größere Anzahl jüdischer Kinder zusammengesunden. Es erscheint daher nothwendig, einen jüdischen Lehrer anzustellen und demselben auch den jüdischen Religions-Unterricht zu übertragen. Die Schul-Deputation beschloß dem königl. Schul-Collegium einen desfallsigen Antrag zu unterbreiten. Es wird uns nun berichtet, daß Herr Dr. A. Levy, bisher an der jüd. Gemeindeschule thätig, als Lehrer angestellt worden. Wir können uns umsomehr mit der getroffenen Wahl einverstanden erklären, als Herr L. uns als gläubiger Jude bekannt ist, und nehmen wir sicher an, daß er im Lehrercollegium der städtischen Schulen das Judenthum würdig vertreten wird. (Jüd. Presse.) Colberg. Dem Auszug aus dem vom Vorstande an das Kuratorium erstatteten ersten Verwaltungs- und Kassenberichte des jüdischen Kurhospitals in Colberg für das Geschäftsjahr 1-74 entnehmen wir: Die erste Amtshandlung des Vorstandes betraf die Erwerbung eines Grundstücks für das Kurhospital. — und zwar auf Grund der Beschlüsse des ehemaligen Comitös vom 11. December 1873. Herr N. Oppenheim in Berlin hat darnach ein Grundstück auf seinen Namen für 12,800 Thlr. zur Benutzung für das Kurhospital angekauft, und dasselbe, nachdem er von Seiten des Vorstandes 5800 Thlr. als Anzahlung empfangen hatte, dem Vorstande für die Zwecke des Kürhospitals zins- und miethsfrei übergeben, auch seine Unterschrift unter dem Protokoll vom 11. December 1873 durch notariellen Akt beglaubigt. Die drei erworbenen Gebäude wurden für dir Zwecke des Kurhospitals umgebaut, ausgestattet und eingerichtet. Die Kosten des Umbaus beliefen sich nach dem Kassenabschluß auf 1798 Thlr. — 3 Pf.; die Kosten für Anschaffung der nöthigen Mobilien. Wäsche u. s. w. auf 1641 Thlr. 20 Sgr. 9 Pf. - Die vollständige Einrichtung des Betsaals wurde von Herrn Oppenheim der ünstalt geschenkt; außerdem schenkten noch andere Herren, zum Theil Mobilien, zum Theil Wäsche-Gegenstände. Die Anstalt wurde am 26. Juli c eröffnet und die öffentliche Einweihung derselben ging zwei Tage später, am 28. Juli c., vor sich. Der Vorstand empfing bei seinem Antritte aus den Händen des abtretenden Comites ein Baar- Vermögen von 8713 Thlr. 16 Sgr., in welche Summe die von Herrn Oppenheim gestifteten 2400 Thlr. für die Erhaltung zweier Kurbetten mit inbegriffen sind. — Im Ganzen erreichte durch die

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