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Der Israelit · 1875-04-14 · Heft 15-16 (14.4.1875) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 15-16 (14.4.1875)
Date
1875-04-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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323 und Gewüth, daher rührt die große gegenseitige Liebe und Zärtlichkeit in den wahrhaft jüdischen Familien — Gefühle, die untern modernen Brüdern und Schwestern bereits fremd geworden. Wahrlich, nichts Besseres können wir thun, auch für unser irdisches Glück, wie wenn wir Gott dienen und Seine Gebote beobachten. Möge es uns gestattet sein, diesen Gedanken durch ein Gleichniß klar zu machen. Ein reicher Mann, Besitzer eines großen, schönen Hauses, starb und hiiuerließ zwei Söhne, die sich in die Hinterlassenschaft ihres Vaters brüderlich theilten. Sie verkauften das Haus nicht, sondern bewohnten es gemeinsam; der Eine den rechten, der Andere den linken Flügel. Der eine Bruder sprach: Ich bin zwar ein reicher Mann, aber ich will noch reicher werden. Er etablirte ein großes Geschäft und betrieb es mit Fleiß und Umsicht. Der andere Bruder sprach: Ich habe genug für mich und die Meinen; ich will mich ausschließlich dem Thorastudium widmen, dem ich von meiner Kindheit an obgelegen. Einst, mitten im Winter, war der altere Bruder, der Kaufmann, verreist gewesen. Unterwegs war eine Axe an seinem Wagen gebrochen; er legte den Rest des Weges zu Fuß' zurück. Aber man hatte ihn zu Hause nicht mehr erwartet. Ganz erstarrt, nachdem er durch den hohen Schnee gewatet, kam er zu Hause an und fand verschlossene Thuren. Alles lag bereits im tiefsten Schlafe, nur im Studirzimmer des Bruders, der beim Lichte seiner Lampe im Talmud studirte, war noch Licht. Der Kaufmann rief dem Bruder zu. Dieser kam eilig herunter, öffnete die Thüre und führte den vor Kälte Erstarrten in sein behaglich warmes Zimmer, half ihm die schneebedeckten Kleider ausziehen, hüllte ihn in seinen eigenen, warmen Schlafrock, reichte ihm die weichen Pantoffeln, ließ sich behaglich aufs Sopha ausstrecken und holte dann die Spiritus-Kaffee-Maschine herbei, um durch den labenden Trank den Erstarrten auch von Innen zu erwärmen. Bald saßen die Brüder gemüthlich nebeneinander und schlürften den süßen Labetrunk. Da sagte der Kaufmann: „Mein frommer Bruder! Du meinst, Dir gehöre Aulom habbo? O, nein, die künftige Seligkeit gebührt mir! Du lebst ein Leben des Glückes und des Behagens schon in dieser Welt, hast keine Sorge als den „Meharscho" zu „verempfern", hast keine Mühe als Dir um Mitternacht im behaglich warmen Zimmer einen guten Kaffee zu kochen — und ich? Bedenke, wie ich mich Plagen muß bei Wind und Wetter, während lausend Sorgen und Aengste, wie sie das Geschäft mit sich bringt, mich bekümmern und belasten. Du hast Aulom Haseh, Aulom habbo gebührt mir!" „Mein lieber Bruder", entgegnete der Andere mit seinem Lächeln, „wofür mühst und kümmertl Du Dich eigentlich? Doch nur für Aulom Haseh — und wie wenig erreichst Du, wie Du selber sagst, Deinen Zweck! Und Aulom habbo, wofür Du gar nichls thust, glaubst Du beanspruchen zu dürfen?" Wir wollen mit dem Vorstehenden durchaus nicht gesagt haben, daß Jeder sich einem rein beschaulichen Leben widmen soll; wir wollen nur darauf aufmerksam gemacht haben, daß man über den Erwerb und das Ringen nach irdischem Besitz nicht den eigentlichen Zweck des Lebens außer Augen lasse. Derjenige, welcher nicht nur für des Lebens Unterhalt und Genuß strebt, sondern Lessen Hauptstrebcn es ist, Gott zu dienen und Seine heiligen Gebote zu beobachten, dem wird auch der echte, rechte, wahrhafte Genuß der Güter dieser Welt erblühen, und zufrieden und glücklich wird er Gott danken für das herrliche Loos, das Er ihm beschieden. %;u'j ü"-'y «m nox m:n u1? der uns gegeben eine Lehre der Wahrheit, der ewiges Leben in uns gepflanzt hat, dessen Vorgenuß dem wahrhaften Juden schon hinieden zu Theil wird. Zeitungsnachrichten 8? Correspondenzen. Deutschland. Mainz, ll. April. Es liegt uns die Probenummer einer neuen jüdischen Zeitschrift: „Der Israelitische Bote" vor. Dieselbe erscheint zu Bonn unter der Redaction des Herrn Moritz Baum und hat den Zweck, „hauptsächlich für das Interesse des Judenthums in den Provinzen Rheinland und Westphalen einzutreten." Wir wünschen dem von conservativen Grundsätzen geleiteten Unternehmen das beste Gelingen. Hannover. In der hiesigen jüdischen Gemeinde ist in letzter Zeit ein Kamps durchgefochten, der gedroht hat, das ganze jüdische Gemeindeleben zu erschüttern, der aber noch glücklich verlaufen ist. Es ist wohl allen Lesern dieses geschätzten Blattes aus früheren Nachrichten, die rn dieser Zeitung veröffentlicht worden, bekannt, wie die hiesige Religionsschule tief gesunken war. Der Schulbesuch nahm allmählich ab. manche Eltern, denen noch am Herzen lag, ihren Kindern Religionsunterricht er-

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