Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1875-04-14 · Heft 15-16 (14.4.1875) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 15-16 (14.4.1875)
Date
1875-04-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447603-2447617--11447-2467232
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

S25 Oesterr.-Ungar. Monarchie. Szered, a. d. Waag, 16. März. Ans de« hiesigen Orte and der Umgegend dringt anr selten oder gar nicht eine Nachricht in Ihre geschätzte Zeitschrift. Und sollte doch von einer orthodoxen Gegend vor excellence in einem eminent traditionelle« Blatte öfter etwas verlanten. Bon der Voraussetzung daher ausgehend, daß Ihnen, geehrter Herr Redacteur, Berichte über die getreue Judenschaft intereffirende Vorgänge nicht »nangehm sein werden, erlaube ich mir Ihnen solche zur Verfügung zu stellen. Mit Gegenwärtigem gestatten Sie mir die Freude zum Ausdrucke zu bringen, die hier jeder wahre Jehudi empfindet ob des überraschenden Entschlusses unseres Herrn Rabbinerin der Aufaahmsaffaire Seitens der Papaar Gemeinde. Wie Ihnen uud den freundliche« Leser« diese- Blatteaus einer Pesther Correspondenz i« Nr. 6 d. Bl. noch erinnerlich sein dürfte, erhielt unser hochgeehrter Herr Rabbiner Moritz Fn ch - eine ehrenvolle Bocation auf den Papaar Rabbinatsposten. Ich fühle mich nicht berufen, bin auch nicht in der Lage, anzugeben, welche Gründe den Herm Rabbiner für oder wider die Annahme des dortigen GeelforgeramteS leiteten; genug» er hat sich für das Hierbleiben entschlossen. Abgesehen davon, daß er dadurch die Manen seiner uns unvergeßlichen Vaters ehrt, der «ehr als 3 Decennien hier als Rabbiner wirkte, darf stch audererfeitS die Gemeinde zu dem Entfchluffe unseres Rabbiners nur gratuliren. Alle seine glänzenden Eigenschaften die er im reichlichen Maße befitzt, auszuzähleu, dazu ist eine Feder zu schwach; un Kurzen swill ich jedoch sagen, was die Gemeinde in ihm besitzt und was sie im Falle seine» Weggehenin ihm verloren hätte. Mit seiner über aller Kritik erhabenenGelehrsamkeit auf talmudischem Gebiete, die.wie hier männiglich bekannt, der verstorbene Preßburger Rabbiner -"»"r Sohn dev"a ^siv ovn, rühmend anerkannte, verbindet unser Herr Rabbiner, ungeachtet seiner Jugend, eia solch immenses profane» Wissen wie selten anzutreffen. Dadurch und besonder» durch seine liebenswürdige Bescheidenheit und verständnißvolle Auffassung der Verhältnisse bildet er nicht nur gewiffermaffen den Kitt, welcher noch eine kleine Fraktion Reformmänner an den großen Kern der Gemeinde hält, sondern verschafft auch durch die Vertretung der Gemeinde nach außen hin im Verkehre mit der Behörde re. der ersteren alle Ehre. Bon noch besonderer Wichtigkeit und weittragender Bedeutung ist sein Verbleiben für die hiesige Schule. Unter seiner Aegide (als Präses der Schulcommisfion) nahm die Schule einen rapiden Aufschwung. Me ist e» den« ander» möglich, da er ja auch die Pädagogik zu seinem LiebliugSstudium macht; wahrscheinlich von der Erfahrung ausgehend: na"pn na i7vav 'rvv «d« vHwn' nain *6. Bei solchem Eifer für eine heilige Sache ist es vorauszusehen, daß die Schule, diese Pflanzstätte de» Judenthum- und de-Wissens, unter seiner Leitung zu einer schönen Blüthe gelangen wird und e» wäre nur zu wünschen, daß jede jüdische Gemeinde einen solchen Rabbiner aufzuweisen habe, der seinen Beruf auch in diesem Sinne richtig zu erfaffen vermag. Schließlich sei noch etwas über einen jungen Verein berichtet. Bon der Initiative einiger hochherzigen Damen ausgegangen, hat sich hier vor einem Jahre ein Fraueu-Berein constituirt. Es wurde schon viel de» Guten und Nothlindernden gestiftet aber leider, es zeigt sich schon von Seite der Mitglieder bezüglich diese- Vereine» eine große Indifferenz. Die traurigen Ursachen hiervon naher zu beleuchten, müssen Sie mir erlassen; ich hoffe, diese Anregung wird genügen, um da» zu erstrebende Gute auf*» Neue in'S Leben zu rufen. P-fth, s. April. Der ruhige sachliche Verlauf der parlamentarischen Behandlungen erfuhr heute eine mehr als einstündige Unterbrechung durch die bereit-vor längerer Zeit angekündigte Interpellation des Abgeordnete» J-toczy in der Judenfrage. J-toczy gehört fett drei Jahren dem Parlamente an, ohne bisher auch nur mit Einem Worte ein Dafein bemerkbar gemacht zu haben. Der Rumer Bezirk deintelligenten Eifenburger ComitatS konnte stolz auf seinen Vertreter blicken, der wol nickt zu den Korphäen deS Hausegehörte, seinen Bezirk jedoch noch nie blamirt hatte. In der letzten Zeit war Zstoczy wol mit Rücksicht auf die heranrückenden Neuwahlen ein ganz Anderer geworden; er beschäftigte sich mit allen möglichen Dingen und kam endlich, wahrscheinlich angeregt von den Debatten über die Wucherfrage und den zur Quartalzeit erschienenen Artikeln de- Herrn Csernatonh, auf die Juden. Bor einigen Wochen ließ er eine Broschüre vom Stapel laufen, welche eine recht schlechte Uebersetzung einiger Capitel audem Dume-nil-Marigny'schen Buche find, und versprach auch, die Regierung über die Frage zu interpelliren. Heute löste er sein Wort und hielt eine einstündige Rede über die Stellung der Juden im Lande, in der Gesellschaft. Die Juden, sagte er, bilden eine mächtige Kaste, eineu mächtigen, die ganze Welt umfaffenden Bund, welcher nach nichts Geringerem strebt, als nach der Unterdrückung der übrigen Religionen, nach der Weltherrschaft, nach dem Panjudai-muS. Sie ziehen mit den ihnen eigenen Fähigkeiten die größten Reichthümer an sich, vermehren die Ungleichheiten in den Bermögen-verhältnissen, schaffen ein! Proletariat. Der Judai-muverbindet sich mit der„Jn- ' ternationale" und mit dem Ultramontanismus. Die Welt : ahnt bereits die Gefahr und beginnt Schutzmaßregeln zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.