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Der Israelit · 1875-04-14 · Heft 15-16 (14.4.1875) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 15-16 (14.4.1875)
Date
1875-04-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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324 thrilen zu kaffen, mußten sich mit dem Unterricht junger Männer begnügen, die sich hier auf dem Seminar zu Lehrern ausbilden. ES ist selbstverständlich, daß solche junge Leute noch nicht im Stande sind, etwas Gediegenes zu leisten. Wenn eS noch so einige Jahre fortgegangen wäre, so wäre die jüdische Religion bei den Meisten nur noch dem Namen nach bekannt geblieben, aber der Energie und Ausdauer einiger Männer haben wir eS zu verdanken, daß es Gottlob sich zum Bessern geändert hat. Vor Allem hat der bekannte wackere Kämpfer für Erhaltung alle- Religiösen, Herr Jsaac Hirsch, Sohn des berühmten Rabbiners Hirsch in Frankfurt a. M., neun Jahre ohne Unterlaß sich bemüht, die Repräsentanten dafür zu gewinnen die Uebel zu beseitigen, und seine Mühe war nicht vergebens. Das Repräsentanten-Collegium hatte beschlossen den alten Leiter der Schule mit vollem Gehalte zu entlassen und neue Kräfte heranzuziehen. ES ist ihm auch gelungen, einen tüchtigen und treuen Lehrer zu finden in dem Herrn Dr. Heinemann, früherem Lehrer in Copenhagen und in Hamburg, der zu den besten Hoffnungen für die Zukunft berechtigt. Zwei Jahre sind jetzt kaum vergangen, seitdem die Schule neu organistrt und man findet schon bei den Kindern eine ganz andere Anschauung von Religion, als es bis dahin der Fall war, und wir sind überzeugt, wenn eS Hrn. Dr. H gelingt, zwanzig Jahre so fortzufahren, daß ein ganz anderer jüdischer Geist in der hiesigen Gemeinde herrschen wird. Da die Zahl der Schüler durch die neue Einrichtung sich vergrößert und überhaupt die Zahl der Gemeindemitglieder durch den freien Zuzug zugenommen hat, so stellte sich heraus, daß die Räume des jetzigen Schullokal» unzureichend sind. Aus diesem und noch mehreren triftigen Gründe», die darauf hinzielten, die Religionsschule in dem jetzigen Zustande zu erhalten, beantragte die Schulcommission beim Repräsentanten-Collegium aus der Gemeiudekaffe ein neues Schulgebäude aufzurichten, was auch einstimmig bewilligt wurde. Der Landrabbiner Dr. Meyer, der bei der Schulcommiffio» den Vorsitz führte, beging die Unvorsichtigkeit zu äußern, er möchte nicht gern der Gemeinde, die schon so viele Lasten zu tragen hat — der Chor und Chasan kosten der Gemeinde über 9009 M. — noch eine Ausgabe von 1800 M. jährlich auferlegen. Ein Theil der Gemeinde, der dem Judenthum ganz entfremdet und bei dem das Interesse für jüdische Religion gnz geschwunden, benutzte die Aeußerung des Rabbiners, um Agitation in der Gemeinde wach zu rufen und gegen den Beschluß des Repräsentanten-CollegiumS zu protestiren. Leider müssen wir unser Bedauern aussprechen, daß auch einige frommen Leute, von denen man erwarten sollte, daß sie daS Jüdische befördern, auch lediglich auS Oppositionsgeist gegen den Vorstand sich der Agitation angeschloffen, ohne zu bedenken, welche uachtheilige Folgen daS haben könnte. Die Aufregung unter den Gemeindemitglieder« war sehr groß und der Vorstand sah sich genöthigt, au die Gemeinde zu appelliren und eine Gemeindeversammlung zu berufen. Viele der Gegner des neuen Baues scheuten sich, öffentlich dagegen zu stimmen und erschienen nicht in der Versammlung, so daß kaum die kleine Zahl von 50 Personen in der Opposition geblieben und der Schulbau von einer starken Majorität genehmigt wurde. Hoffen wir, daß eS der Gemeinde zum Heil und Segen gereichen wird. Leipzig, 11. April. Wagners telegraphisches Correspondenzbureau.meldet: „Der heute stattgefundene deutsch-israel. Gemeindetag l 2 3 4) beschloß an dapreußische Ministeriuw und den preußischen Landtag eine Resolution des Inhalts zu richten, daß es in dem Judenthum verschiedene Confessionea N'cht gebe, 2) darum die auf Trennung von den Gemeinden auS confessionellen Bedenken gerichtete« Bestrebungen ungerechtfertigt und nur ein Vorwand für die Indifferenten, *) sich von der Gemeinde zu trennen seien. Die gesetzliche Sanktion der Trennung würde den Ruin der Gemeinden herbeiführen/) das etwaige Vorgehen Preußens nach dieser Richtung aber für alle deutschen Staaten maßgebend sein. 5 6) Die Aufhebung des Gemeindezwanges sei eine Verletzung der Gleichberechtigung der Confesstonen, so lange der Parochial;wang aufrecht erhalten würdet- Die Einheit der Gemeinden sei in jedem Falle aufrecht zu erhalten und den berechtigten Bestrebungen der Minoritäten Rechnung zu tragen durch Ueberlaffung entsprechender Quoten ihrer Gemeinde-Beitrage zu ihren besonderen ritualen Zwecken. 7) 1) Anm. der Red.: Man weiß, baß der sogenannte Gemeindebund fast ausschließlich der extremen neologen Richtung angehort. 2) Haben die Sabbat-Entweiher, die weder an Gott noch an Unsterblichkeit glauben, dasselbe Bekenntnis (Confesston) wie wir? 3) Nicht von den Indifferenten, sondern von der Orthodoxie ist die Bewegung ausgegangen. 4) Das wird nicht der Fall sein. 5) DaS wünschen die deutschen, nichtpreußischen Juden in der That. 6) Blühender Unsinn! 7) Das würde der Beginn nie aufhörender Zwistigkeiten

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