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Der Israelit · 1875-04-14 · Heft 15-16 (14.4.1875) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 15-16 (14.4.1875)
Date
1875-04-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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327 Rußla n d. Mititlt, (Kurland.) Ein seltener religiöser Act, der für den Leserkreis dieses gesch. Blattes von Jntereffe sein dürste, ist hier neulich in einem Gotteshause feierlich vollzogen worden. Der Besitzer der Friedlib'schen Synagoge, Herr S. Friedlib, der sich bisher von den Ansichten und Grundsätzen der sogenannten Neuzeit hat leiten lasten, ist nunmehr von religiösem Geiste beseelt worden, und bar die Anordnung getroffen, daß die beim vor einigen J.ihien stattgehabten Umbau dieser Synagoge dem ich"“ angeschloffene no’D, der religiösen Vorschrift gemäß, in der Mitte der Synagoge ausgestellt werde. Zu der am Abend des '3p -piNi"ü —dem Sterbetag der Gemahlin des Besitzers — festgestellten Einweihung der nv'I fand sich ein zahlreiches Publikum ein; die Synagoge war feierlich beleuchtet. Nach dem 2'->pi2 Abendgebet hielt der hiesige Rabbinatsgehülfe eine rührende Ansprache an den Herrn Friedlib, anknüpfend an die Worte no dn ’D nr ptt, worauf der letztere mit Thränen in den Augen das Versprechen gab, dahin Maßregeln zu treffen, daß auch nach seinem Ableben keine Aenderungen in der Synagoge stattfinden sollen.Nachdem die ganze Versammlung dem Herrn F. für diese gottesgefällige Handlung einen Segensspruch dargebracht hatte, schloß die Feier. SPtit&Us □“TiN h"d. Eine jüdische Familie ist dahier in der - vorigen Woche von einem schrecklichen Vorfall betroffen worden; eine von „Ferniz" enstandene Explosion hat sich der zur Zeit dort - anwesenden sechs Personen im Nu bemächtigt, daß sie nicht mehr von der Stelle -zu gehen vermochten. Der herbeigeeilten Löschmannschaft gelang es durch große Mühe dieselben kaum mit dem Leben von dem furchtbaren Elemente zu entreißen. Die Verunglückten trugen sehr gefährliche Brandwunden davon. Möge sich der allgütigste Vater ihrer erbarmen und ihnen senden eine nNiS")-!- A. N. Feuilleton* Vereinsamt. IV. ' Adolph Wageners Frau, die schon seit langer Zeit kränkelte, ist gestorben. Während der kleine Arthur sich ganz seinem Schmerze hingab, schien Herrn Wagener eine stumpfe Gleichgiltigkeit erfaßt [ zu haben. Theilnahmlos sah er seine Frau sterben, theilnahmlos ließ er die Vorbereitungen zum Leichen- | begängnifse treffen, theilnahmlos folgte er der Bahre, keine Thrane netzte fein Auge, während der Trauerrede, die der Prediger fo ergreifend sprach: Als er nach Hause kam, zündete er sich eine Cigarre an und schrieb einen Brief. Dann rief er seinen Sohn. „Arthur", sagte er, „ich muß auf einige Tage verreisen. Nimm diesen Brief und bringe ihn morgen der Tante Philippine. Aber ja nicht früher als morgen?" „Du willst mich allein lassen, Vater?" fragte der Knabe, und Thränen füllten seine Augen. „Ich muß", antwortete Herr Wagener seufzend. Plötzlich begann die Eiskruste,' die fein Herz zu umgeben schien, zu schmelzen. Er umarmte sein Kind und küßte es. „Lebe wohl, mein Arthur", sprach er weinend, „möge Gott Dich glücklicher werden lassen als es Dein Vater geworden." Dann ließ er sich eine Droschke holen und fuhr nach dem Bahnhofe. Gehorsam überbrachte Arthur am anderen Tage den Brief der Tante. Diese erbrach ihn und las: Schwester Philippine! „Verzeihe mir zuvörderst all das Herzeleid, das ich Dir angethan, als wir noch zusammen im Elternhause weilten. Wir haben alle sehr unrecht an Dir gehandelt; Du aber bist edel und gut. Ich stehe im Begriffe zu verreisen, um nicht wieder zurückzukehren. Meine Vermögensverhältnisse sind zerrüttet, und nur mit Mühe ist es mir gelungen bis zum Tode meiner Frau mein Schiff über dem Wasser zu halten. Gott weiß, welche Mühe mir das gekostet hat! Allein, ich wollte nicht, daß die Aermste den Fall meines Hauses erlebe; sie ist entschlafen in dem Bewußtsein, daß die Zukunft ihres Kindes eine gesicherte sei. Diese Zukunft, Schwester, vertraue ich Dir an! Erbarme Dich des elternlosen Knaben wie Du Dich der jTochter Georginens erbarmt hast. Wohl weiß ich, welche Last Du bereits übernommen und wie die Welt Dich auch hier wieder verkennt. Und nun füge ich zu der alten Last noch eine neue, vielleicht noch schwierigere hinzu! Allein, ich kann nicht anders. Laß meinen Knaben diesen Brief später lesen; er ist verständig und wird sich bemühen, Dir Freude zu machen! Thue ihn in keine Erziehungsanstalt; erziehe ihn selbst. Vielleicht gelingt es Dir, einen edlen Menschen uud guten Juden aus ihm zu machen! Wie fehlt mir doch die Stütze der Religion in dieser schweren Zeit! Möge Gott mir verzeihen, und weihe auch Du mir eine Thräne des

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