Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 15-16 (14.4.1875)
- Date
- 1875-04-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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826 treffen. Die Juden haben sich der Journalistik bemächtigt, in welcher jeder Angriff gegen den Judaismus oder gegen ein einzelnes Mitglied desselben in tausenstimmigen Chorus niedergeschrien wird. Sie sind exclusiv und bilden die furchtbarste der Aristokratien, die Pluto-Aristokratie. Die' Juden heucheln Liberalismus, sind aber sehr couservativ. Redner will jedoch keine Judenverfolgung anempfehlen, weil dieselbe nicht zum Ziele führe. Zum Schlüsse stellt er folgende Interpellation an das Gesammt-Ministerium: 1. Hat es die Absicht, durch Einbringung des von den bisherigen Negierungen bei mehreren Gelegenheiten versprochenen, bis jetzt aber noch immer nicht eingeführtcn, das Jncolat regelnden Gesetzentwurfes der Einwanderung der vom Auslande kommenden, Ungarn überschwemmenden Juden einen Damm entgegenzusetzen? 2. Würde die Regierung einer auf socialem Gebiete gegen diese aggressive Kaste seitens der nicht jüdischen Elemente eventuell zu unternehmenden friedlichen Bewegung zur Selbstvertheidigung Hinderntffe in den Weg legen? 3. Gedenkt sie überhaupt dieser Frage gegenüber einen entschiedenen Standpunkt einzuuchmen oder ihre bisher durch die seit Ertheilung der Emancipation im Staatsleben und auf dem Gebiete der öffentlichen Verwaltung aufgetauchten Erscheinungen nicht gerechtfertigte vollständige Neutralität und gteichgiltige Politik auch fortzusetzen? Das Haus war von dieser Interpellation und der sie begleitenden Jntroduction überrascht und hörte den Redner wohl mit gespannter Aufmerksamkeit, jedoch verwundert an. Aehnliches wurde im ungarischen Parlamente noch nicht geboten, nnd der Mann steht wohl mit seiner offenen Feindschaft gegen dieJuden und seiner Gespenstersurcht Die Interpellation wird der Regierung zugestellt und damit der wohlverdienten Vergessenheit anheimfallen, denn es verlohnt wohl nicht der Mühe, auf die Auswüchse eines schwach gewordenen Menschengehirnes, wenn man ihnen nicht sofort die gebührende Abfertigung zu Theil werden ließ, noch zu antworten. Tie Schaffung einer Juden- Querel fehlt noch dem ohnedies mit ungelösten Fragen reich gesegneten Lande. (N. fr. Presse.) Prag, iul März. Ihr geschätztes Blatt erfreut sich hier eines bedeutenden Leserkreises, so daß ein in demselben veröffentlichter Appell gegen den überhand ^nehmenden Jndifferentismus nur von Erfolg gekrönt sein kann: Die Signatur unserer Zustände läßt sich in dem Satze zusammenfassen: „Man läßt alles gehen, wie's eben geht." Weder jene, welche durch die Wahl ihrer Mitbürger Ehrenstellen erlangen, und durch deren Annahme sich zu einer Leistung verpflichten, — noch jene, welche es sich zum Lebensberuse gemacht, Lehrer ihrer Religion zu sein, treten diesem Uebelstande entgegen. Vor allem muß ich darauf Hinweisen, daß weder für die religiöse Fortbildnng des Lehrnoch Nährstandes etwas geschieht. In keiner Weise wird für einen Nachwuchs an Rabbinern und jüdischen Lehrern vorgesorgt, und sind in diesem Bestreben sowohl die Cultusals auch die Landesrepräsentanz vollständig einig. Wohl haben die Herren, die in der hiesigen Cultusrepräsentanz das große Wort führen, trotzdem sie, wenn man es sagen kann, die Leiter des religiösen Jndifferentismus sind, dem Drängen ihrer jüdisch denkenden Collegen nachgegeben und haben vor einigen Jahren eine Lehrstätte für Rabbinatscandidaten errichtet, gaben aber ihrer neuen Schöpfung durch die Wahl des Lehrkörpers den Todeskeim mit. Hinmit glauben sie ihrer Pflicht vollkommen Genüge gethan zu haben, und ertheilt das Präsidium der Cultusrepräsentanz auf Grundlage von Gymnasialmaturitätszeugnissen das Recht, jüdischen Religionsunterricht zu ertheilen. Einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Umständen zu finden, ist wahrscheinlich nur höheren Geistern möglich. Daß die Landesrepräsentanz sich für die Aufhebung der Kreisrabbinate ausgesprochen hat, haben Sie bereits mitgetheilt, waren aber leider nicht in der Lage, mitlheilen zu 'tonnen, welche Organisation an deren Stelle empfohlen wird, weil, — nun weil die Landesrepräsentanz sich wohl zum Einreißen, aber nicht zum Aufbauen berufen fühlt. Ich will die Institution der Kreisrabbinate nicht in Schutz nehmen, aber an deren Stelle muß etwas Anderes gesetzt werden, soll der religiöse Sinn nicht ganz aussterben, und da ist die Landesrepräsentanz das einzige Organ, welches eine Regelung dieser Angelegenheit anbahnen sollte und könnte. Sie könnte den Cultusgemeinden einen Plan vvrlegen, und das auf Grund oeren Begutachtung zu Stande gekommene Schlußelaborat der eudgiltigen Lösung zuführen. Dann möchte auch die religiöse Erziehung der Jugend nicht so im Argen liegen wie jetzt. Es klingt unglaublich, und ist doch wahr, daß große und reiche Gemeinden, wie beispielsweise das knapp vor den Thoren Prags gelegene „Lieben" auch nicht im Geringsten für die religiöse Jugenderziehung sorgen. Um die Schulen dem Einflüsse des katholischen Clerus zu entziehen, kennt das Schulgesetz keine confessionellen Schulen, gestattet aber jeder Confession an den unter staatlicher Aussicht stehenden Schulen für den Religionsunterricht ihrer Glaubensgenossen zu sorgen, und wahrt einer jeden Religionsgenoffenschaft das Recht einer entsprechenden Vertretung im Gemeinde-Bezirks- und Landesschulrath. Die jüdischen Gemeinden haben sich den Einfluß auf die Schulbildung entziehen lassen, ohne auch nur das Wenige, was zu leisten übrig blieb, wirklich zu leisten. Und der Vertreter des Judenthums im-Landesschulrath? Derselbe, der eine hervorragende RoÄl^im politischnationalen Leben unseres Baterlandes einmmmt, unterstützt das Bestreben, mit Hilfe der Juden, nationale Schulen zu errichten, für die Organisation des jüdischen Religionsunterrichtes wurde aber bisher nichts gethan. Gott bessers!