Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1875)
- Date
- 1875-03-31
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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288 schaft einer ehrenhaften jüdischen Familie, welche den Segen eigener Kinder entbehrt, Aufnahme gefunden hat. In Stelle dieser Entlassenen sind aber wiederum 2 andere sehr hilfsbedürftige Kinder ausgenommen worden. Sämmtliche Zöglinge, bis auf einen Knaben, welcher noch nicht schulpflichtig ist, genießen einen sehr guten Unterricht, die Knaben in der seit dem j Vorjahre neueingerichteten städtischen Mittelschule; die Mädchen Ln der ebenfalls vorzüglich geleiteten Mädchenschule. Die Fortschritte derselben sind in jeder Beziehung zufriedenstellend. Der Religionsunterricht wird durch den dortigen Cultusbeamten in genügender Weise ertheilt.! ' Die Einnahmen betrugen 3396 Thlr., die AuSj gaben 2752 Thlr. j Schweiz. | emgarten. Die vor einiger Zeit in j Ihrem geschätzten Blatte gebrachte Mittheilung, > wonach der Rector der hiesigen Bezirksschule Schuld an dem dahier ausgeübten Religionszwang sei, ist dahin zurechtzustellen, daß der Rector nur im Aufträge der hiesigen intoleranten Schulpflege handelt und amtlich gleichsam dazu gezwungen ist; wenn es auf die persönliche Meinung des Rectors i ankäme, würden die israelitischen Kinder niemals | roi? ^no sein müssen. 1 B. Taube, Religionslehrer. Afrika. Algier. In Algier besteht eine Gesellschaft, die alljährlich.Diejenigen durch Diplome und Orden auszeichnet, welche mit Lebensgefahr ein oder mehrere Menschenleben gerettet. Bei der diesjährigen Feier wurde besonders der eingeborene Israelit Jacob JalS, dem es gelungen.'17 Menschen zu retten, belobend hervorgehoben. Er empfing den Orden und das Diplom der Gesellschaft. (Arch. JSr.) Feuilleton. Jerusalem tut) die dortige» Deutsche». Berlin, 19. März. Am Mittwoch Abend hielt Herr Dr. Kersten in der Afrikanischen Gesellschaft einen Vortrag über „Jerusalem und die dortigen Deutschen". Ein mehrjähriger Aufenthalt daselbst hatte den Vortragenden mit allen Einrichtungen, Gewohnheiten und Gebräuchen der Bevölkerung sowohl wie mit allen Eigenthümlichkeiten der alten Stadt bekannt gemacht Bei der riesigen Fülle von Material, das der Vortragende zu berühren hatte, vermochte er seinen Zuhörern nur Skizzen vorzuführen, die aber für die Beurtheilung der Verhältnisse genügen konnten. Jerusalem ist heute noch eine heilige Stadt, d. h. eine Stadt, nach welcher Millionen frommer Menschen mit Sehnsucht und Andacht blicken, deren Namen mit Verehrung genannt wird. Muhamedaner, Juden und Christen wallfahren dahin, um an heiligen Stätten zu beten. Der Berg Moriah und Hebron sind dem Türken und Araber nicht minder heilig wie dem Hebräer, oder der Oelberg dem Christen. Die Moslem glauben, Mohamed sei in Jerusalem gewesen und habe dort an dem altberühmten Altar, an welchem Abraham gebetet haben soll, als Gott von diesem das Opfer seines Sohnes verlangte, seine Andacht verrichtet. Jerusalem hat eine ganz eigenthümliche Lage; man würde, selbst wenn keine alten Baulichkeiten vorhanden wären, doch noch die ehemalige große Stadt erkennen, deren Lage eine zu günstige war, um nicht bedeutungsvoll zü sein. Auf einem von Osten gen Süden ziehenden Vorsprung des Kalkplateaus gelegen, sich auf der andern Seite in's Thal senkend, war die Stadt ebenso leicht zu befestigen als zu vertheidigen. Heute noch kann man die Berge Zion und Moriah erkennen, wenn auch die Thaler dazwischen fast ganz mit Schutt ausgefüllt sind. Das Clima von Jerusalem ist sehr günstig; die Stadt liegt 2500 Fuß über dem Meeresspiegel und die Hitze ist meistens nicht stärker als bei uns. Nur äußerst selten steigt sie bis 27 Grad Reaumur, fällt aber nie so tief wie bei uns. Es ist daher nicht zu verwundern, daß Jerusalem und seine Umgebung reich an Naturprodukten aller Art ist, und namentlich ausgezeichnete Gemüse daselbst gedeihen. In dem Kalkplateau finden sich Stellen, an denen die fruchtbarste Erde lagert, die wie die Plätze im Thale an jene Zeiten erinnern, in welchen das J ganze Land ein wahrhaft „gelobtes" genannt werden durste. Die ersten Früchte und Gemüse des I Jahres kommen stets nach Jerusalem; zunächst ist es die wärmere, am Todten Meere gelegene Gegend, welche ihren Boden-Ertrag nach der heiligen Stadt sendet; dann kommen die Dörfer, welche rings um die Stadt sich ausdehnen, und sind auch die Erträgnisse dieser Ortschaften aufgezehrt, so lebt Jerusalem von dem, was es selbst producirt. Der Aufenthalt in der Stadt ist sehr angenehm; der Gesundheitszustand ein guter, die Fieber, welche Vorkommen, sind nicht gefährlich. Wer nicht gerade in den untersten Quartieren lebt, kann jahrlang sich in Jerusalem aufhalten, ohne an seiner Gesundheit Schaden zu nehmen. Die Zahl der Einwohner belauft sich auf