Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1875)
- Date
- 1875-03-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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286 an deren Spitze die Anerkennung Gottes steht, beobachten würde, dann erfüllt sie vollständig ihre Aufgabe. Die Menschheit hätte in dieser Anerkennung ihr Verhältnis zu Gott, also ihren Zweck und ihre Aufgabe erfaßt; mit der reinen Gottesidee hätte sie den Standpunkt eingenommen, der allein des Menschen würdig ist. Sicherlich hätte auch der Jude, vom allgemeinen Standpunkte aus betrachtet, seine Aufgabe, so gut wie die übrigen Menschen, ohne weitere und speciellere Gebote, durch die sieben noachidischen Gebote erfüllen können. Wenn wir aber sehen, daß die jüdische Religion, die für ihre Bekenner so viele Gesetze hat, gerade es ist, welche für die Gesammtmenschheit diese sieben Gebote aufstellt und bei Befolgung derselben ihr den berechtigtsten Anspruch auf ein künftiges Leben des unsagbarsten reinsten Glückes und der hehrsten Freude 'zuerkennt, so muß sich doch gewiß uns die Frage aufdrängen — und wiederum möchten wir den Gegnern des jüdischen Gesetzes dieselbe ihrer Beachtung und ihrem Nachdenken empfehlen —: Was mag wohl der Grund dieser ausfallenden, einzig dastehenden Erscheinung sein? Ferner ist zu erwägen, daß all diese jüdischen Gesetze nicht darauf hinauslaufen, dem jüdischen Volke einen gewöhnlichen Vorzug vor der übrigen Menschheit zu verschaffen: nicht Herrschaft, nicht Ruhm, nicht Vergrößerung des Landes, bezwecken sie, sondern sie zielen nur dahin, ihm seine Eigenart zu bewahren und zu beschützen, die nämlich, ein Gottesvolk zu sein, ein Volk, das sich zur Lebensaufgabe gestellt hat, den reinen Gottesbegriff für alle Geschlechter zu erhalten. Das ist wohl die einzige Ursache des jüdischen Gesetzes, und aus diesem Grunde ist keinS seiner Gebote, und wenn sie noch so sonderbar, noch so schwer, noch so unbegreiflich und, wie man behauptet, unmöglich sein sollten, für überflüssig und nicht mehr verbindend zu erklären. Jedenfalls aber, sollte man meinen, müßte dieser Grund, der doch nicht so fern liegt, daß nicht Jeder bei nur ein wenig Kenntniß der jüdischen Religion ihn auffinden könnte, die jüdischen Gesetze wenigstens vor solcher Verunglimpfung und Geringschätzung bewahren, wie. wir sie heute leider so vielfältig von unserem eigenen Fleisch und Blut zu erfahre:: haben. Es laßt sich nicht läugnen, daß das jüdische Volk diese seine Ausgabe voll erfaßt und sich stets bestrebt hat, sie auch zu erfüllen. Nicht ein Volk des Alterthums konnte sich trotz Macht und Größe und Bildung zur reinen Gottesidee hinanschwingen, und auch die neueren Völker, die jüngeren Gottesanschauungen, die aus der jüdischen Gottesidee sich abgezweigt, haben diesen Begriff nicht in der vollendeten Reinheit und Form wie das Judenthum. Sie alle schließen die übrige Menschheit aus, und wenn dieselbe in der reinsten Form die Einheit Gottes anerkennen würde, weil nur die Form, wie sie die Gottesidee zum Ausdruck bringen, die einzig wahre sei. Deßhalb, wenn auch die Menschheit Gott als den Schöpfer des Weltalls betrachten und nach Vollkommenheit ringen würde, wäre nach diesen Anschauungen die Menschheit ausgeschlossen vom jenseitigen Leben. Das Judenthum aber sagt nur, daß die übrigen Menschen keine Juden seien, aber nichtsdestoweniger ihre Aufgabe vollständig erfassen und in der Anerkennung des Einen Gottes ihren Zweck erfüllen. Es sagt nicht, daß man Jude sein müsse, sondern, daß Diejenigen, die als Juden geboren und darum dem Judenthume angehören, sich den jüdischen Gesetzen fügen und unterordnen müssen. Wir wiederholen hier' die Frage, warum wohl das Judenthum diese merkwürdige Ausnahme mit sich selbst mache, während es der ganzen übrigen Menschheit eine so große Freiheit gestattet? (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten & Correfpondenzen. Deutschland. MF“ Mainz, 26. März. Wir haben heute wiederum zum Besten der Armen, Nothleidenden, Wittwen, Waisen rc. im heiligen Lande sowie zum Besten des neu zu begründenden Hospitals in Jerusalem die Summe von 5710 M. 95 Pf. an das Central-Comitö zu Amsterdam geschickt. Die Summe der in diesem Jahre von uns zu obigen Zwecken gesammelten und übersandten Geldern beträgt demnach 10,998 M. 95 Pf. Aus Baden. In Nr. 11 der Allg. Zeitung des Judenthums läßt sich deren Redacteur in einem Artikel aus Berlin wieder einmal ein Lobrede dafür halten, daß er sich so wenig auf die von orthodoxer Seite ihm gewidmeten Schmähungen rc. einläßt, dieselben vielmehr keiner Antwort würdigt! Daß Herr Philippson manchmal schweigt, ist wahr, eben so wahr, als daß er sich von Zeit zu Zeit Anerkennungs-Correspondenzen senden läßt; Das gehört zur Demuth großer Männer, und würde auch keiner weiteren Beachtung unsererseits gewidmet worden sein. Allein zu constatiren ist hierbei, daß jener Correspondent, und selbstverständlich gleichzeitig der verantwortliche Redacteur, N'L'22 sind! Wenn der Messias, so heißt es dort,