Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1875)
- Date
- 1875-03-24
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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273 Mitglieds, selbst der Adaß Jisroel, berathen und leiten. i'vrovIw yaon b*. Durch diesen nicht zu unterschätzenden Umstand ist jedes Gemeindemitglied einer wichtigen Sorge enthoben, ohne daß die Adaß Jisroel sich damit zu befassen hat. Die Aufgabe dieses Vereins ist zunächst nur das Gebet, dessen Reform während der owna L'w manchem Gemeindemitgliede zu stark war, und da der hiesige Herr Bürgermeister sich nicht competent sieht, die Erlaubniß zu einem Separatdienste erlheilen zu dürfen, reisten die Führer der Bewegung wenige Tage vor nach München, um im Kgl. Ministerium die bezügliche Erlaubniß zu erwirken, welche auch sofort ertheilt ward. Man ließ so schnell als möglich die nötigsten Utensilien verfertigen, miethete einen Saal, und schon am waren über 120 Personen beim Gottesdienste anwesend, deren Anzahl bis 2"' auf 150 gestiegen war. So schnell bildete sich hier ein orthodoxer Verein. Aber nun gab's Schwierigkeiten über Schwierigkeiten, 2—3 Locale konnten nur auf kurze Zeit benützt werden, so daß Ende Dezember das Local bezogen werden konnte, welches zunächst auf I V- Jahre gemietet ist. Solche' Dinge lesen sich allerdings sehr leicht, aber wenige Leser suchen oder vermuthen in so einfachen Zeilen die Kämpfe, die vorausgingen und die Hindernisse, die sich in den Weg stellten! Einmal hieß es, man kehrt wieder zurück, betet wie man will in dem der Gemeinde gehörigen Betlokal, während nebenan die Orgel tönt, eine andere Version sagte, man geht an Feiertagen nach Fürth u. s. w., kurz es schwebte lange eine Ungewißheit über die ganze, so energisch begonnene Sache; aber;y«Dö viüt> ton es gelang den Anhängern der angestammten Religion die Sache durchzusetzen, und eine neulich abgehaltene Generalversammlung hat gezeigt, daß das Interesse a» der guten Sache nicht erkaltet ist, wenn auch die Zahl der Mitglieder noch kaum 30 übersteigt.!*ud' innn« iysra imluoei Oester r. -Ung ar. M 0 n a r ch i e. P?Ng, 3. März. Der „Presse" schreibt man: Der 82 jährige Kaiser Ferdinand von Oesterreich, der Onkel und Vorgänger des jetzigen Kaisers, welcher bekanntlich seit seiner Abdankung im Jahre 1848 auf dem Prager Hradfchin residirt, ist vor Kurzem Mitglied der Prager jüdischen Bereinigung „Chewra Kadischa" geworden. Eine solche „Chewra" ist eine Gemeinschaft, die überall vorhanden ist, wo gläubige Juden existiren, die überall gestiftet wird, wo sich solche ansiedeln. Die Existenz dieser „Chewras" ist uralt, mindestens so alt, als die Juden von Palästina in alle Lande auswanderten. Ihr Zweck ist aber ver gleiche: Pflege der Kranken, Beerdigung der Tobten event. auf Kosten der Vereinigung selbst (Reich und Arm übrigens in derselben prunklosen Weise), bei Kranken, bei Sterbenden und Todten zu wachen, die Gebete am Sterbelager zu sprechen und das rituelle Gebet nach dem Tode, den „Kadisch" zu verrichten, ebenso, wie die erste Unterstützung der Hinterbliebenen zu besorgen. Diesem Verein ist nun der Kaiser Ferdinand beigetreten unter der ausdrücklichen Bedingung, daß auch für ihn nach seinem Tode jenes Gebet der „Kadisch" ein volles Jahr hindurch gesprochen werde, wie es Sitte und alt geheiligter Brauch der Juden vorschreibt. Frankreich. Ports Die den ,Arch. Jsr." entnommene Nachricht, wonach das diesjährige Festessen der Schüler des berühmten Lyceums Karl des Großenauf Veranlassung der Verwaltung bei einem jüdischen Restaurateur zubereitet worden, wird vom genannten Blatte dahin rectificirt, daß bloß die isr. Schüler, die das Recht hatten, an diesem Festmahle theilzunehmen, koscher gegessen haben. Die Thatsache ist deßhalb nicht weniger bemerkenswert und verdient alles Lob. England. London. Den neuesten Nachrichten zufolge wurde zu dem sogenannten lestimoninl Found zu Ehren des Sir Moses Montefiore in London allein bis jetzt 5000 L. (60,000 fl.) gezeichnet.