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Der Israelit · 1875-03-24 · Heft 12 (24.3.1875) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 12 (24.3.1875)
Date
1875-03-24
Page
– (sequence 20)
Language
German
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272 bei der Ertheilung von Staatsunterstützungen, und selbst bei der Pflege von armen Kranken, Cultusunterschiede gemacht werden, und wir wünschen, daß dies in Zukunft aufhört und nur persönliches Verdienst und Hilfsbedürftigkeit den Ausschlag gibt. 5) Wir ersuchen alle stimmberechtigten Bürger, darauf zu achten, daß sie in die Wahllisten eingetragen sind und es respective werden, daß sie sich zahlreich an den Wahlen betheiligeu und nur solchen Männern ihre Stimmen geben, welche für die Einführung liberaler Grundsätze in der Staatsverwaltung sind. Frankreich. Paris. Herr Cremieux hat die Stelle eines Ehren-Präsidenten der Delegirten von der portugiesischen Gemeinde angenommen und das Versprechen gegeben, daß er mit Energie dahinzuwirken bestrebt sein werde, daß die Errichtung eines neuen Tempels sobald als möglich zu Stande komme. Er subscribirte außerdem zu diesem Zwecke 5000 Frs. (Univ. Jsr) Belgien. Brüssel. Neulich wurde dahier der Grundstein zu einem Asyl für israel. Greise gelegt. Der Oberrabbiner Astruc hatte mit Leichtigkeit und ganz schnell 15,000 Frs. gesammelt. Zu den Baukosten des neuzuerrichtenden Tempels, der in 2*/, Jahren fertig sein und im Ganzen 800,000 Frs. kosten soll, gibt die Provinz 50,000 Frs., die Negierung 100,000 Frs., die Stadt 200,000 Frs. und die israel. Gemeinde 200,000 Frs. ohne Zinsen, welche Summen in 70 Annuitäten zurückbezahlt werden. (Un. Jsr.) Amerika. Philadelphia. Unter den gegenwärtigen Insassen des County-Gefängnisses in Philadelphia befindet sich nur ein Jude und dieser nur wegen eines geringen Vergehens. Das ist eine bemerkenswerthe Thatsache, sagt ,.Jew. Mess.", wenn man in Betracht zieht, daß in PH. fast 10,000 Juden wohnen. Afrika. Algier. Die israel. Jugend von Blidah veranstaltete einen Ball. Das wird von der dort erscheinenden Zeitung „ Tell" sehr belobt und als großer Fortschritt bezeichnet. Mit Recht bemerkt „Un. Jsr." hierauf, daß er hier ganz und gar keinen großen Fortschritt finden könne, es wäre der dortigen israel. Jugend ein ganz anderer Fortschritt, religiöse, moralische und gesellschaftliche d. i. wahre israel Fortschritte zu wünschen. Deutschland. Nürnberg. Nach den Begriffen, die man bis fetzt von den jüdischen Verhältnissen unserer weltberühmten Handels- und Fabrikstadt in der Ferne hat, ist wohl anzunehmen, daß mancher unserer Lessr bei der neulich von uns gebrachten Notiz ungläubig, mindestens zweifelnd, die Achsel zuckte. In Nürnberg soll sich ein orthodoxer Verein bilden? War ja selbst in diesen Blättern zu lesen, daß dort nicht ein Laden am Sabbat geschlossen! Nun so gefährlich ift's doch nicht, und wenn nicht Bequemlichkeit, namentlich in Glaubenssachen, eine der Cardinaltugenden unserer hiesigen jüdischen Bürger wäre, so hätte etwa ein ganzes Dutzend Inhaber offener Geschäfte dahier feierlich gegen jene Behauptung protestiren können. Allein wir sind fest überzeugt, daß jener Berichterstatter es gerne heute noch vernimmt, daß er etwas zu scharf geurtheilt. Man ist hier so an Neuerun-- gen gewöhnt, daß selbst eine religiöse Gemeinde, die sich hier zu bilden begonnen, auch nicht mehr neu erscheint. Ja, noch mehr. Jeden raar wird in der Wohnung des Herrn Lehrer AnSbacher von diesem '’tcmoi 'ani tyoin vorgetragen, wozu allerdings noch Wenige sich drängen, aber doch Mancher gerne ein Stündchen opfert. Eine weitere Neuerung in diesem Sinne, allerdings von größter Wichtigkeit für das Allgemeine , ist die Ausübung der nernfly durch einen Virtuosen in seiner Art, den gewiß manchem Leser nicht unbekannten Herrrr Schatt, früher inKissingen, dessen theoretische und praktische Fertigkeit, verbunden mit streng religiösem Lebenswandel, für die pünktlichste Ausübung dieser Function bürgt. Nun wird man fragen: Eine Orgel und einen solchen onw? Darauf antworten wir ganz naiv: Der Dm^ spielt nicht und die Orgel schlachtet nicht. Auch Herr Rabbiner vr. Levin wußte diese beiden Institutionen verschieden zu behandeln, um einen arw wandte er sich, auf Veranlassung der Vorstände und einzelner Gemeindemitglieder, nach Würzburg, um vom dortigen Rabbinate, also gewiß eine nicht zu beanstandende Quelle, diesen Bedarf zu decken. I^es extremes se touchent! wird mancher Leser meinen, aber es gibt immer noch schroffere Gegensätze, denn in Gemeindeinstitutionen läßt Herr vr. Lev in sich von manchem

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