Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1875-03-24 · Heft 12 (24.3.1875) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 12 (24.3.1875)
Date
1875-03-24
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447603-2447615--11410-2467193
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2 70 gegenwärtigen Session eine Vorlage zu machen, durch welche den Juden in allen Theilen der Monarchie der Austritt aus einer Neligionsgemeinde aus konfessionellen Bedenken und ohne gleichzeitigen Austritt auS dem Judenthum ermöglicht wird, und die in einzelnen Landestheilen etwa entgegenstehenden gesetzlichen Bestimmungen aufgehoben werden. Der Antrag, welcher von dem Abg. Warburg und dem Referenten der Commission Abg. Lehseld t befür wortet wird — Letzterer hob besonders hervor, daß die Regierung sich zu dem Vorschläge der Commission nicht ablehnend verhalten, sondern durch ihre Vertreter nur erklärt habe, man werde die Vorlage in dieser Session nicht mehr einbringen können — wird gegen die Stimmen des Centrums und einzelner Cons'ervativen angenommen. Aus Schlesien, inDN nuyn 'n u\\ In dieser Woche wurde der fünfundzwanzigfte Bericht über die Religionsunterrichts-Anstalt' der Synagogengemeinde von deren Dirigent Dr. Samuelsohn veröffentlicht. Diese Schule steht unter dem Revisorat des Landrabbiners Tiktin und der Bericht der Gemeinde-Religions-Unterrichts-Anstalt von dem Dirigenten der Anstalt Dr. M. Joel, Rabbiner. Beide Anstalten gehören der Gesammtgemeinde an, beide werden von der letzteren erhalten. Aus dein ersten Bericht, unter T., entnehmen wir, aus S. 7., daß die Schule keiner Richtung im Judenthume angehört. Es heißt daselbst buchstäblich: „Nicht minder dehnte sich der Kreis der Eltern aus, die ihre Kinder unserer Schule anvertrauten (die Schule besteht, wie aus S. 9 das. hervorgeht, aus 8 Kl. und zählt gegenwärtig 309 Zöglinge beider Geschlechter), „in welcher seit „meinem Amtsantritt keine besondere Richtung des „Judenthums vertreten war." Sie bot und bietet nach ihrem Lehrplans den Zöglingen eine ausreichende Kenntniß des Hebräischen und der jüdischen Geschichte und den Unterricht in den Lehren und Vorschriften der Religion, so daß er dann nichts Anderes ist, als das Zusammenfassen und wissenschaftliche Rubriciren der erworbenen Kenntnisse." Hier haben wir den Schlüssel zum Aufschluß aller Räthsel der neuesten Kundgebungen in der Breslauer Gemeinde. Tiktin, der seine Uebereinstimmung zu allem dem hergab, was das orthodoxe Judenthum tief erschüttert und dasselbe zerfleischt (n an denke daran, daß das Joel'sche Gebetbuch mit „Uebereinstimmung der Gemeinde-Collegien" veröffentlicht wurde, und daß T. der Vorsitzende der Cultus-Commission I. ist), T. der die Orgel-Synagoge mit einweihete, dieselben deutschen Gebete für 'ui jp-® D’p1 in seine Synagoge einführte, wie solche in der Reform-Synagoge eingeführt sind und so viele hebräische Gebete,'in Gemeinsamkeit mit seinem Religionslehrer und Dirigenten der erwähnten Schule, Dr. S., abschaffte, derselbe T. ist es. der seit 25 Jahren an der Spitze einer Religionsschule in der Gemeinde Breslaues steht, „die zu keiner Richtung im Judenthume gehört". Nun sind uns die Früchte klar, die aus solchem fünfundzwanzigjahrigen Wirken hervorgegangen sind, und wir find Herrn Dr. S. zum innigsten Danke verpflichtet, daß er sich und seinen Revisor endlich so gezeigt, wie und was sie sind, obgleich wir bisher kaum eine blasse Ahnung davon hatten, daß Rabbiner und Religionslehrer, die in einer Gemeinde, wo für das Reform-Judenthum auf's Nobelste und Glänzendste nach allen Seiten hin gesorgt wird, das orthodoxe Judenthum zu repräsentiren und zu versorgen haben, so prinzipiell für die Vernichtung des väterlichen Gutes und Erbtheils wirken können. Doch, es ist eine alte Klage des Propheten 'ui ■yD-ino. Was sonst noch — leider — Betrübendes aus dem Bericht zu entnehmen ist, übergehe ich für heute. Zum Ueberfluß sei nur noch erwähnt, daß es uns nicht Wunder nehmen kann, wenn dieselben Lehrer , die das. S. 7 und 8 namhaft gemacht werden, die eine kürzere oder längere Zeit an dieser Anstalt, wo der Unterricht (zum Scheine noch) mit bedecktem Haupte ertheilt wird, dann an der anderen (Joel'schen) Anstalt Unterricht ertheilten, wo das entblößte Haupt schon seit dreißig Jahren bei allem Unterricht, also auch im Hebräischen Sitte geworden ist, und daß, wie aus jeder Zeile dieses Berichtes hervorgeht. nichts als der Schein diese beiden Religionsanstalten trennt. Ad II. liegt uns das Streben des Dr. Joel zu fern, als daß wir hier in diesem Blatte eine Besprechung dieses veröffentlichten Berichtes vornehmen sollten. Wir erwähnen nur, daß die Anstalt gegenwärtig von 219 Zöglingen aus beiden Geschlechter frequentirt wird, daß' jedenfalls hier eine ausgeprägte Richtung statt hat und die Zöglinge darnach erzogen werden. Oesterr.-Ungarische Monarchie. Wien, 14. März. Im Jahre 1873 schon bemerkte der „Schammes" ^es Tempels in der Seitenstättengasse mit Behagen, wie tagtäglich in aller Frühe ein feingekleideter Herr vor demTempelthore Posto faßte und den Beginn des Frühgebets kaum erwarten konnte. Herr Schnitzler, dies der Name des Tempeldieners, theilte seine Freude über die Frömmigkeit des seinen Herrn auch anderen Glaubensgenossen mit. Doch der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.