Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1875)
- Date
- 1875-03-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XVI Jahrgang. Erste Beilage zu Ar. 18 des Israelit. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Bonn, 8. März. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hat in den jüngsten Tagen in der Judengasse ein Terrain angekauft, auf welchem eine neue Synagoge erbaut werden soll. Das alte, ebenfalls in der Judengasse gelegene Gotteshaus genügte den vorhandenen Bedürfnissen schon seit lange nicht mehr. Das neue Bauwerk soll in ziemlich großen Dimensionen angelegt und ausgeführt werden. (Neformtempel? — Red) Kutzenharrferr (Elsaß). Kürzlich starb dahier Herr Emanuel Marx im Alter von 102Jahren; derselbe war nie krank gewesen. (Un. Jsr.) Frankreich. Potis. „Un. Jsr." schreibt: ES freut uns zu erwähnen, daß die bezüglich der jüdischen Namen dem Kaiser Wilhelm von Deutschland irrthümlich zugeschriebenen Worte schon vor 30 Jahren vom König Friedrich Wilhelm ausgesprochen worden waren. England. London. Die Baronin Burdett-Coutts (Christin) hat zu der beabsichtigten Stiftung zu Ehren des Sir Moses Montefiore 100 L. gegeben. Dieselbe Dame gibt auch, wie „Jew. World" schreibt, der „Anglo Jew. Assoc." einen jährlichen Beitrag von 25 L. (Un. Jsr.) Dänemark. Kopenhagen. Sonntag den 7. Marz feierte das B. Baruch'sche Ehepaar unter großer Festlichkeit seine silberne Hochzeit. *** Amerika. New-Uotk. Durch den Tod der Frau Lewis Philips werden jetzt die von ihrem verstorbenen Manne an vier hiesige jüdische Wohrthätigkeitsanstalten testamentarisch vermachten Summen zur 'luszahlung kommen. Man glaubt, daß 15,000 Doll, vertheilt werden. (Jew. Mess.) Feuilleton. Irr schwaye Abraham.*) Von Karl Emil Franzos. Eine alte Frau erzählte am Sabbat-Nachmittage: „Vom schwarzen Abraham will ich Euch erzählen. Es sind nur noch Wenige, die sich seiner erinnern und die Wenigen scheuen sich ängstlich, seinen Namen auszusprechen, und — daß ich's nur ehrlich heraussage, ich thu's eigentlich auch nicht gern. Denn ob nun die Geschichte mit den bösen Geistern und von seinem fürchterlichen Ende wahr sind oder nicht — so viel ist jgewiß, er war ein unheimlicher Mensch und sein Herz dunkel und sein Sinnen wüst und unheimlich. Eines solchen Menschen oft zu gedenken, thut auf keinen Fall gut, das eigene Herz wird nicht besser dabei, und man kommt so in Gedanken herein und stellt sich Fragen, und es gibt keine Antwort darauf. Aber heute, an dem stillen sonnigen Nachmittage, heute am Sabbat, wo die gute Macht stärker ist auf Erden, als an den anderen Tagen der Woche, heute kann man auch vom schwarzen Abraham erzählen und hören, ohne an der Seele Schaden zu nehmen. Und dann — grad' heute bin ich wieder so an ihn erinnert werden. Da Hab ich nämlich heut' meine Jugendfreundin, die Rosel Stern, aus der Schul' ein Stück Weges begleitet — Ihr wißt, sie wohnt draußen im Mauthhause — und da sind wir auch durch das kleine Gäßlein gekommen, wo einst sein Haus gestanden ist. Der Bauplatz steht noch immer leer und öde — vierzig Jahre sind es her, aber noch hat Niemand gewagt, sein Haus hier auszubauen — und die Trümmer liegen noch immer so schwarz und unheimlich umher, 'wie am Morgen nach jener Nacht, wo dies Haus theils in die Luft flogj, theils zusammenbrannte und mit ihm alle Bücher und Instrumente des schwarzen Abraham und wohl auch — der schwarze Abrah»m selbst. Es ist eine dunkle Geschichte und sie wird nie aufgeklärt werden. Vor siebzig Jahren — ich selbst war damals noch nicht auf der Welt und nur unser uralter ') Unbefugter Nachdruck wird verfolgt.