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Der Israelit · 1875-03-24 · Heft 12 (24.3.1875) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 12 (24.3.1875)
Date
1875-03-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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258 StratzbltVK. Oberrabbiner Aaron richtet unter dem 25. Adar an die Herren Rabbiner feines Sprengels ein Schreiben, worin er denselben anzeigt, daß sich neulich eine Wittwe ohne vorher stattgefundene Chalizha wieder verheirathet hat. Der das Paar einsegnende Rabbiner wußte nicht, daß die Wittwe eine Jebamah gewesen. Es ist deßhalb, heißt es in dem Circulär, nicht weniger zu beklagen, daß diese That hat ftattsinden können und bringt uns in die Nothwendigkeit, auf die dahin zielenden Dispositionen des Schulchan Aruch, Aden EZra, K. "139 S. 1 und 2 aufmerksam zu machen. Um einem ähnlichen Fall vorzubeugen, fordert der Oberrabbiner die Rabbinen auf, bei Heirathen, wo die oder eines der Brautleute einer außerhalb ihres Sprengels stehenden Gemeinde angehören, von diesen eine Bescheinigung des zugehörigen Rabbiners zu verlangen, worin bezeugt wird, daß der projectirten Vereinigung der betreffenden jungen Leute kein religiöses Hinderniß im Wege steht. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Lemberg, 12. März. Noch bevor der tiefbetrauerte Rabbiner Nathansohn yV'T begraben war, begann hier eine sehr lebhafte Agitation für die Besetzung der erledigten Rabbinatsstelle. Eine größere bei Herrn Rachmiel Horowitz abgehaltene Versammlung von Gemeindemitgliedern sprach sich schon am 6. März l. I. dafür aus, damit der rühmlichst bekannte Rzeszower Rabbiner Hirsch Ornftein, ein Enkel des berühmten Lemberger Rabbiners Jacob Ornstein v"u"s, die Lemberger Rabbinatswürde erhalte. Ein sehr eifriges Agitationscomitö befaßte sich hierauf damit, Unterschriften zu sammeln, in welcher um die sofortige Berufung OrnsteinS als Rabbiner nach Lemberg petitionirt wird. Diese mit vielen hundert Unterschriften für eine Petition bedeckte Eingabe wurde schon am 9. März l. I. beim Vorstande überreicht, während zugleich einige unbenannte Personen am selben Tage eine Versammlung in der großen vorstädtischen Synagoge auf den 9. März l. I. einberiefen, welche über die Rabbinerfrage berathschlagen sollte. Die Synagoge war vollgepfropft und in derselben wurde Herr Hirsch Ornstein als der gewünschte Candidat ausgerufen. Zugleich wählte die Versammlung ein Comitö von 40 Personen, das sich mit der Ausführung des gefaßten Beschlusses beschäftigen sollte. Das gedachte Comit« notificirte auch sofort am 9. März dem Cultusvorstand seine Existenz und bot sich als Beirath der Gemeinderepräsentanz an. In Folge dieser Vorgänge sah sich der Gemeinde- Vorstand, dessen Mitglieder zum Theil der Ansicht waren, daß eS nicht paffend wäre , Nock in den sieben Trauertagen nach dem allgemein betrauerten Rabbiner Nathanfohn y"j an die Besetzung des erledigten Postens zu gehen, veranlaßt, am 9. März l. I. eine außerordentliche Sitzung, zur Berathung über die Wünsche der Gemeinde anzuberaumen. In derselben wurde zunächst einmüthig anerkannt, daß die Besetzung der Rabbinerstelle zwar sehr dringlich sei, jedoch immerhin, einigen Aufschub ohne Gefahr für das allgemeine Heil erleiden könne. In Anbetracht dessen wurde einstimmig beschlossen, die Wirksamkeit des GemeindestatuteS nicht abzuwarten, sondern nach den bestehende« Gesetzen eine Rabbinerwahl auf die Dauer von drei Jahrn durch die wahlfähigen Gememdemitglieder vornehmen zu lassen. Gleichzeitig wurde ein Beirath von 50 Gemeindemitgliedern aus allen Schichten festgesteüt, welcher über den Rabbinergehalt seine Meinungsäußerung abgeben soll. (Lemb. Jsr.) Frankreich. Paris. (Monatsbericht der „All. Jsr. Un.") (Die Israeliten von Rumänien.) Ein Korrespondent von BraUa berichtet über die vielfachen Schwierigkeiten, mit denen gegenwärtig die gute Organisation der dortigen israel. Gemeinde zu kämpfen hat und die namentlich den Unterrichtsanstalten derselben nachtheilig geworden sind. Ganz neulich ist es einer Anzahl von Personen durch große Anstrengungen und bedeutende Opfer gelungen, eine Knabenschule zu gründen, wo 100 Zöglinge unentgeltlich ausgenommen und 25 der ärmsten jährlich zwei Mal vollständig bekleidet werden. Diese Schule, wenn auch für die Gemeinde zu klein, absorbirt dennoch die ganze Steuerkraft der wenigen Familien, die sie erhalten und deren Einkünfte sich übrigens durch die gegenwärtigen Calamitäten vermindert haben. Unter diesen Umständen meinen dieselben, daß die Alliance, die in der Türkei Schulen gestiftet hat, deren auch in Rumänien gründen, sowie die im Lande bereits bestehenden unterstützen sollte. — Das C.-Comitö, das sich seit lange mit der israelitischen Unterrichts- Angelegenheit in Rumänien beschäftigt, kann nicht vereinzelte Maßregeln in dieser Sache ergreifen; diese Angelegenheit muß vielmehr in ihrem Ensemble und von den Haupt-Comitös des Landes behandelt werden, die sich mit einander berathen und allgemein durchführbare Mittel Vorschlägen sollten. — Ein Anderer bittet das C.-Comitö, Veröffentlichungen in rumänischer Sprache für die dortigen Israeliten zu unterstützen, z. B. die Herausgabe von Gebetbüchern und ähnlicher Werke mit rumänischer Uebersetzung; eS würde dies die

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