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Der Israelit · 1875-03-24 · Heft 12 (24.3.1875) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 12 (24.3.1875)
Date
1875-03-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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257 einer lichtvolleren Zeit hervorzuheben, die sich nicht besser bekundeten, als wenn, wie heute Deutschlands Krieger, fern von jedem religiösen Borurtheile, ihrem israelitischen Mitbruder auf eine so feierliche Weise ihre Achtung und Liebe bekundeten. Drei Ehrensalven über das geöffnete Grab beschloffen die Feier. Welch tiefen Eindruck die ganze Feier gemacht, geht wohl auS dem Umstande hervor, daß derselben in der Chronik der Stadt eines Weiteren Erwähnung gethan worden ist. Hannover. Am 28. Febr. constituirte sich hier ein Verein zum Bau eines israelitischen Krankenhauses und einer Alter-Berforgungsanstalt. Statutengemäß wird ein Vorstand von sieben Mitgliedern gewählt. Derselbe besteht aus dem jedesmaligen Landrabbiner, aus einem vom Vorstande der Synagogen-Gemeinde delegirten Mitgliede, aus einem Vorstandsmitglied des WohlthätigkeitsvereineS und vier von der Versammlung gewählten Herren. Diese jetzt Gewählten sind die Herren Bankier A. S. Cohn, Bankier S. Kusel, Jnspeetor Dr. Kayserling und Großist R. Samson. Dem Vorstande liegt. eS zunächst ob, die erforderlichen Mittel zum Bau herbeizuschaffen und das Interesse für das Unternehmen in weitern Kreisen wachzurufen. Schmieheim, 12. März. Gestern, als den 11. d., durchzog ein überaus großer und unübersehbarer Leichenzug unser Dorf; er war das letzte Geleite unsers unvergeßlichen und würdigen Herrn Bez. - Rabb. R o o s , der in einem Alter von 69 Jahren und nach beinahe 40jähriger Amtsthätigkeit am 9. d. nach achttägiger Krankheit starb; eine tiefbetrübte Wittwe, die mit Recht eine b'n nir« genannt werden darf, und fünf unmündige Kinder umstanden weinend und händeringend den Sarg. Zum Leichenbegängniffe kam Herr I)r. Sondheim e r, Bez. - Rabbiner in Heidelberg, und hielt am Sarge einen sehr schwungvollen, von Herzen zu Herzen gehenden Vortrag; schilderte die guten Eigenschaften nach v ms« »pis ni -pn M'n n« ism «y, die Der würdige Entschlafene in hohem Maße besaß; am Grabe erwähnte er abermals das Ersprießliche und Gute, das er für Schule und Lehrer gethan, worauf Hauptlehrer Mayer von Nonnenweier seiner Trauer und Wehmuth mit oms« rw.i im« Ausdruck gab; fand aber auch Trost in den Versen \s\ri undn'pw': oip» umt>« mm py bn myn teo’! .IJ/l D’Dff »3303 D'21 'P'iyvl; Der Entschlafene war ein Mann, bet die Kunst verstand, Strenge und Milde zu vereinen; er war ein Mann, der die Differenzen im ganzen Bezirke zu ordnen wußte. Sein Losungswort war „aow“, ex war?m« tw nwito, daher war er auch allenthalben geliebt und geehrt und daher der Verlust ein tiefer und allgemeiner. Gott tröste die trauernde Familie, tröste den verwaisten Bezirk, in Bezug auf den es heißt; nyn an1? p« iw« j«y3. — n"3"y"j"n. Aus dem Rabbinatsbezirk Wallerstein, im März. Unser ehrwürdiger Districts-Rabbiner Herr David WeiSkopf na versieht fein Amt trotz sei» neS Alters 1'NNWI I'v> in«’ o»n mit jugendlicher Geistesfrische. Die Schechitah im diesseitige« Districte ist in Händen gottesfürchtiger Männer, die den Anordnungen ihres Rabbiner gern und willig Folge leisten. Es ist nur Schade,' daß der Ort Wallerstein nur noch einige jüdische Familien hat, während die Synagoge und andere jüdische Einrichtungen an die frühere nb'np lebhaft erinnern. Hingegen ist das benachbarte Nördlingen, welches in jedem „Memmer-Buch" als Gerusch-Ort verzeichnet ist, in wenigen Jahren zu einer jüd. Gemeinde von 70—80 Familien herangewachfen. Die junge Gemeinde hat Männer unter sich, denen da» Wort Judenthum keine Phrase ist, die vielmehr ihre ganze Kraft aufbieten, um die bewährten jüdischen Institutionen zu erhalten. Trauriger steht es in Oettingen aus. Oettingen, daö früher der Sitz von großen Rabbinen war, wo viel gelernt wurde, ist auf dem Wege, eine nmj my zu werden. ES kann dies auch nicht anders kommen, wenn man sich Führern anvertraut, die das ganze Jahr kein „koscheres" Fleisch brauchen und wenn man dortmSm «skt mim O’Jö fein darf, ohne Widerspruch zu finden. Wohl gibt es noch Männer in Oettingen, dieJehudim sein wollen; weil man sich aber fürchtet, von den „Tonangebern", „Gebildeten" und „Aufgeklärten" in der Kaffeegesellschaft verspottet zu werden, so läßt man eS ruhig geschehen, wenn mit manchen Gebetstücken tabula rasa, gemacht wird und lächelt dazu, wenn man die Anordnungen eines ehrwürdigen Greises als Carrikatur auf den Biertischen herumzerrt. Besser steht eS in Hainsfahrt auS. Dort holen noch Männer ihre Aufklärung aus der '~im, und die man vw zählt alte und junge „Bale-Batim" zu ihren activen Mitgliedern Dort gibt eS gebildete, junge, wohlhabende Männer, die sich ihrer religiösen Gesinnung nicht schämen und nicht zwischen zwei Stühlen sitzen wollen. Bon den übrigen Gemeinden des diesseitigen Bezirkes ein anderes Mal, s. G. w.

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