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Der Israelit · 1875-03-24 · Heft 12 (24.3.1875) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 12 (24.3.1875)
Date
1875-03-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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256 Aus Weftphale«. Nach dem uns vorliegenden Jahresberichte der Unterstützungskasse des Vereins israelitischer Elenientarlehrer für Westphalen und die Rheinprovinz pro t874 hatte genannter Verein eingenommen: an Mitgliederbeiträgen 157 Thlr., an außerordentlichen Beiträgen von Gemeinden und Privaten 726 Thlr. 25 Sgr. 7 Pf. und an Zinsen 416 Thlr. 28 Sgr. 5 Pf., also eine Gesammt-Einnahme von 1300 Thlr. 19 Sgr. Verausgabt sind: an Unterstützungen 684 Thlr., für Verwaltungskosten, Porto und Drucksachen 37 Thlr. 16 Sgr. 6 Pf., also im Ganzen 721 Thlr. 16 Sgr. 6 Pf. Der Kassenbestand beläuft sich gegenwärtig auf 8082 Thlr. 19 Sgr. 5 Pf. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, erlauben wir uns, einen in Nr. 7 des Israelit enthaltenen Correspondenzartikel aus dem Regierungsbezirk Cassel dahin zu berichtigen, daß es allerdings seine volle Richtigkeit damit habe und es nur zu bedauern sei, daß die Pr. Regierung trotz der vielen an sie gerichteten Petitionen und trotz der im Princip anerkannten Gleichberechtigung sämmtlicher Confessionen, sich noch immer dagegen sträubt, die jüd. Lehrer in materieller Beziehung ihren christl. Amtsgenossen gleichzustellen. Wenn es aber in dem genannten Artikel weiter heißt: die preußische Negierung ließe nicht einmal eine principielle Gleichstellung gelten, so ist das eine Behauptung, die, da keine Regel ohne Ausnahme, nicht so allgemein hingestellt werden darf. Es mag immerhin wahr sein, daß sie für derartige Verhältnisse passend und anwendbar sei; fürWestphalen und namentlich für den Regierungsbezirk Arnsberg ist sie eS nicht. Die im Reffortder Kgl. Regierung zu Arnsberg fnngirenden jüd. Lehrer haben sich über Zurücksetzung ihren christlichen College» gegenüber durchaus nicht zu beklagen. So oft hier z. B. der Landrath eine Verordnung der Königl. Regierung durch Circulär den Lehrern des Kreises bekannt geben läßt, so richtet er dasselbe eben so gut an die an öffentlichen jüd. Schulen wirkenden Lehrer — dasselbe auch an jüd. Privat- Lehrer zu richten, hat er nicht die Verpstichtung — als an die christlichen. Läßt hier der Ober- Schulinspector die Lehrer seines Bezirks zu einer Conferenz einladen, so circulirt das Einladungsschreiben sowohl bei den jüdischen, als bei den christlichen Lehrern. Wird hier alle Jahr oder alle zwei Jahre einmal von der Regierung ein geistlicher Schul- und Regierungsrath delegirt, um die Schulen des Regierungsbezirkes zu inspiciren, so besucht er die jüdischen öffentlichen Schulen eben so gut als die christlichen. Auch hinsichtlich des Benehmens der Lokal- und Bezirksschulinspectoren haben sich die jüdischen Lehrer hier nicht zu beklagen; so oft letztere eine Revision der Schulen ihres Verwaltungsbezirks vornehmen — und das geschieht in der Regel jedes Jahr ein Mal — so warten sie mit der Prüfung der jüdischen Schulen nicht, bis solche in sämmtlichen ihrer Aufsicht unterstehenden christlichen Schulen stattgefunden, sondern dieselben werden in den jüdischen und christlichen Schulen eines Ortes an einem und demselben Tage — versteht sich, wenn dazu Zeit genug vorhanden — vorgenommen. Aus diesen kurzen Andeutungen mag zur Genüge erhellen, daß hier die jüd. Schule nicht als Anhängsel betrachtet und den jüdischen Lehrern keine Veranlassung geboten wird, sich über Intoleranz oder Zurücksetzung zu beklagen. Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. Frankfurt ft. M., 17. März. Die Kinder des vor einigen Jahren hier verstorbenen BanqnierS Lriegmund Stern haben eine feinen Namen tragende „Waisen - Stiftung" begründet. Die Absicht der Stifter ist, wie wir aus den landesherrlich genehmigten Statuten entnehmen, „daß die Wohlthaten dieser Stiftung Kindern aller Confessionen zu Theil werden". So lange indeß die Ausschließung der Israeliten von dem Genüsse des städtischen Waisenhauses fortbesteht, soll die Stiftung, eine hier fühlbare Lücke ausfüllend, nur israel. Kindern zu Gute kommen. Die Waisenkinder sollen nicht in einem besonderen Waisenhause, sondern in dazu geeigneten Familien erzogen werden. Wie wir hören, soll die Wirksamkeit der Stiftung sofort beginnen. Mitglieder der Siegmund Stern'schen Waisen-Stiftung sind die Herren: Albert Merton, Theodor Stern, Philipp Speyer, Joseph Rütten, Dr. Bärwald, Dr. S. Fuld und Dr. Max Getz. Witzenhaitse« (Prov. Hessen). Heute fand hier eine seltene Feierlichkeit statt. Ein israel. Veteran, dem eS vergönnt gewesen, nach Beendigung der Freiheitskriege 1813 mit den siegreichen Deutschen in Frankreich einzuziehen, wurde zu Grabe getragen. Unter den ergreifenden Klängen eines Trauermarsches, intonirt von der Kapelle deS 83. Linienregiments und unter Vorantritt der Mitglieder des Kriegervereins bewegte sich der Zug, gefolgt von vielen Bürgern der hiesigen Stadt nach dem Friedhofe. Hier ergriff — vom israelitischen Gemeindevorstande darum ersucht — Herr Dr. Silberstein, Bezirksrabbiner zu Mühringen in Württemberg, der gerade besuchsweise hier anwesend, dar Wort, um in ergreifender, schwungvoller Rede den Gefühlen der so zahlreich Anwesenden Ausdruck zu geben. Der Redner nahm hier besonders Gelegenheit, die Errungenschaften

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