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Der Israelit · 1875-03-17 · Heft 11 (17.3.1875) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 11 (17.3.1875)
Date
1875-03-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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985 t>en falschen Blick deS Kain und kann Dich tödteu. Darum fort auf meiner Stirne kannst Du das Leichen des Kam fetzen. Tausend Thränen hängen an meinen Kleidern — tausend Thranen träufeln mir wir siedend Blei in's Herz hinein — und tausend Tropfen Blut belasten mir die Seele — lassen mich nicht schlafen, lassen mich nicht wachen, lassen mich nicht sterben, lassen mich nicht leben: Fliehe — denn mein Name allein schon tödtet. Wie gerne mochte ich Dir sagen, wer ich bin — doch ich kann es nicht — ich weiß es nicht — schon fühle ick wieder das Hämmern im Gehirne — und ich kann nicht denken. Ich will's Dir sagen, wer Du bist, sagte der alte Mann, der sich ermüdet im Schatten eines Baumes auf das schwellende, üppige Moos niedergelassen hatte, Du bist Ephraim Manasse — — Ephraim Manasse — O! nein , alter Mann, Du irrst Dich. Ephraim Manasse bin ich nicht — kann ich nicht sein — sonst wäre ich nicht ich. Denn ich bin der. den Gottes drohende Donnerstimme auf allen seinen Wegen unablässig verfolgt und Rechenschaft fordert für schnöden Mord. Es ist, wie ich gesagt — und schaue mich an — erkennst Du mich?! Mein Gott — ja — ja. Ein Schleier fällt vvn meinem Geiste. £>! Du — Du Herrscher über uns, an dem ich so sehr gefrevelt, umnachte mir den Geist, ich sehe — ich fühle und dennoch kann ich nicht glauben! Bist Du der Rabbi Moses Hirsch, den ich gemordet, dessen Blut mich überallhin verfolgt und zu Gott um Rache schreit? ' Nein,'Ephraim, der bin ich nicht! Ich bin der Rabbi Moses Hirsch , dem Gott auf wunderbare Weise das Leben hat gerettet — der jetzt lebt. Dem Gott auf wunderbare Weife das Leben hat gerettet? Wie soll ich dies verstehen. Ihr lebt — Ihr seid nicht der Schatten des Rabbi? Dieser Hand, an der ich immer, so oft ich sie ansehe, Blutflecken zu schauen glaube — dieser Hand ist eS nicht gelungen, Euch zu morden? Von dieser Blutschuld also bin ich frei.- Dank Dir,' Du göttliche Vorsehung, daß Du solch' ein Wunder hast vollbracht. Und sagt, Rabbi, ist auch vielleicht der Andere wieder zum Leben erwacht? — Sagt ja — ja. Ist auch diese Blutschuld von mir genommen, bann ist's gut, denn dann — Ihr wißt es nicht, Rabbi, was es heißt, einen Menschen — zwei Menschen getödtet zu haben. Und danket dem Schöpfer, daß Ihr es nicht wißt. Der Mord, der schreckliche Mord, den ich Verruchter vollbracht, er war's, der meine Seele mir zerfleischte, der ruhelos mich in der Welt umhertrieb. Ich kann's Euch schildern, Rabbi, wie eS dem Kain gewesen, als er seinen Brüder Abel getödtet hatte — ich kann's Euch schildern, denn jene Stimme, die aus den Wolken kam und drohend rief: Kain,! Kain, wo ist Dein Bruder Äbel? — jene Stimme | habe auch ich gehört, auch mir rief jene Stimme! zu: Kain. Kain, was haben die Blutstropfen auf j Deinen Händen zu bedeuten? > Ich schloß, die Augen und sah das zürnende j. des strafenden Gottes, ich lief, so lange! mich meine Beine tragen konnten —- umsonst, — i die schreckliche Stimme tönte mir immer in den j Ohren. Ich schaute auf meine Hände nieder, sie > waren geröthet von Blut — von Menscheablut. Es waren dunkle Flecken und jemehr ich daran - rieb, jemehr lch trachtete, sie zu entfernen, desto größer wurden sie, immer größer, bis endlich die! ganze Hand voll Blut war. Ich tauchte in's Was-! fer — doch Schrecken — auch dieses nahm die Farbe des Blutes an. O! Rabbi, es war schrecklich, sage ich Euch. Derjenige, der eine Blutschuld auf sich geladen, ist besser daran, — tausendmal besser, er bietet sein Haupt dem Schwerte des Henkers, als so ruhelos, unstät umherirren zu müssen, wie ich. Und sagt, — ich bitte Euch — ist auch der Andere zum Leben wieder erwacht? Der Andere! — wen meinst Du, Ephraim? Den alten wahnsinnigen Jakob, den ich auf den Feldern, außerhalb der Pragerstädt , erwürgt habe, da er verrathen wollte, Daß ich Euch gemordet! Unglücklicher! Du hast ihn getödtet, also nicht durch Zufall kam er um im hohen Schnee? Also diese Schuld bleibt mir ewig! Rabbi, damals, als ich auf der Straße vor Eurem Fenster sag, — geschlagen, getreten, blutig, — mit Schmach und Hohn bedeckt, — damals, als ich in meiner dumpfen, dem Wahnsinn nahen Verzweiflung hörte, wie das Volk, welches mich eben steinigen wollte, sich gegenseitig zurief: der Fluch ist von ihm genommen, laßt ihn in Frieden ziehen! damals wollte ich mich ^vom Boden erheben und den Leuten zurufen und meine schrecklichen Thaten bekennen. Doch ich Loünte mich nicht vom Boden erheben und eine sonderbare Vision bemächtigte sich meiner, während meine Sinne schwanden. Ich war Ephraim Manasse und war eS auch j wieder nicht — ich wußte r wer ich sei und war! doch ein Anderer.! Und jemehr ich dachte, desto mehr begann eS in meinem Gehirne zu hämmern — immer stärker. 1 Ein Gefühl bemächtigte sich meiner, al» würden

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