Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1875)
- Date
- 1875-03-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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*54 A m e r i k t. New-Nv^r. Eine solche strenge Kälte wie i« diesem Winter, hat schon längst nicht geherrscht» daher die Noth unter der armen Bevölkerung, viel großer ist als in früheren Jahren; das merft man Besonders in den Anforderungen an die WohlthäligkeitSanstalten. Die vereinigten indischen WohlthätigkeitSvereine haben auch seit Oktober v. I. schon 30,000 D. vertheilt. (Jerm Ehr.) Feuilleton. Schuld uud Sühuk. Erzählung aus dunkler Zeit von - Ad. v Zemlinsky. 14.*) Jerusalem. / Die goldene Abendsonne nberstuthet mit ihrem Lichte Berg vnd Thal. Ringsum herrscht Ruhe — Frieden. ES iss die Ehrfurcht vor dem heiligen Lande, die hier Schweigen gebietet. Auf einer kleinen,. HWßtzvAnhohe gelegen, breitet sich in majestätischer SchoEdie heilige Stadt Jerusalem, das Land-der Hoffnungen und frommen Wünsche, aus, das Land, - in dem einst die alten Könige mit. ihrem Volke wohnten — das Land der Juden. Der gläubige, gottbegeisterte Sinn zieht immer und immer wieder nach dem heiligen Lande bin, und für den Sterbenden ist. es der größte Trost, dort zu ruhen — in jener Erde. Von den Minarets der türkischen Moscheen tönt melodischer Sang. Es sind die Wächter, die das Anbrechen her Nacht den Bewohnern kundgeben. Er tönt hinab in's Thal und in die Landschaft er tönt hinauf bis zur'höchsten Spitze des Gebirges. Und hoch oben' am Berge, von dessen Spitze man die ganze prachtvolle Landschaft überschauen kann —dort oben steht eine zerlumpte, wilde Gestalt mit struppigen Haaren. Hier stehe ich, ruft sie, in trotzigem Tone. Hier stehe ich und geh' nicht weiter. Auf hoher *) Fsrlsehung uni Schluß. Bergesspitze! Ringsum, wohin mein Auge schaute nur Arther-Luft! Dies kleine,Fleckchen nur, - porauf ich stehe, ist Erde.. Vor mir der Abgrund — wie tief, ich weiß es nicht. Ein Sprung in dieses Nichts, iy. dieses unbekannte Etwas und — es ist der Sprung in's unbekannte Unendliche, in die Ewigkeit. Bis hierher habe ich mich geflüchtet vor den Menschen , vor den Thieren, vor jener Gottesstimme, die Rechenschaft von mir verlangt für das vergossene Blut r— für das geraubte Leben. Jetzt gehe ich nimmer weiter — ich kann nicht mehr. Nach Jerusalem wollte ich, um meine Blutschuld zu sühnen. Hier bin ich jetzt — dort die heilige Stadt — und ich getraue mich nicht, ihr zu. nahe», die heilige Erde zu betreten. Hier endlich finde ich Etwas im ganzen All, das keine Erde ist. Und doch, wenn ich den Sprung gethan, was wird dann folgen? — bleib' etwa ich in den Lüften Hängen, daß mich die Lüfte zum Spielballe ihrer wilden, tollen Laune machen? Wohl möglich! Hat's ihnen der Wind zugetragen, daß ich mein Anrecht auf die Gemeinschaft der Menschen Hab' verloren durch blutigen Mord, so dulden mich auch die Lüfte nicht. Und dann ~r O! wie das hämmert im Gehirne, wie das schmerzt. Ich möchte denken und kann es nicht. ES hämmert unaufhörlich Tag und Nacht. Soll ich denn wirklich ewig leben? Verfolgt von den grausigen Phantomen des Mordes, soll ich denn immer überall nur Blut sehen, Blut athmen? ' Ich kann nicht sterben — darf nicht sterben. Gleich Kain muß ich ruhelos umherirren! Ich wollt' mein Dasein enden uttd sprang in's Meer Doch dieses empfand Ekel vor dem Mörder und spie auf's Land mich aus. Das Feuer, es hat keine Gewalt über mich, weil ich ein Mörder bin. Die Erde will mich auch i» ihren Schooß nicht aufnehmen, weil ungerechtes Blut an meinen verbrecherischen Händen klebt — nun denn > jetzt will ich's mit den Lüsten versuchen. Und wenn sie mich auch zurückstoßen'—^ was dann? Dann muß ich ewig leben. Ewig --- wie lange dauert wohl die Ewigkeit? — — Wer mag der Alte sein, der dort sich ermüdet fetzt! —. He da, Freund. bist Du von mir ein Genosse — dann komm zu mir -- reich mir Deine Hand. Wir wollen zusammen durch die Welt ziehen. Doch, hast Du noch niemals Menschenblut vergossen, dann fliehe — fliehe, so weit Dich Deine Beine tragen können. Fliehe — denn mein Athem verpestet die Luft uud erzeugt Todeskrankheiten -- aus Blut und Mord besteht er — mein Stage hat