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Der Israelit · 1875-03-10 · Heft 10 (10.3.1875) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 10 (10.3.1875)
Date
1875-03-10
Page
– (sequence 18)
Language
German
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213 Herrn Rabbiner das Ansinnen, ebenfalls diese Gebete abbringen zu wollen. Diese Thatsachen wären wahrlich zum Lachen, wenn sie nicht so sehr zum Weinen. wären. Also nur immer rüstig weiter, Ihr Herren Neologen, und es sollte mich Wunder nehmen, wenn nicht bald einer aus Eurer Mitte das Glocken-Geläute nachäffen wird, um recht zu sein. px 25 '7 r.ryxi Drvnrs» r\v — rrrxn D,-:n Hsy ro\x Damit aber Eure Freude, daß Ihr nun auch ein Schriftstellerchen Stern erster Größe als Rabbiner besitzt, etwas gedämpft werde, finde ich rnich veranlaßt, eine Correspondenz mit demselben der Öffentlichkeit zu übergeben. Diese datirt vom Jahre 1869, also noch che die Welt beglückt wurde mit dem schriftstellerischen Geistesprodukt des Herrn Stern, und dürfte geeignet erscheinen, abermals dessen geistige Sprünge und seinen Charakter darzustellen. Die Correspondenz lautet: Niederstetten, den 24. Mai 1 69. Lieber Herr Nosenbaum! Sie haben mich in Nr. 20 des „Israelit" auf schändliche Weise angegriffen. Sie versuchen dort mein früheres Leben in einem falschen Lichte darzustcllen, während Sie doch sehr gut wissen, daß ich den Ton nicht spielte, auch mein Fasten nicht aussprcngte rc. Es schmerzt mich, zu sehen, wie ein Mann, wie Sie, vor dem ich trotz der uns trennenden Kluft in relig. Richtung eine Portion Achtung bewahrt hatte, dem jesuitischen Grundsatz zu huldigen scheinen, daß der Zweck die Mittel heilige und Ihre Gegner in rel. Richtung mit der gemeinen Waffe der Lüge bekämpfen, ad majorem dei gloriam. Ste stellen mich ferner als einen Asceten hin, während mir doch selbst meine Feinde nachsagen müssen, daß Wissenschaft und Wahrheit bis heute meine höchste Leidenschaft blieb und wenn ich fröhlich war mit den Fröhlichen, dennoch meine höhere Bestimmung nie vergaß und nie der Sinneslust fröhnte und Ausschweifungen nachging') und das Verleiten Anderer besteht hauptsächlich darin, daß ich sie veranlasse, am zu mir zu kommen, um verschiedene wissenschaftliche Dinge anzuhören, statt müßig herumzuschlendern rc.^) und daß dem so ist, beweist der Umstand, daß ich die thcolog. wissenschaftliche Laufbahn binnen 6 Jahren absolviren konnte und nach überstandenem Examen hier verweile und meine einzige Erholung im Studium und weiterer Ausbildung suche. 11 Anm. Woher kommt e-3 denn, daß Sie als Rabb.- Candit. schnell oruw machen mußten? Es war Hoch-Zeit, damit die allzubald erfolgte Geburt Ihres Kindes nicht noch vor der stattgefunden hätte!!! 2) Anm. Hat auch schon so viel genützt, daß man damals in Niederstetten so aufgeklärt wurde, öffentlich am tnz Cigarren zu rauchen. Sie stellen mich ferner als religionslos hi::, während mich doch die Religion Israels — wie dem Geiste nach der Mosaismus und sogar dem Buchstaben nach der Prophetismus lehrt, die "da in tiefinnerer Gottesfurcht, wahrer Menschenliebe und Reinheit, Tugendhaftigkeit des Wandels besteht, hochheilig und thener ist, und es mein heiligstes Bestreben ist, diese meine Religion in Israel mehr und mehr zu verbreiten und immer tiefer Wurzel schlagen zu lassen. Sie haben also in einem vielgelesenen Blatte mich schnöde verleumdet und meine sittl. u. theolog. Ehre angetastet und so meinem Fortkommen geschadet und das Zutrauen der Gcmcmde, in der ich einst an - gestellt sein werde, zum Voraus mir geraubt. Glauben Sie nun, ich könnte dies aus mir sitzen lassen? Es stehen mir nun 2 Wege offen, Ihre Verleumdungen zu entkräften. Der eine ist der, daß ich in verbreiteten Blättern dem Publikum klaren Wein cinschenke, der zweite, daß ich Sie gerichtlich belange, Sie zwinge zu revoziren. Das erste thue ich nicht gerne, a) wegen om der ' 5 lacht sich den Rücken voll, wenn die Jchudim sich gegenseitig in den Haaren liegen, b) weil ich bessere und wichtigere Dinge zu thun habe, als mich in Zeitungs- Artikeln herumzubalgcn, überhaupt ist mir alle öffentliche Balgerei zuwider. DaS zweite möchte ich dcßhalb nicht thun, weil ich in Ihrem Hause und bei den Ihrigen einst viel Gutes genossen und „in einen Brunnen :c." sagt das Sprichwort. Ich schreibe Ihnen darum vorher, vielleicht entschließen Sie sich, das Verbrechen wieder gut zu machen, und das, was in dem Passus, der mich betrifft, unwahr ist, zu widerrufen. Wenn Sie mich mit ehrlichen Waffen bekämpfen, so habe ich nichts dagegen, zeichnen Sie mich meinetwegen als 7*oe»' yip-r als -'2-3 an die Autorität des Talmuds, des 1 irr» ich bin reformistisch gesinnt und habe cs mit der Beobachtung des Cerrnonial-Gesetze nicht allzugenau genommen^); aber greifen Sie nicht zu der gemeinen Waffe der Lüge, was ohnehin ein schlechtes Licht auf die Orthodoxie werfen könnte. Wie gesagt also, wollen Sie das^ was in jenem Artikel unwahr ist (was ich auf voriger S>eite gezeigt), revoziren, gut, wo nicht, dann bin ich gezwungen, wenn auch wider Willen, auf angegebene Weise .meine Ehre zu retten. Noch eins. Wenn Sie mich wieder angreifen (und wie ich hoffe ehrlich), so stellen Sie mich nicht mit „Strauß" zusammen. s. »an zunrcrü hi Leben Sie wohl. I. Stern, Rabb.-Cand. 3)^An m' Aber an der Göttlichkeit der Thora zu zweifeln, wagten Lie doch nicht zu sagen.

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