Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1875-03-10 · Heft 10 (10.3.1875) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 10 (10.3.1875)
Date
1875-03-10
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447603-2447613--11359-2467140
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

XYI. Jahrgang. Zweite BeilageNr. 10 des Äsraelit. i . '.i!1.1".M” ■■"■■-!_!!gg5"g .! ■HgBgg|g»g»li m, Um mm, .ihm — -n« ..!■ Seite«»«» Artikel. Einige Detrachtuagea über die jüdischen Zustände in Württemberg. Würzburg, 26. Fcbr. Schon in mehreren Nummern des „Israelit" geschieht eines gewissen ehemaligen Rabb. - Candidaten Stern aus Niederstetten Erwähnung, und zwar zuerst, daß derselbe als Rabbinats - Verweser angestellt wurde, ferner, daß er sogar Anstellung als definitiver Rabbiner in Württemberg erhalten habe. Auch wurde das von diesem Herrn Stern herausgegcbene Buch kritisch besprochen und nachgewicsen, daß der Verfasser nicht an die Göttlichkeit der Thora glaube. Schon vor vielen Jahren referirte ich im „Israelit" über genannten Herrn Stern, wies seine Wankelmüthigkeit nach, wie er früher den polnischen Locken-Chasid mit kabbalistischer Färbung spielte, dann mit einem Riesensprunge von angeblicher Vertiefung die in W'xn zu ’ara Spinoza's übersetzte. Deßhalb will ich mich nochmals mit diesem „Stern" beschäftigen und kann nicht' unterlassen, meiner Entrüstung Ausdruck zu geben bei der Nachricht, daß Herr Stern nunmehr auch als definitiver Rabbiner angestellt wurde. Die Leser des „Israelit" werden sich vielleicht noch eines meiner Artikel „Stuttgart und Jerusalem" erinnern. In jenem Artikel forderte ich damals sämmtliche orthodoxe Rabbiner auf, Protest gegen die Amtsführung des damaligen Oberkirchenrathes Dr. Meier zu Stuttgart zu erheben, indem dessen Bestrebungen offenbar dahingingen, das Judenthum zu untergraben und dessen Amtsführung das Judenthum mehr schade, als alle Missionäre. Ich schrieb jenen Artikel absichtlich derb und frei, um von Seiten des Oberkirchenrathes Dr. Meier angeklagt zu werden, welche öffentliche Verhandlung jedenfalls höchst interessant geworden wäre; allein gedachter Herr Dr. war mehr Diplomat als Jehudi und steckte lieber die Beleidigungen schweigend ein, um nicht noch mehr offiziell dazu zu erhalten. Todtgeschwiegen konnte aber die Sache nicht werden, es folgten Angriffe auf Angriffe, Versammlungen auf Versammlungen, Broschüren auf Broschüren, bis endlich die Sache sogar beim Landtage verhandelt wurde, was später die in diesen Blättern schon oft besprochene Delegirten-Versamnilung der Israeliten in Württemberg veranlaßte. Doch blieb bis heute Alles ohne sichtlichen! Erfolg. Herr Dr. M. steht vor dem ewigen Richter,' j ich will mich deßhalb nicht weiter mit ihm befassen. Sein Nachfolger im Amte wurde Herr Dr. Wassermann. Wenn man nun gleichwohl wußte, daß auch er der neologen Richtung angehöre, so glaubte man doch, eine kleine Wendung zur Besserung erwarten zu können, da Herr Dr. Wassermann doch wenigstens als guter Charakter geschildert wurde. Aber auch diese kleine tröstliche Hoffnung muß auch jetzt unbedingt aufgegeben werden, nachdem Herr Dr. Wassermann es vermochte, H. Stern als definitiven Rabbiner anzustellen. Wie können Sie, Herr Dr. Wassermann, Solches verantworten? Wie können Sie einen Mann als Rabbiner anstellen, der an keine Offenbarung glaubt und die Thora als menschliches Wort betrachtet? Ich glaube kaum, daß je ein Bischof einen Pfarrer mit derartigen Grundsätzen angestellt hätte, ob zwar die Thora nicht Jenen gegeben wurde und Sie stellen einen Rabbiner an, der die «tts gegebene Thora leugnet? Zu was soll denn eigentlich ein solcher Rabbiner nützen, dem alle religiöse Glaubhaftigkeit abgeht, der nach dem Religionsgcsetz nicht einmal als Zeuge zu gebrauchen ist? Wo steckt denn eigentlich Euer Verstand, wenn Ihr auch gleichwohl keine Religion besitzen solltet? Ist es verständig von Euch Neologen, daß Ihr jeden Tag dahin arbeitet. Euch entbehrlich zu machen? Fahrt nur immer so fort, je schroffer, desto besser; denn mit Riesenschritten naht sodann unsere geistige Emancipation. Sowie beim O'->L2 riPZ dieses nwa kurz vor der Erlösung den höchsten Grad erreichen mußte c-37 p:* «o pn so scheint es, daß es uns auch mit dem jetzigen mia ergehen soll. Rasch müßt Ihr freilich Vorgehen. Da Ihr Euch nur immer durch den Reiz der Neuheit erhalten könnt, so ist es freilich für Euch sehr fatal, daß dieser so schnell verfliehet. Da richtete Stuttgart, Berlin, München re. Orgel-Synagogen ein und siehe da, Schweinfurt von kaum 50—60 zusammengewürfelten Landleuten bewohnt, mit einem Rabbiner, dessen Name eine Stunde außer seinem Sprengel kaum gekannt sein dürfte, müssen auch zu ihrer Erbauung eingeorgelt werden. Wien nahm einen Anlauf, der noch nicht dagewesen, verordnete, daß alle Gebete, auf unsere Zukunft, resp. auf rrro abgeschafft werden sollen, und nun kommt schon ein kleiner Flecken und stellt sich auf die Höhe der Vorbildung dieser großen Weltstadt, denn höre Israel und staune, der Marktplatz Marktbreit in Unterfranken mit ca. 30—40 jüdischen Einwohnern stellte nach Mittheilung der öffentlichen Blätter an seinen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.